Telekom: "Führungskräfte sollen wissen, wie sie ankommen"

1. Oktober 2012, 11:01
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Im schwierigen Marktumfeld, nach kräftiger Dividendenkürzung, kann die Konzernpersonalchefin der Telekom-Austria-Gruppe gute Nachrichten von den 17.000 Mitarbeitern überbringen

International sorgen sich Unternehmen um das Engagement ihrer Mitarbeiter, das jüngsten globalen Messungen zufolge sinkt. Das heißt, die Leute machen zwar ihren Job, aber überwiegend nicht mit Begeisterung und besonderem Engagement. Die Hay Group etwa spricht davon, dass international ein Drittel der Belegschaften ganz unmotiviert zur Arbeit geht, wobei die Werte in Europa schlechter sind und gleichzeitig steigender Druck die Unlust erhöht.

Was hätte Silvia Buchinger, die Konzernpersonalchefin der Telekom Austria also erwarten können, als sie im Frühsommer in allen acht Ländern mit dem Spezialisten CEB Valtera mit einer detaillierten Mitarbeiterbefragung zum Engagement, zur Zufriedenheit mit Management und Informationsgrad, begann, zumal sich damals auch die Krisennews für das Unternehmen - Stichwort Korruptionsausschuss - einem Höhepunkt näherten?

"Extra Mile"

Auf die Erwartungen geht Buchinger nicht ein, allerdings auf das Ergebnis: 90 Prozent gaben an, gern für den "Erfolg des Unternehmens über die eigentlichen Jobaufgaben hinauszugehen". Über die Länder hinweg kam der Engagementindex bei fast 80 Prozent zu liegen, was auch im Vergleich mit dem Branchenbenchmark (59 Prozent) hoch erscheint. Als Motiv schienen "Stolz und der Wunsch, den Job besonders gut zu machen" auf.

Buchinger: "Wir wollten uns auch extern benchmarken, und wir haben Leistungswille, Produktivität und Commitment abgefragt". Führung und Management erhalten auch hohe Noten, Nachholbedarf ergab sich beim Verständnis der Strategie. Insgesamt überraschend: Die Ergebnisse aus den heimischen Beamtenkreisen der Belegschaft unterscheiden sich nicht von jenen der anderen Angestellten. Insgesamt haben 11.000 der zusammen 17.000 Mitarbeiter geantwortet.

Buchinger: "Wir wollten aber auch ein Leadership-Tool in die Hand bekommen, um zu sehen, was wo zu tun ist". Daraus ist nun je nach Länder- respektive Marktbedarf eine "Toolbox" entstanden, die an den Ergebnissen ansetzen und weiterarbeiten lasse.

Ein ordentlicher Ressourcenaufwand bei schwächerer Ertragslage: Ja, ein "deutlicher", sagt Buchinger, aber genau das sei es wohl wert. Es sei nun ein Prozess gestartet - die Umfrage soll alle eineinhalb, zwei Jahre wiederholt werden um von dieser "Nulllinie weg" messbare Ergebnisse und weitere Handlungsfelder in den Ländern und ihren Teams sichtbar zu machen. (red, DER STANDARD, 29./30.9.2012)

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