Die Eurorettung, ein Drahtseilakt

Kommentar | Eric Frey, 30. September 2012, 18:17

Nur die Kombination von Sparpolitik und Hilfsgeldern bietet politisch eine Lösung

Wenn Staaten überschuldet sind und private Investoren neue Kredite verweigern, gibt es zwei Möglichkeiten, um den Staatsbankrott zu vermeiden: Entweder sie ziehen sich selbst aus der Patsche, indem sie radikal sparen, oder sie erhalten Hilfe von außen.

Beide Wege haben aus ökonomischer Sicht unerwünschte Nebenwirkungen: Ein drastischer Sparkurs treibt das Land in eine Rezession, durch die sich die Überschuldung kurzfristig noch weiter erhöht. Externe Hilfe wiederum führt oft dazu, dass ein Land zu wenig tut, um die Ursachen seiner Misswirtschaft zu bekämpfen. Dieser "moral hazard" fördert Verantwortungslosigkeit und legt den Grundstein für zukünftige Krisen.

Seit Beginn der Schuldenkrise in der Eurozone haben die Europäer einen Mittelweg zwischen diesen beiden unbefriedigenden Optionen eingeschlagen: Die überschuldeten Länder erhalten Hilfe, müssen aber selbst zu ihrer finanziellen Sanierung entscheidend beitragen. Deshalb gab es von europäischer Seite zuerst bilaterale Kredite, dann den temporären Rettungsschirm EFSF und nun den ESM plus Bankenunion - und dazu die steigenden monetären Hilfsaktionen der Europäischen Zentralbank.

Und gleichzeitig müssen die betroffenen Staaten Ausgaben streichen, Beamte abbauen, Steuern erhöhen und öffentliches Eigentum privatisieren - und das alles unter der strengen Aufsicht der Troika. All das dient dem Zweck, das Szenario von Staatspleite und Eurokollaps zu vermeiden. Denn das wäre eine Katastrophe für alle.

So vernünftig dieser große Kompromiss auf den ersten Blick auch wirkt, so schwierig ist er in der Realität umzusetzen. Denn als sich die Krise vertiefte und ausweitete, mussten beide Seiten ihren Einsatz immer weiter erhöhen. Doch dabei wuchs auch die Überzeugung, dass die eigene Seite die Opfer bringt, während die andere aus ihren Verpflichtungen flüchtet. Und lautstarker politischer Widerstand auf einer Seite senkt die Bereitschaft des Gegenübers, das Notwendige zu tun.

Genau das erleben wir heute: In den meisten Schuldnerländern stocken Budgetsanierung und Strukturreformen, dafür stehen Deutschland & Co etwa bei der Schaffung einer effektiven Bankenunion auf der Bremse.

Die Eurorettung erweist sich immer mehr als politischer Drahtseilakt ohne Netz, beim dem jeden Augenblick ein Absturz möglich ist. Sollte das tatsächlich passieren, dann ist die Schuld auf beiden Seiten zu suchen.

Die Demonstranten in Madrid und Athen, die den Sparkurs verdammen, sind das Gegenstück von Bundesbank-Chef Jens Weidmann und jenen deutschen Ökonomen, die gegen weitere Hilfsgelder wettern. Beide haben wirtschaftlich teilweise recht, aber politisch völlig unrecht: Denn nur in einer Kombination beider Strategien ist ein Ausweg aus der Krise vorstellbar. Umso bedrückender ist es, dass so viele Kommentare aus der Politik und in den Medien immer nur die Schwächen des einen Weges aufzeigen und den Blick auf das Ganze verweigern.

Trotz des Störfeuers von allen Seiten schreiten EU-Kommission, EZB und die Regierungschefs der Eurozone auf dem schmalen Grat weiter voran. Aber je langsamer sie sich bewegen, desto größer wird die Absturzgefahr. Europa braucht derzeit daher keine großartigen neuen Visionen und Institutionen. Den mühsamen Euro-Kompromiss politisch ins Ziel zu bringen ist Herausforderung genug. (Eric Frey, DER STANDARD, 1.10.2012)

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Sehr geehrter Herr Frey!

Falsch damit 5 und setzen hätten jetzt wohl meine Lehrer gesagt. Um Ihnen das Beispiel mal ganz einfach klar zu machen.
Zwei Geschäftspartner haben ein Problem. Der Erzeuger des Produkt das der zweite weiter verarbeitet, hat kein Geld sich Rohstoffe zu kaufen. Damit kann der Weiterverarbeiter auch nicht mehr weiter arbeiten.
Jetzt geben Sie dem Weiterverarbeiter Geld damit der dem Erzeuger des Grundprodukts einen Kredit geben kann. Da dieser ja vertrauenswürdiger ist.
Der Erzeuger de Grundproduktes muss lernen zu sparen.

