Keine Schulbesuche von Politikern: Die Angst vor der Politik

Kommentar |

Es scheint, als hätte die Politik Angst vor zu viel Politik an der Schule

Es stimmt schon: Viele Politiker haben's übertrieben. Sie haben Pressekonferenzen in Schulen abgehalten, medienwirksam Kondome an Schüler verteilt, im Klassenzimmer ungehemmt ihre Parolen losgelassen. Dass ein Politiker, der mit einer Schar von Journalisten in einer Schule einfällt, nicht nur uneigennützige Absichten hat - geschenkt. Deswegen gleich Politikerbesuche an Schulen großflächig zu untersagen, wie das in Wien der Fall ist, bedeutet dennoch, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Gern wird über die Politikverdrossenheit junger Leute lamentiert - ohne ihnen zu helfen, politische Menschen zu werden. Politische Bildung ist (vor allem am Gymnasium) ein Stiefkind. Ohne im Studium darauf vorbereitet worden zu sein, liegt es meist am Geschichte- oder Deutschlehrer, Zeit dafür abzuzwacken. Das kann gutgehen. Oder auch nicht.

Es scheint, als hätte die Politik Angst vor zu viel Politik an der Schule. Kein Wunder in einem Bildungssystem, in dem Direktionen oft genug politisch besetzt werden. Doch in den Klassenzimmern wächst eine pragmatischere Generation heran, eine Generation, die ein Recht darauf hat, sich ihre Meinung zu bilden. Da kann es nur hilfreich sein, wenn sich ein Politiker - begleitet von Pädagogen - den jungen Menschen für eine Diskussion stellt. Mit plumper Wahlwerbung werden sie sowieso außerhalb der Schule konfrontiert; so zu tun, als könnte man künftige Wähler davon abschirmen, ist realitätsfremd. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 1.10.2012)

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