Wall Street setzt auf spanischen Hilferuf

Anleger setzen darauf, dass die Regierung in Madrid mit einem Hilfsgesuch in Brüssel die Zitterpartie um das Euro-Krisenland beendet

New York - Unter dem anhaltenden Druck der Euro-Krise starten die US-Anleger mit einer ereignisreichen Woche in den Oktober. Gebannt blicken sie nach Spanien, wo Optimisten auf weitere Schritte zur Beruhigung der Lage hoffen. Nach Spar-Budget und Banken-Stresstest setzen solche zuversichtlichen Anleger darauf, dass die Regierung in Madrid mit einem Hilfsgesuch in Brüssel die Zitterpartie um das Euro-Krisenland beendet. Zugleich wird den Investoren in der kommenden Woche eine Vielzahl von US-Konjunkturdaten präsentiert, die sie nach Rückschlüssen auf den Zustand der heimischen Wirtschaft durchforsten können. Die Erwartungen an die Zahlen sind gering, Spielraum für positive Überraschungen ist damit gegeben.

"In der kommenden Woche könnte es ein Comeback der Aktienmärkte geben, wenn die Sterne gut stehen und Spanien um Hilfe bittet", sagte Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management. Wenn dann noch die EZB günstige Bedingungen für die Unterstützung Spaniens ermöglichte, wäre dies perfekt. "Wenn Spanien und die EZB aber nicht damit rüberkommen, könnte es am Markt weiter abwärtsgehen", warnte Jacobsen.

Zentralbanken machen Hoffnung

Die Wall Street hatte am Freitag zwar ein glänzendes Quartal, am letzten Handelstag des Vierteljahres sowie auf Wochensicht aber Verluste verbucht. Die Gewinne in den vergangenen drei Monaten resultierten weitgehend aus der Hoffnung der Anleger auf Konjunkturstützen der Zentralbanken, so dass die Investoren auch in den nächsten Tagen ihr Augenmerk auf die Federal Reserve, die EZB, die Bank of England und die japanische Notenbank richten werden.

Gleich am Montag hält Fed-Chef Ben Bernanke eine Rede, am Donnerstag folgt das Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank. EZB sowie die Zentralbanken Großbritanniens und Japan kommen zu Sitzungen zusammen: die Bank of England am Mittwoch, die EZB am Donnerstag und die japanische Notenbank von Donnerstag bis Freitag.

Schwache Konjunkturdaten erwartet

Die Prognosen für die Konjunkturdaten der Woche sind schwach. Weder vom aktuellen Einkaufsmanager-Index Industrie am Montag noch vom entsprechenden Barometer für die Dienstleistungen am Mittwoch oder vom Arbeitsmarktbericht am Freitag versprechen sich die Experten viel Gutes. "Es sieht so aus, als ob sich der Markt wirklich auf schlechte Zahlen gefasst macht", sagte Wasif Lativ von USAA Investment Management. "Wenn sie dann aber nicht ganz so schlecht ausfallen, könnte sich das positiv an der Börse auswirken."

Wenige Wochen vor der US-Präsidentenwahl rückt auch die Politik verstärkt ins Blickfeld der Anleger. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney treffen am Mittwoch zu ihrem ersten Rededuell aufeinander. Obama führt in den Umfragen, und nach Einschätzung des Investmentstrategen Jack de Gan von Harbor Advisory Corp liegt die Latte für Romney sehr hoch. Allerdings sei die Bedeutung der Kandidaten-Debatte für die Märkte vergleichsweise gering: Sollten am Donnerstag irgendwelche Nachrichten aus Europa zu Spanien oder der EZB kommen, wäre das Rededuell von Mittwochabend auf dem Parkett schon vergessen. (Reuters, 30.9.2012)

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zitterpartie beenden? danke, der war wiklich gut. dann gehts erst los.

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