Bravo. Und dann wundern sie sich das dies bald wieder schief geht. Weil der Kreditnehmer nicht fähig ist seine Schulden und die Zinslast zu bezahlen.
Doch der ist nur zu dumm zum sparen?

LG. ihr Wildweststeirer

nach der versuchten Herabwürdigung Jean Zieglers durch Herrn Frey

Herr Frey, mit Entsetzen zuletzt gesehen am 1. Oktober auf Puls 4, versteht offenbar soziale Intelligenz als Naivität.

Die - nicht zum ersten Mal - versuchte Herabwürdigung Jean Zieglers musste scheitern, weil Argumente für Skrupellosigkeit, Unmenschlichkeit und Gier nicht bildschirmtauglich sind.

Erschütternd

wie sich Herr Frey gestern in der Diskussionssendung auf Puls 4 gegeben hat. Beim Thema "Armut" erklärt uns Herr Frey, dass diese unvermeidlich sei und es halt darauf ankommt, wie die Armut denn ausschaue. Spanien und Portugal hätten ungeheures Wachstum erlebt, jedoch nur auf Pump, deshalb wird diese Entwicklung nun wieder zurückgefahren. Herr Frey propagiert damit Ideologien, über die er zweifelsfrei erhaben ist, jedoch stark an die Propaganda der 1930 und 1940er Jahre erinneren. Nationale Vorurteile (die Portugiesen, Spanier, Griechen...) verbunden mit darwinistischen Ansätzen (der Starke frisst den Schwachen) regen in mir so einen Brechreiz, dass es mir ein Anliegen ist, die Aussagen dieses Herren zu veröffentlichen!

Kenne Hrn Frey ja bis jetzt nur aus seinem Blog hier..

..aber sein Auftritt auf Puls4 gerade festigt das Bild.

Bitte hörn Sie auf sich als Wirtschaftsexperte aufzublustern, das sind Sie nämlich nicht!

Schuldenkrise?

Darf man das immer noch ungestraft so nennen?

Ja, das Symptom sind Schulden - und weiter?

drahtseilakt triffts realtiv genau - daß sich das drahtseil schlingenförmig um unseren hals befindet sollte vielleicht noch erwähnt werden....

Eurorettung, bankenrettung....

Egal wie mans nennt. Die ersten sterben bereits dafür und eins ist sicher. Von den oberen 10000 wird keiner dafür den kopf hinhalten müssen!

Petition für ein demokratisches Europa

Die Staats- und Regierungschefs Europas müssen durch einen lauten Aufschrei zur Vernunft gebracht werden! Die EU muss endlich demokratisiert werden, dafür braucht Europa deine Stimme!

Bitte jetzt die Petition für eine Europäische Verfassung der Bürger und Bürgerinnen unterzeichnen:

http://www.moveument.org/de

Bitte auch für den Newsletter anmelden und es Freunden/Bekannten/Verwandten/FB-Freuden weitersagen!

Weil ein "demokratisches" Europa es Wert ist!

Danke!

Ein Drahtseil ohne Ende...

Es ist schon zum Verzweifeln; einerseits wollen wir ein gemeinsames, solidarisches Europa der Völker andererseits bestimmen immer noch innenpolitische Themen die Politik der EU. Ein Europa ohne einheitliche Spielregeln (Steuern, Rechtssystem usw.) führt bei gleichzeitiger Währungsunion in den Systemkollaps. Die Mitgliedsstaaten der Union sind nach wie vor Konkurrenten und kooperieren nicht. Letztlich werden die Staaten dann von den "Märkten" getrieben, was die Politik völlig überfordert; der Bevölkerung wird dann immer die Alternativlosigkeit der finanziellen Maßnahmen vorgegaukelt. Es bedürfte halt politischen Mutes, die von den Märkten selbst eingegangenen Risiken nicht mehr zu Risiken der Nationen zu machen!

ja, aber

Ich stimme weitgehend zu, wehre mich allerdings gegen den Terminus "Mißwirtschaft", die angeblich den Schuldenturm aufgebaut hat. Vielfach, siehe Spanien, war es nicht die Politik, waren es nicht die Steuerzahler, die für die Schulden verantwortlich sind, für die letztere jetzt aufkommen sollten, sondern die Realitätenvermittler, -finanzierer und -eigner, die für die Verschuldung verantwortlich sind. Die Politik, der Staat, hat dann - und das ist vielleicht doch Mißwirtschaft - die Schulden übernommen und verlangt jetzt von den Bürgerinnen, und vor allem von jenen, die öffentliche Leistungen brauchen, dafür zu bezahlen.
Man sollte jenen, die Jahrzehnte von der privaten Mißwirtschaft profitiert haben, ihre damaligen Gewinne wegsteuern.

ja eh...

