Polbank letzter Baustein in CEE-Strategie der RBI

1. Oktober 2012, 12:27
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Die Fusion mit Raiffeisen Polen soll bis Mitte 2014 vollzogen sein, Interesse an Bank-Beteiligungen in Slowenien gibt es nicht

Warschau - Mit dem Zukauf der polnische Polbank hat die börsenotierte Raiffeisen Bank International (RBI) ihre Expansion auf den Märkten Mittel- und Osteuropas (CEE) abgeschlossen. "Wir sehen keinen weiteren Markt mehr, den wir für uns als entscheidend ansehen, aber Polen war's", sagte RBI-Chef Herbert Stepic. Bis Mitte 2014 soll die vollständige Fusion der Raiffeisen Bank Polska mit der erworbenen Retailbank unter Dach und Fach gebracht werden. Spätestens zwei Jahre später muss die fusionierte "Raiffeisen Polbank" zumindest mit 15 Prozent an die Warschauer Börse gehen. Dies wurde mit dem Regulator so vereinbart.

Zeitplan für Börsegang

Stepic hält den Zeitplan für den Börsengang für ambitiös. Nach der Fusion brauche man zumindest ein gutes Jahr, um börsefit zu werden, sagte er. Er schloss nicht aus, dass man mehr als 15 Prozent über die liquide Warschauer Börse verkaufen könnte. Die Warschauer Börse habe der Wiener Börse in CEE den Rang abgelaufen, es war ein Fehler, dass die Wiener das polnische Börseparkett nicht gekauft haben, meinte Stepic.

In Polen habe die RBI sechs Jahre nach einer passenden Bank gesucht, schilderte Stepic in der Pressekonferenz. "Das war der letzte Baustein in unserer Osteuropa-Strategie." Die Stärke des RBI-Konzerns liege in der Diversifikation: "Wir stehen auf vielen Beinen, mit denen wir uns aus dem Schmutz ziehen können."

Für einen Einstieg in den türkischen Markt sei die Bank aber nicht stark genug, erläutert Stepic der APA. Auch an dem erwarteten Ausverkauf von Bankbeteiligungen im angeschlagenen Slowenien ist die RBI nicht interessiert. Slowenien habe es verabsäumt, die ausländische Investoren ins Land zu holen. Derzeit sei das Zwei-Millionen-Land nach der Ukraine und Ungarn bereits der drittschwierigste Markt für Raiffeisen, sagte Stepic. Allerdings sei das Engagement dort überblickbar.

Russland vor Polen

Mit der Fusion der zwei polnischen Banken steigt Polen für den RBI-Konzern gemessen an der Bilanzsumme mit fast 13,73 Mrd. Euro zum zweitwichtigsten Markt knapp hinter Russland auf. Die Retailbank Polbank brachte rund 700.000 Kunden in den RBI-Konzern mit, die auf KMU spezialisierte Raiffeisen Polen hat fast 230.000 Kunden. Das Vertriebsnetz steige von 116 auf über 443 Standorte quer durch Polen mit rund 6.200 Mitarbeitern. Wie viele Standorte geschlossen bzw. Mitarbeiter abgebaut werden, wollte Stepic nicht beziffern. Man arbeite noch an den Plänen, Entscheidungen seien bis dato noch keine getroffen worden. Bei der RBI rechnet man mit Synergieeffekten von bis zu 50 Mio. Euro jährlich im Zeitraum 2013 bis 2015.

Polen gilt als einer der attraktivsten Bankenmärkte weltweit. In den vergangenen fünf Jahren habe es zwölf Transaktionen am polnischen Bankenmarkt gegeben, sagte Raiffeisen-Polen-Chef Piotr Czarnecki.

Auch in Polen seien faule Kredite (Non-Performing-Loans, NPL) zwar ein Thema, aber nicht so dominierend wie in anderen Ländern, betonte Stepic. Mit einem NPL-Anteil von knapp 8 Prozent liege Polen weitaus besser als die Ukraine (36 Prozent) und Ungarn (zwischen 27 und 29 Prozent). Die fusionierte Raiffeisen Polbank wird einen NPL-Anteil von 8,5 Prozent aufweisen, was in absoluten Zahlen knapp 900 Mio. Euro bedeutet. Zudem könnte auch eine Aufstockung der Einlagensicherungsbeträge ab 2013 kommen, erläuterte Stepic zur APA. Dies würde Raiffeisen rund 20 Mio. Euro kosten.

Für die Polbank zahlte die RBI zunächst für einen 70-Prozent-Anteil 460 Mio. Euro an die griechische EFG Eurobank, die dann Ende Mai ihre Put-Option für den Verkauf der restlichen Anteile um 175 Mio. Euro zog. Allerdings wurde ein Rabatt von 30 Mio. Euro zugunsten der RBI vereinbart, sodass als Kaufpreis 605 Mio. Euro bezahlt worden sind, rechnete Stepic vor. Darüber hinaus erstattete die RBI den Griechen eine durchgeführte Kapitalerhöhung im Ausmaß von 201 Mio. Euro, sodass letztendlich die Transaktion ein Volumen von 806 Mio. Euro bewegte.

Polen soll neben der Slowakei im Raiffeisen-Konzern zum Technologieführer werden, betonte Stepic. Demnächst soll in Polen ein Bezahl-System (NFC - "Near Field Communication") vorgestellt werden, bei dem die Handy-Simkarte die Kreditkarte ersetzt, erläuterte Polbank-Chef Kazimierz Stanczak, der in der fusionierten Bank als Vize tätig sein wird. Der Bezahlvorgang soll durch das Halten des Telefons an einen Bezahl-Terminal abgewickelt werden. Partner des Projekts sind T-Mobile und Mastercard. (APA, 1.10.2012)

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    Polen gilt als einer der attraktivsten Bankenmärkte weltweit. Das weiß auch RBI-Chef Herbert Stepic.

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