Pussy-Riot-Prozess vertagt

1. Oktober 2012, 17:59
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Angeklagte Samuzewitsch fordert neuen Anwalt - Forsetzung am 10. Oktober

Das Berufungsverfahren gegen die Gruppe Pussy Riot endete am Montag, ehe es noch recht begonnen hatte. Jekaterina Samuzewitsch, eine der drei Angeklagten, forderte eine Verschiebung, da sie ihren Anwalt wechseln will. Samuzewitsch verzichtete auf ihre bisherigen Verteidiger, weil "deren Positionen nicht mit der meinen übereinstimmen", so die 30-Jährige.

Samuzewitsch, die stets ihre Beteiligung an dem umstrittenen Punk-Gebet in der Christ-Erlöser-Kathedrale bestritten hat, erklärte, bereits einen neuen Anwalt zu haben. Der Vertrag müsse allerdings noch unterzeichnet werden. Daher sei sie derzeit ohne Rechtsbeistand, sagte sie. Das Gericht vertagte daraufhin den Beginn des Berufungsverfahrens auf den 10. Oktober.

Der plötzliche Verzicht auf ihre Verteidiger kommt überraschend. "Ich weiß von nichts und verstehe nicht, was da vorgeht", erklärte ihr Vater Stanislaw Samuzewitsch nach der Entscheidung. Dafür gibt es bereits zahlreiche Spekulationen.

Ein Vertreter der Nebenklage erklärte, Pussy Riot versuche mit dem Manöver auf Zeit zu spielen. Es sei nicht auszuschließen, dass bei der nächsten Verhandlung eine weitere Angeklagte auf ihren Verteidiger verzichte, um den Prozess in die Länge zu ziehen und so in der Öffentlichkeit zu halten.

Die Verteidiger hingegen sprechen von Druck, der auf die Angeklagten ausgeübt werde. Ziel sei es, die Gruppe zu spalten. "Eine überreden sie, zu bereuen und lassen sie dann frei; die anderen bekommen das volle Programm", vermutet Anwalt Nikolai Polosow.

Unmittelbar vor dem Prozess hatte die russisch-orthodoxe Kirche Pussy Riot aufgefordert, öffentlich Buße zu tun - das werde sich auch auf das Strafmaß auswirken, versprach ein Kirchenvertreter. Pussy Riots Verteidiger lehnten ein Schuldeingeständnis allerdings ab. (DER STANDARD, 2.10.2012)

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    Die drei Musikerinnen von Pussy Riot haben gegen ihr Urteil berufen.

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