Stronach nun auch Thema in Schweizer Steuerdebatte

Unterschriftensammlung gegen Pauschalbesteuerung für reiche Ausländer - Vorwurf eines Scheinwohnsitzes steht im Raum

Wien - Der Austrokanadier Frank Stronach hat es dieser Tage nicht nur in Österreich auf die Politik-Seiten der Zeitungen gebracht. Auch in der Schweiz wird man nach dem Rummel um seine Parteigründung auf den Milliardär aufmerksam. Der Grund: Stronach hat seinen offiziellen Wohnsitz im eidgenössischen Zug, und das ist einer jener Kantone mit sehr günstigen Steuerbedingungen für Ausländer. Gegner der Pauschalbesteuerung sammeln derzeit Unterschriften für eine Volksabstimmung darüber.

Die Schweiz hatte die Pauschalbesteuerung in den 1930er Jahren eingeführt, um reiche Ausländer ins Land zu locken. Das Instrument ist auch bei den Eidgenossen umstritten. In einigen Kantonen wurde die Pauschalsteuer per Volksabstimmung abgeschafft. Zuletzt hatten die Stimmberechtigten in Basel-Landschaft vor eine Woche gegen die Pauschalbesteuerung entschieden, insgesamt ist sie nun in fünf Kantonen abgeschafft, in Bern wurde eine Erhöhung beschlossen.

Stronach nie zu sehen

In Zug gilt sie noch, und dies veranlasste etwa die "Neue Zürcher Zeitung" (Sonntag-Ausgabe), sich den Wohnsitz von Frank Stronach im Zentrum der Stadt Zug anzuschauen, sich von Nachbarn erzählen zu lassen, dass Stronach dort nie zu sehen sei, und sich am auch in Österreich beliebten Rätselraten über Stronachs Steuerleistung zu beteiligen. Da von einer Pauschalbesteuerung auszugehen sei, werde er wohl "500.000 und zwei Millionen Franken pro Jahr (413.257 bis 1,65 Mio. Euro)" bezahlen, rechnet das Blatt vor.

Stronach selbst gibt sich bekanntermaßen zugeknöpft, was finanzielle Details betrifft. "Das ist eine schlechte Tugend, wenn man über das Geld spricht. Ich habe genug, dass meine Familie und ich nicht mehr hungern brauchen", hatte er erst am Samstag wieder im Ö1-"Journal zu Gast" zu Protokoll gegeben. Allerdings hatte er selbst schon zuvor wissen lassen, er zahle in der Schweiz nicht besonders viel an den Fiskus: "In der Schweiz habe ich ein Büro, weil ich nicht sicher war, von wo aus ich arbeiten werde, als ich wieder nach Europa zurückgekommen bin. Ich habe auch eine Wohnung genommen, ich bin ganz selten dort, fast nie, zahle deshalb nur wenig Steuer", sagte er etwa im Sommer in einem Interview.

"Scheinwohnsitz" zu Steuerzwecken

Laut "NZZ" hat die Einwohnerbehörde des Kantons Zugs in jüngster Zeit immer mehr Verfahren wegen des Verdachts auf einen "Scheinwohnsitz" zu Steuerzwecken eingeleitet. In der Hälfte der Fälle sei die betroffene Person daraufhin vom Amts wegen abgemeldet worden.

Die von Linksparteien initiierte nationale Pauschalsteuer-Volksinitiative sammelt indes derzeit noch Unterschriften, die Frist läuft noch drei Wochen. Parallel dazu läuft auch im Kanton Zug eine Unterschriftensammlung für das Ende der Pauschalbesteuerung auf regionaler Ebene. (APA, 30.9.2012)

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