...reisst uns aber in die Rezession wenn alle gleichzeitig sparen. Deutschland und die anderen AAAs muessten im Gegenzug entsparen.

ende mit schrecken: DRACHME STATT EURO !

ein ungleich fundierterer artikel der die probleme des euro - nein, staatsschulden haben mit der währung nichts zu tun - beleuchtet.

http://www.theintelligence.de/index.php... -euro.html

P.S. Die o.a. Maßnahmen beziehen sich auf das derzeitige Schuld-Geld-System und ändern nichts daran, dass diese Lösungen nur ein RE-SET bedeuten. Das Jahrhunderte alte Spiel beginnt von vorne und endet in einigen Dekaden wieder dort, wo sich Griechenland als exemplarisches Beispiel befindet - bei der Umverteilung von unten nach oben und der Versklavung der Bevölkerung durch Schulden! Eine Befreiung aus diesem Zustand gelingt nur, wenn man die Geldschöpfung den privaten Geschäftsbanken entreißt...

Die können aber nur aus dem schöpfen, was ihnen die ZB als Mindestreserven-Bruchteil vorgibt -
insofer sollte man dort anfangen zu reformieren.

nein - sie vergessen auf die schattenbanken ... ;)

Kaum schreibt mal' wer einen vernünftigen Artikel, zeigt sich wie minderbemittelt die hiesigen Poster so sind. Und ich sage wieder mal': falls die EU scheitern sollte, dann an der Dummheit ihrer Bürger. Die wollen nicht wissen wie es geht, denen sind ihre alten Vorurteile lieber.

Börse fällt in sich zusammen? Trader warnt per BBC

Imminent stock market crash - Get READY
http://www.youtube.com/watch?v=B2CSKXIf3V4

5 setzen

nach 2 Absätzen braucht man nicht weiterlesen. das Rezept Sparen und Hilfe von aussen ist das rezept?! Beides passiert seit mehr als einem Jahr und ist nicht nur vollkommen wirkungslos, sondern geht nach hinten los. mehr sparen, mehr rezession, mehr schulden. Mehr Hilfsgelder, höhere Zinsen, höhere Schulden, mehr Hilfsgelder...

meine Lösung: Stop der Hilfsgelder die an die banken gehen, Austritt aus der Eurozone der schwachen Länder, dadurch radikaler Schuldenschnitt, Neustart mit Hilfe "echter" Hilfsgelder in Form eines Marshall Plans, verstaatlichung der im Zuge des Schuldenschnitts toten Banken. Wiederverkauf der Banken nach einigen Jahren. begrenzte Einlagensicherung bei den toten Banken um breite Masse nicht zu enteignen.

Die Banken würde ich nicht verstaatlichen. Unnötige Investition, beim Fenster rausschmeissen von Steuergeld.

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des Spindoktors von Goldman Sachs und Komplizen.
js

Genau, Goldman Sachs, jene Bank die jährlich die besten Bewerber der besten Hochschulen und Colleges holen kann (weil sie dementsprechend bezahlen) hält sich einen österreichischen Tageszeitungs-Blogger als Spindoctor.
Bestimmt! ;-)

Was könnt der schon kosten? Der geht so nebenbei mit, aus der Kaffeekassa :)

Wie Wirtschaft ankurbeln?

Es ist die Quadratur des Kreises. Mit Billiggeld haben diese Länder Stimmen erkauft und nicht gut investiert jetzt wollen sie wieder billiges Geld, wie kann ein Wunder geschehen???? Die EZB wird Geld drucken, sonst gibt es nichts.

Frey hat nicht in allem recht, aber die Tendenz des Artikels stimmt eindeutig.

Manche der Kommentare tun einem echt weh beim Lesen, so falsch sind sie. Bitte an alle Kritiker: Genauso wie ich als Ökonom versuche, alle Alternativvorschläge zu lesen und zu verstehen, wenn ich sie kritisiere, würde ich mir von den Fundamentalkritikern erwarten, auch irgendwann mal ein VWL-Buch zu lesen (und vielleicht auch ein paar moderne Erkenntnisse zur Verhaltensökonomik dazu; da geht es z.B. um Anreize). Würde zum Niveau der Diskussion beitragen.

Leider kennen sich die meisten halt nur in BWL aus,

und in schwäbischen Haushalten.

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