Ethik als Pflichtfach würde 45 Millionen mehr kosten

1. Oktober 2012, 12:51

Als Alternative zum Religionsunterricht würde Ethik 45 Millionen Euro kosten, heißt es in einem Bericht aus dem Unterrichtsministerium

Wien - Die Einführung eines Fachs Ethik in der Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe; berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS) würde je nach Modell zwischen 25 und 90 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Das zeigen Modellrechnungen des Unterrichtsministeriums zu drei Varianten eines Schulfachs Ethik, die am Montag an das Parlament übermittelt wurden. Die Kosten für die Ausbildung und Lehrmaterial sind in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt.

Der Bericht soll Grundlage für eine Diskussion des Themas auf breiter parlamentarischer und gesellschaftlicher Basis über den Kreis der Regierungsparteien hinaus sein, heißt es in einer Aussendung des Unterrichtsministerium. Die drei Modelle sollen dabei verschiedene Positionen bei der parlamentarischen Enquete im Frühjahr 2011 abbilden.

Drei Modelle

Würde "Ethik" als alternativer Pflichtgegenstand zum Religionsunterricht eingeführt, würde das pro Jahr rund 40 Millionen Euro kosten. Dieses Modell entspricht dem Schulversuch "Ethikunterricht", der derzeit kostenneutral an rund 200 Standorten durchgeführt wird: Nur Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, erhalten Ethikunterricht. Das Ministerium ist in seiner Berechnung davon ausgegangen, dass etwa 30 Prozent der Schüler der Sekundarstufe II betroffen wären. Diese Variante wird von der ÖVP und Kirchenvertretern bevorzugt.

Würde Ethik als eigenständiger zusätzlicher Pflichtgegenstand für alle Schüler eingeführt, würde das bei einer Wochenstunde pro Schulstufe 45 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr kosten, bei zwei Wochenstunden wären es rund 90 Millionen Euro. Diese Variante wird von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) forciert.

Die günstigste Möglichkeit wäre es laut Bericht, Ethik zum Bestand des Lehrplans eines Pflichtgegenstands (z.B. Psychologie/Philosophie) zu erklären. Würde dafür die Stundentafel der Sekundarstufe um zwei Stunden erhöht, würde das 25 Millionen Euro zusätzlich kosten. Ohne Aufstockung der Stundentafel wäre eine Abdeckung von Ethik in verwandten Fächern kostenneutral möglich, heißt es in dem Bericht. (APA, 1.10.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3
Um Kosten zu sparen und auch die geistige ...

.. Entwicklung der Kinder nicht zu behindern wäre z.B. die Abschaffung des Religionsunterrichts in der Volkschule ein Weg, der mehr als sinnvoll ist. Da Kinder im Alter zwischen 6 und 10 Jahren den Inhalt einer Religion ohnehin kaum begreifen können, ein Unterricht also nur der Indoktrination dient, kann er ohne Informationsverlust ohne Probleme abgeschafft werden. Das würde den Ethik unterricht refinanzieren. Wollte man den Religionsunterricht generell gegen einen Ethikunterricht austauschen, werden wohl kaum Mehrkosten entstehen.

Wieviel kostet der derzeitige Religionsunterricht?

Zuviel, denn ...

... nicht der Auftraggeber der Indoktrination bezahlt die Arbeitmaterialien und auch die Lehrer, sondern wir alle durch unsere Steuerleistung!

Den Gedankenprozess stelle ich mir ungefähr so vor:

Ethische Bildung ist nicht so wichtig, es reicht, wenn wir Leistungsträger bauen, die brauchen sowieso kein Gefühl für Moral. Die müssen einfach nur die aufgebrummten Verhaltensregeln benutzen (sagen wir: religöse Gebote oder kapitalistische Erfolgsrezepte) und sich keine Gedanken drum machen.
Das gemeine Volk können wir bestimmt mit einer Erklärung wie "Oh, das kostet Geld, dann geht das natürlich nicht." abspeisen. Das ist sicher ein gutes Argument für die.

Ethisch gesehen würde es reichen, wenn sich die Leute an die 10 Gebote hielten.

"Du sollt keine anderen Götter haben neben mir"

Das hier ist die Ausnahme. Das liegt daran, das die judäische Religion (so wie der Atonismus vorher) als strenger Monotheismus konzipiert war und die Leute ständig noch andere Götter nebenher anbeten gingen, die etwas mehr (sexuelle) Freiheiten boten. Polytheismus war zu der Zeit völlig normal, siehe Hinduismus, ägyptische und olympische Götter. Das ist eine Vertragsklausel zur Machtsicherung.

"Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen" Ja...klar...etwas als heilig empfundenes sollte nicht für profane Zwecke und als Werbung für Zeug benutzt werden. Das wäre wie aus der Opferschale von Zeus jeden Tag Wein saufen oder Apollo zum Werbeträger von Brillen machen.

Ich muss sagen, die 10 christlichen Gebote sind eine ziemliche "No na"-Angelegenheit. Die sind nicht mehr und nicht weniger als die Verschriftlichung der Regeln, die *jede* Gemeinschaft von Menschen hat, auch und vor allem die, die keine Ahnung vom Christentum hatten. Es sind die Regeln, ohne die Gemeinschaft nicht funktioniert und die unser Erbe als biologisch gesehen soziale Primaten darstellen. "Andere Menschen nicht töten" vor allem. Es hat seinen Grund, warum in vielen Kulturen und Zeiten Gegner, Kinder und Frauen nicht als Menschen gesehen werden/wurden - damit dieses Gebot nicht verletzt wird.

