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Brustkrebs ist nicht Brustkrebs: Es gibt viele unterschiedliche Formen.
Jede achte Frau bekommt irgendwann in ihrem Leben Brustkrebs. "Vor allem für Tumoren in frühen Stadien haben sich die Überlebenschancen deutlich verbessert", sagt Christian Singer, Leiter der Arbeitsgruppe für Brustgesundheit an der Med-Uni Wien. Das liegt an der Früherkennung und den besseren Therapien. Zudem weiß man inzwischen, dass es verschiedene Formen von Brustkrebs gibt. "Je nach Art des Tumors schlagen wir eine individuell angepasste Therapie vor."
Die Behandlung könnte in Zukunft noch besser werden, hoffen Wissenschafter vom Netzwerk Cancer Genome Atlas, das nach genetischen Veränderungen bei Krebs sucht. Die Forscher analysierten kürzlich das Erbgut von 825 Karzinomen mit dutzenden genetischen Tests und teilten sie aufgrund ihres genetischen Profils in vier Typen ein. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Prognose und der Therapie, auf die sie ansprechen. "Möglicherweise könnten wir damit in Zukunft genauer sagen, welchen Frauen man eine Chemotherapie ersparen kann", sagt Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik an der Uni Erlangen. "Aber noch ist nicht belegt, dass die mehrere tausend Euro teuren Tests besser sind als unsere herkömmlichen."
Heute legen Ärzte anhand der Größe des Tumors, der Art der Zellen und der Anzahl befallener Lymphknoten die Behandlung fest. Eine wichtige Rolle spielen Marker im Tumorgewebe. "Damit können wir gute Vorhersagen machen, ob ein Krebs langsam wächst und gut auf Medikamente anspricht oder eher rasch wuchert und eine aggressivere Therapie benötigt", sagt Beckmann. Routinemäßig testet man, ob die Krebszellen Bindungsstellen für Östrogen und Progesteron aufweisen, und man sucht nach HER2-Rezeptoren, an die Wachstumsfaktoren binden. Auch der Marker Ki-67 wird bestimmt. Taucht er in vielen Zellen auf, teilen diese sich rasch. Diese Faktoren bestimmen die individuelle Behandlung.
Zum Therapiekonzept gehört meist eine Operation. In 80 Prozent aller Fälle muss nicht die gesamte Brust entfernt werden, sondern nur der Tumor an sich. Dann folgt die Bestrahlung, danach Chemotherapie. "Heute bieten wir die Therapie schon vor der Operation an, also neoadjuvant", sagt Beckmann. Das lasse Tumoren schrumpfen und macht sie besser operabel. Zudem lasse sich früh erkennen, ob ein Medikament wirkt oder auf andere umgestellt werden muss. Befinden sich in Krebszellen Hormonrezeptoren, ist zusätzlich eine Anti-Hormon-Therapie empfehlenswert. Weist der Tumor HER2-Rezeptoren auf, setzen Ärzte den Antikörper Trastuzumab ein.
Manche Frauen lehnen die vorgeschlagene Therapie jedoch ab. "Will eine 80-Jährige keine Chemotherapie, kann ich das gut verstehen", sagt Teresa Wagner, Chef-Gynäkologin am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien. "Verweigert eine junge Frau die Chemo, versuche ich ihr die Angst zu nehmen, weil sie sehr profitieren würde." Bei aggressiven Tumoren raten Gynäkologen zur Chemotherapie, weil sie das Überleben deutlich verlängert. Zum Beispiel dann, wenn der Tumor den HER2-, aber keine Hormonrezeptoren aufweist, der Ki-67-Marker hoch ist und Lymphknoten befallen sind. Bei wenig aggressiven Tumoren indes würde eine Chemo mehr Nebenwirkungen als Vorteile bringen, sodass Experten abraten.
Es gibt auch mittelaggressive Tumoren. Dabei ist die Ausgangssituation weniger eindeutig. "Dann helfe ich zu entscheiden, ob eine Frau Nebenwirkungen in Kauf nehmen will", so Beckmann.
In solch unklaren Fällen könnten möglicherweise die neuen Genchips unterstützen. "Sie helfen uns nicht nur besser zu verstehen, wie Brustkrebs entsteht", sagt Daniel Fink, Direktor der Klinik für Gynäkologie am Uni-Spital Zürich, "sondern können auch zu neuen Therapien führen." Interessant findet er, was die Forscher über einen der vier Brustkrebstypen herausgefunden haben. In diese Gruppe klassifizierten sie Tumoren, die weder Hormonrezeptoren noch HER2 aufweisen. "Ihr genetisches Profil ähnelt Eierstockkrebs", sagt Fink, "vielleicht helfen dann besser jene Medikamente, die wir bei Eierstockkrebs einsetzen."
Pharmafirmen testen indes dutzende neue Substanzen. "Viele greifen dort, wo bisherige Medikamente ansetzen", sagt Singer, "völlig neue Wirkmechanismen sind erst in den nächsten Jahren zu erwarten." (Felicitas Witte, DER STANDARD, 1.10.2012)
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