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Es stimmt schon: Viele Politiker haben's übertrieben. Sie haben Pressekonferenzen in Schulen abgehalten, medienwirksam Kondome an Schüler verteilt, im Klassenzimmer ungehemmt ihre Parolen losgelassen. Dass ein Politiker, der mit einer Schar von Journalisten in einer Schule einfällt, nicht nur uneigennützige Absichten hat - geschenkt. Deswegen gleich Politikerbesuche an Schulen großflächig zu untersagen, wie das in Wien der Fall ist, bedeutet dennoch, das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Gern wird über die Politikverdrossenheit junger Leute lamentiert - ohne ihnen zu helfen, politische Menschen zu werden. Politische Bildung ist (vor allem am Gymnasium) ein Stiefkind. Ohne im Studium darauf vorbereitet worden zu sein, liegt es meist am Geschichte- oder Deutschlehrer, Zeit dafür abzuzwacken. Das kann gutgehen. Oder auch nicht.
Es scheint, als hätte die Politik Angst vor zu viel Politik an der Schule. Kein Wunder in einem Bildungssystem, in dem Direktionen oft genug politisch besetzt werden. Doch in den Klassenzimmern wächst eine pragmatischere Generation heran, eine Generation, die ein Recht darauf hat, sich ihre Meinung zu bilden. Da kann es nur hilfreich sein, wenn sich ein Politiker - begleitet von Pädagogen - den jungen Menschen für eine Diskussion stellt. Mit plumper Wahlwerbung werden sie sowieso außerhalb der Schule konfrontiert; so zu tun, als könnte man künftige Wähler davon abschirmen, ist realitätsfremd. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 1.10.2012)
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Warum nicht ab der 8. Schulstufe das Fach Ethik statt Religion, das ab 14 Jahre ohnehin kaum jemanden interessiert, einführen? Beginnend unter anderem mit der Vorstellung der verschiedenen Weltreligionen, Einführung in Wirtschaft- und Finanzwesen sowie in die Politik - indem externe Vertreter der Religionen, aus Wirtschaft/Banken und der im NR vertretenen politischen Parteien einen Einblick in ihre Philosophien/wirtschaftliche Zusammenhänge/Zielsetzungen/Programme geben?
Wenn man ÖVP und SPÖ-Politiker in die Klassenzimmer lässt, dann muss man auch rechts- und linksaußenpolitiker von den Parteien im Nationalrat in die Klassenzimmer lassen. Wollen wir das wirklich?
Außerdem haben wir heute eine Politikergeneration die sehr viel lügt und verdreht und dazu hochentwicklete Techniken verwendet in denen sie permanent trainiert werden. Geleichzeitig fehlt oft jeder moralische und ethische Unterbau, alles wird dem eigenen Erfolg untergeordnet.
Genauso wie ich niemanden von McD, Nike oder H&M (mit deren Werbung sind die Kinder auch andauernd konfrontiert) im Klassenzimmer haben will, will ich auch niemand von SPÖ, ÖVP und schon gar nicht von Grünen oder gar FPÖ dort haben.
Ist doch nichts einfacher, als die Schüler mit einem Fragenkatalog auszustatten und hinterher eine Analyse durchzuführen, was gefragt und was geantwortet wurde.
Wenn der Lehrer dann noch dabei hilft, die hohlen Phrasen ins Deutsche zu übersetzen, wird es den Kindern wie Schuppen von den Augen fallen, was Politik in Wahrheit ist - stundenlang reden zu können, ohne auch nur ein Wort gesagt zu haben.
Und DIESE Lektion, sollte man jedem Kind ermöglichen. Ich denke daher, das dies eher der Grund dafür ist, Politikerbesuche zu unterbinden - damit diese Selbstdemaskierung erst gar nicht statt finden kann.
Warum soll es aber nicht AUCH sein, PolitikerInnen einzuladen?
Ich finde dieses Verbot absurd und befremdlich. Und ich finde, Frau Heigl weist völlig darauf hin, dass die mediale Inszenierung und der Missbrauch von Jugendlichen als StatistInnen eine Sauerei sind aber nicht der Dialog zwischen SpitzenpolitikerInnen und jungen Menschen an sich. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, da eine Linie zu ziehen.
ich finde es gut, dass werbung an schulen verboten wurde... ich finde es auch gut, dass werbung für und von politikern an schulen verboten ist... mein argument geht also in erster linie gegen werbung, ob das jetzt die bewerbung von polit-ideen ist oder anderen, ist kein riesiger unterschied.
Sinnvoll wären Politikerbesuche als Teil einer Unterrichtseinheit zu einem passenden Thema. Dann müssten die Damen und Herren aber mutterseelenallein, ohne Fotografen und Buffett, vor der Klasse stehen und "sprechen", nicht stur einen gelernten Text ablaufen lassen, müssten für Fragen zur Verfügung stehen, die auch beantwortet werden (ha!).
So wie man auch Zeitzeugen von früher eingeladen hat, kann man auch echte "Fachleute" einladen - aber eben keine mediengeilen Alibiakteure!
Na, wär das nichts?
Es dürfte der Frau Heigl entgangen sein, dass in der AHS das Fach GPB = Geschichte UND Politische Bildung ab der 4. Klasse als Pflichtfach existiert und politische Bildung verpflichtend unterrichtet werden muss.
Politikerbesuche an der Schule führen dann ad absurdum, wenn die Schüler selbst meinen, sie könnten in Zukunft auf derartigen "Schmarrn" (Zitat!) gerne verzichten.
Und sehr viel mehr als (Partei)Werbeveranstaltungen sind Politikerbesuche an den Schulen leider nicht.
Fazit: Die Schüler sind nicht unbedingt politikverdrossen, sehr wohl aber "politikerverdrossen".
Überschrift suggeriert, oder nicht doch eher die Angst vor den Politikern?
Ich denke Zweiteres, und das liegt daran, dass das Gros unserer Politiker das Floskeln dreschen und Fragen umgehen nicht lassen können.
Stadt Schülerinnen über die Notwendigkeiten und Probleme der Politik zu erzählen, versuchen sie Stimmen zu gewinnen.
Was auch dadurch gefördert wurde, dass das Wahlalter auf 16 gesenkt wurde.
ich verstehe diesen kommentar erstens, der text ist stimmig in sich zweitens und drittens zutreffend für eine gewisse auffassung, was "politiker" ist.
dass diese auffassung heute einfach nicht mehr zutreffend ist, ist eine andere sache.
diese politiker, die ich sehe, möchte ich echt nur im gefängnis sehen.
pol. Bildg als "Unterrichtsprinzip" - 1978 eingeführt unter Sinowatz als Minister (tja, das waren noch Zeiten, seufz)
http://www.bmukk.gv.at/medienpoo... erlass.pdf
danke für den Kommentar!
Gerade in den Oberstufen wäre es wichtig, für die freie Meinungsbildung, dass sich Politiker (Stadt, Land und Bund) verpflichtend den Schülern zur Diskussion stellen müssten.
Diese Diskussion darf aber nur im Rahmen einer Frage und Antwortstunde erfolgen.
Dass die Politiker aber dabei ungehemmt Parteiparolen von sich lassen oder Wahlkampf betreiben, muss daher schon vorher mit genauen Regeln und auch Strafen unterbunden werden.
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