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Originale Alpin-Plutzer.
An sich ist es lobenswert, dass wir unseren ewigen Inferioritätskomplex den Deutschen gegenüber endlich überwinden und erkennen wollen, wie sehr sie uns als freundliches Vorbild dienen können. Beim Fußball machen wir's ihnen ja schon ziemlich gut nach.
Wie toll wäre es, wenn dieser Geist auch in der Politik Einzug hielte, wo die Deutschen so ungleich höhere Standards setzen - bei der Qualität der Debatte, beim Ziehen von Konsequenzen oder einfach beim Bewusstsein dafür, welche Aussagen nicht nur der Anstand, sondern schlicht die Selbstachtung verbietet.
Stattdessen aber nehmen wir uns, wie dieser Tage im Wiener Prater, just am Oktoberfest ein Vorbild und stellen das legendäre Kampfsaufen als jämmerliche - wenngleich freudig besuchte - Provinz-Kopie nach.
Hoffnungsfroh drucken die Buntblätter Faltpläne, damit ihre Leser auch ja "das WC finden". Dabei dürften echte Wiener den Münchner Vorbildern gerade im Sturztrinken nicht nachstehen. Dafür schauen unsereins G'spritzten-Gfrießer in Tracht halt noch deplatzierter aus als die bierdunstigen Alpin-Plutzer des Originals.
Bisher war sich der Wiener doch stets auf souveräne Art bewusst, dass die Tracht und das Umtata nur auf dem Dorf lustig sein können. Dass er sich nun ohne Not - und auf ureigenem Terrain! - als Rustikal-Dodel ausstaffiert, sollte uns zur Sorge um die Verfassung seines Selbstbewusstseins gereichen. (DER STANDARD, 1.10.2012)
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..haben wenig mit den ursprünglichen Bekleidungen von Bergvölkern unserer Breiten zu tun.
Sie sind vielmehr eine zu Textil gewordene, bis heute sozusagen eingefrorene Momentaufnahme des Überganges spätbarocker zu biedermeierbeeinflusster Moden damaliger Landadeliger denen es die bäuerische Bevölkerung eben gleichtat- und gleichtut bis heute.
Authentischer und dem Landvolk gemäßer wären Trachten 1-3 Jahrhunderte vorher - ins Zeitgemäße übertragen.
Mah, geh bitte, warum müssen immer nur alte Knacker ihre Mieselsucht, Vorurteile und peinliche Offenbahrung, dass sie einfach schon seit jahrzehnten nix mehr raffen, verbreiten?!
Ich kenne jede Menge junge Mädels, gebildet, emanzipiert und modern, die kaufen sich wieder Dirndl und besuchen sogar das Oktoberfest im Prater - na und?!
Das ist kein "statement" zu einem verzopften Lebensstil (nur in den verquerten Komplexköpfen alternder Zeitgenossen), sondern einfach Spaß.
Außerdem: ein Dirndl ist praktisch und steht fast jeder Frau;-)
nach einiger zeit flaut das wieder ab, die Dirndl verschwinden im Schrank; ich glaube zuletzt gabs in den 80ern einen Trachten-Hype.
das dirndl in der stadt ist ein zeichen dafür, dass die provinz in österreich immer noch herrscht.
insofern sind die stadt-"mädels" im dirndl überhaupt nicht modern, ja nicht einmal unmodern und auch nicht retro sondern ihre eigenen schlimmsten feindinnen.
durch das wiener oktoberfest werden tendenziell germanophobe wiener/innen behutsam an sitten und gebräuche der geringschätzig betrachteten, deutschsprachigen nachbarn und mitösterreicher herangeführt. das anlegen fremd anmutender kleidung erlaubt es, aus eigenen sitten und gebräuchen gleichsam herauszutreten und erleichtert die empathische einfühlung in fremde lebenswelten, die vordem unreflektiert abgelehnt wurden. die sinnliche erfahrung von gemeinsamen bedürfnissen fördert das verständnis der werte von bürger/innen mit teutonischem oder rural-austriakischem migrationshintergrund und stellt das gemeinsame vor das trennende.
ich persönlich find's auch furchtbar und häßlich, aber wenn ich mir z.b. von konservativen/älteren menschen erwarte, daß sie punk-outifts u.ä. ihrer kinder/enkel akzeptieren, muß man halt im gegenzug dieses gedirndle und getrachte akzeptieren. jeder mensch soll sich so kleiden, wie er/sie will.
das Gedirndle und Getrachte ist in Österreich auch und vor allem in den Köpfen der Mehrheitsbevölkerung verankert, Punk hingegen nicht oder höchstens bei einer kleinen Minderheit! Dirndln und Trachten sind in Österreich nicht nur Kleidungsstücke sondern ein Machtfaktor, der Ausdruck des provinziellen Miefs, den es zu bekämpfen gilt! Deshalb halte ich nichts davon das gleichzusetzen.
Oh nein, unsere Hauptstädter verlieren ihr Selbstbewusstsein!
Ihre liebenswerte, souveräne Art ("Heast, Gscherda!") scheint in Gefahr!
Naja, solang sie München noch als Provinz und sich selber als Weltstadt ansehen, mach ich persönlich mir ja jetzt noch nicht die gewaltigen Sorgen über abnehmendes Selbstbewusstsein der Wiener.
Aber "Heast, Gscherda!" ist ein Ausdruck, der vor 30 Jahren noch sehr gebräuchlich wart, heute dagegen nur noch von älteren Vorstadtbewohnern gebraucht wird.
Dankenswerterweise hat sich inzwischen das Schönbrunnerdeutsch als meist verwendete Umgangssprache durchgesetzt.
beides furchtbar-da ist ein erdiger dialekt viel ehrlicher und auch selbstbewusster-deswegen find ich es gut, dass jetzt auch viele akademiker zu ihrem dialekt stehen und nicht einen der obengenannten verwenden....
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