Welche 10?

Dann würde es reichen, wenn sich die Leute an die 3½, von ihnen akzeptierten Gebote hielten?

Meiner Meinung nach eben nicht.

Was jetzt genau ein guter, kompakter Katalog von ethischen Grundsätzen ist, darüber streiten sich Philosophen verschiedener Couleurs seit Jahrtausenden, ich werde mir jetzt also keine endgültige Antwort anmassen.

Die 10 Gebote können diese Funktion für mich nicht erfüllen, weil eben sowohl zuviel als auch zuwenig "geboten" wird.

Ihr ursprüngliches Statement erscheint mir also entweder als legitimer Ausdruck christlichen Glaubens, der aber für aussenstehende keine Gültigkeit haben kann, oder aber als ein Irrtum, der ob der langen christlichen Tradition der europäischen Gesellschaft bei uns sehr verbreitet ist.

Forts.

5. "Du sollst nicht töten."
Sehr oberflächlich, man sollte doch auf Dinge wie Notwehr und Nothilfe eingehen und nicht ein paar Verse oder Kapitel spaeter wieder im Namen Gottes Töten. Trotzdem volle Punktezahl: jetzt bei 1,5 von 5.

6. "Du sollst nicht Unkeuschheit treiben."
Die katholische Kirche hat bekanntlich keine anderen Sorgen. Ein wichtiges Gebot wäre zum Beispiel, "Halte, was du versprichst", dann ist der Ehebruch automatisch mit abgedeckt. Noch immer 1,5 Punkte.

7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben.
Wieder zu oberflächlich, aber trotzdem richtig. Es steht bei 3,5 Punkten.

9. / 10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/Gut.
Gedankenfreiheit bitte.

Ergebnis: 35%. Tolle Ethik-Richtlinie.

Die zehn Gebote sind überbewertet.

(nach dem Katholischen Katechismus 1993 ... es sind ja je nach Konfession andere zehn)

1. "Du sollst an einen Gott glauben"
Widerspricht dem Grundrecht der Religionsfreiheit. Nicht als allgemeiner ethischer Grundsatz geeignet. 0 Punkte.

2. "Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren."
Jehova! Jehova! Jehova! Ich wünsche mir stattdessen Redefreiheit. 0 Punkte.

3. "Du sollst den Tag des Herrn heiligen."
"Du sollst deinen Angestellten einen Ruhetag gewähren" wäre vielleicht eine gute Sache. In der biblischen Form aber sicher kein wichtiger ethischer Grundsatz. 0 Punkte.

4. "Du sollst Vater und Mutter ehren." - Gerne. Meine Eltern haben es sich verdient. Klingt aber zu sehr nach einem Freibrief für Rabeneltern. 0,5 Punkte.

Mein Gott, was für eine Kinderei.

Nein,

nur eine genaue Begründung, warum ich die Zehn Gebote nicht für "ethisch gesehen" ausreichend halte.

Die absolute Abwesenheit jeglicher Moral und Ethik

kostet derzeit grad ein paar Milliarden.

Aber das ist ja wurscht.

Es gibt sicher bessere Mittel um das zu verändern

- als Kinder zwangsweise zu Ethik- oder Religionsunterricht zu verdonnern.

Man kann sie ja lieb fragen, ob sie was lernen wollen.

Noch besser wäre eine funktionierende Justiz

ja aber echt und dann noch dieses zwangsweise lesen, schreiben und rechnen lernen! so eine frechheit!

Geh BITTE!

Und der Rettungsschirm kostet 19,8 Millaaaarden EURO!

Aber ja, irgendwo muss ja eingespart werden.

und bringst den kindern respekt bei. die eltern müssen arbeiten gehen, sie haben keine zeit. Auch dafür sehe ich den Ethik-Kurs von nöten.

Na, wenn Schule was kostet, dann verzichten wir am besten ueberhaupt darauf!

Wenn aber zB Ethikunterricht Schueler zu besseren Menschen "erzieht", was koennte man sich da womoeglich an nicht kriminell werdenden Menschen ersparen?

Womoeglich waeren ein KHG oder etliche korrupte VP und FPK-Politiker der letzten Jahre nicht zum Kriminellen geworden - die Republik Oesterreich haette sich Milliarden gespart!!!

eine frage

wenn man angebliche kostenneutrale schulversuche gemacht hat waurm kostet es dann auf einmal, wenn mans überall einführt, doch geld?

eine von beiden aussagen muß gelogen sein.

hm

das würde sicherlich nicht mehr kosten, würde man den religionsunterricht endlich abschaffen. religionsunterricht muss abgeschafft werden. wahnvorstellungen haben in stätten der bildung nichts verloren. es ist sowieso ein wahnsinn, dass völlig verwirrte ansichten verbreitet werden über irgendwelche wesen, die das universum erschaffen haben, in schulen bereits in den volksschulen gelehrt werden, aber die Fakten einer Evolution erst viele Jahre später. Alleine das zeigt wunderbar, wie verkorkst unsere zeitgenössische Menschenaffenwelt denkt

In Zeiten wie diesen

Wenn es um die Bildung unserer Kinder geht, dann wird anscheinend wirklich jeder Cent umgedreht. Wann kommt endlich die Lobby für Kinder, das kann's ja echt nicht sein.

Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.