LehrerInnen sind mutige Menschen

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Acht Nationen in der Klasse, und keiner wird ausgegrenzt - Was Schule heute braucht

Ich bin beeindruckt, als ich die Klasse betrete. Kinder aus acht Nationen, eine fröhliche Truppe. Musik steht auf dem Plan. Die Kinder singen ein Friedenslied, jede Strophe in einer anderen Sprache. Türkisch, Deutsch, Serbokroatisch. Sie singen leise, mit viel Gefühl. Hier geht es nicht darum, andere zu überschreien.

Man spürt den Stolz der SchülerInnen, die Faszination des Fremden, die Bereitschaft der Kinder, das, was sie nicht verstehen, das, was "anders" klingt, hoch zu halten. Man spürt die Achtung.

Wenig später, während der Pause. Mädchen sprechen in ihrer Muttersprache miteinander. "Wie reagieren Sie darauf?", will ich wissen. 

"Die Sprache ist Teil der Persönlichkeit", antwortet die Pädagogin prompt. "Meine SchülerInnen sprechen eben manchmal in ihrer Muttersprache. Wenn aber ein anderes Kind dazukommt und mittun möchte, rege ich an, Deutsch zu sprechen. Und begründe, erkläre. Ich will, dass die Kinder verstehen. Und dann reden wir auch in der Klassenbesprechung darüber. Über die Gefahr der Ausgrenzung von anderen durch die Sprache. Über den liebevollen Umgang mit dem Du."

Man spürt eine starke Gemeinschaft. "Wo kommt das noch her?"

"Wissen Sie, wir haben in der ersten Klasse gemeinsam Krisen durchlebt. Eines meiner Mädchen hat uns alle herausgefordert. Das Kind ist mitunter scheinbar ohne Anlass auf andere losgegangen. Manchmal auch auf mich."

"Was haben Sie getan?"

"Ich habe mich gestellt. Das Mädchen liebevoll auf meinem Schoß gehalten, bis alles gut war. Und gesprochen, mit allen SchülerInnen, immer wieder. Darüber, dass jeder von uns manchmal Verhalten zeigt, das andere nicht verstehen können. Auch die Erwachsenen, auch ich als Lehrerin. Und wir haben alle von unserem Anderssein erzählt."

Jeder ist anders, alle sind verschieden.

"Und die Eltern? Wie haben die reagiert?" 

"Manche waren besorgt, haben Angst gehabt, dass ich die Kinder nicht unter Kontrolle habe. Sie haben mir von ihren Zweifeln erzählt, ich habe zunächst nur zugehört. Alles wurde angesprochen, alles war erlaubt. Letztlich hat ein Elternabend zum Thema 'Der Wert der Krise für die Gruppe' vieles gutgemacht."

Ich schließe das Schultor und betrete wenig später die Pädagogische Hochschule Wien. In der Lehrerausbildung werden Soziales und Interkulturelles Lernen seit Jahren großgeschrieben. Und Persönlichkeitsbildung. Mit Erfolg.

Ja, das ist es, was Schule heute braucht.

Menschen, die in dem, was sie tun, nicht vom Applaus anderer abhängen. Menschen mit Mut, sich Unangenehmem zu stellen. Die auch anderen Mut machen, das, was Angst macht, anzuschauen, darüber zu sprechen.

PädagogInnen mit Persönlichkeit, die es aushalten, auch mal selbst etwas nicht zu verstehen, sich zurückzunehmen. Den Kindern Raum zu lassen. Die Achtung vor dem Du selbst leben. (Andrea Vanek-Gullner, derStandard.at, 1.10.2012)

Haben Sie Fragen an Andrea Vanek-Gullner? Schicken Sie ein E-Mail an bildung@derStandard.at!

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Zuckerbrot und Peitsche. Einmal hinhaun auf die Lehrer, dann zur Abwechslung wieder einmal ein positiver Beitrag über sie, dann wieder hinhauen auf die Lehrer.....Es ist zum Kotzen!!!!

Leben statt auf das Leben vorbereitet zu werden

Warum müssen wir überhaupt ausgrenzen - und eingrenzen, excludieren - und inkludieren? Warum aus allem eine Wissenschaft machen statt einfach die Begabung der WAHRnehmung nutzen lernen?
Wahrnehmung richtet sich nicht nach dem Lehrplan und papierenen Vorschriften. Sie heißt WAHRnehmung weil sie uns wissen und spüren lässt, was für uns gerade WAHR ist.
Es ist etwas anderes, ob man original und in eigener Verantwortung auf das Leben reagieren lernt oder ob dafür erst Pädagogik auf einen angewendet wird und man es so tun muss, wie es für einen vorgesehen wird. Wer möchte schon je das Objekt sein, auf das etwas - und sei es Pädagogik .- angewandt wird? In der Ich-kann-Schule lebt man statt auf das Leben vorbereitet zu werden.
Franz Josef Neffe

Darf man als Lehrer -- ohne gleich gesteinigt zu werden --

anmerken, dass wir auch ohne einen etwas sülzigen Blog recht gut ausgekommen wären?

Ich mag Befindlichkeitstiraden nicht sonderlich und finde, Supervision sollte man privat betreiben.

Warum geht es immer um die Lehrer - die Probleme liegen vor allem auch am System, an fehlenden Ressourcen, Räumen, Platz, moderner Technik, bei der Gesellschaft, etc. etc.

Die Lehrer sollen immer Wunder wirken - und das mit den Ressourcen der 70er-Jahre, den ADHS-Kindern von heute und den oft selbst schon antiautoritär erzogenen Eltern dieser Kinder...

Bundesverfassungsgesetz Artikel 9a Absatz (2)

Zur umfassenden Landesverteidigung gehören die militärische, die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Landesverteidigung.
--
Ich sehe durch Poster in diesem Forum die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Sicherheit der Republik allmählich bedroht.

geh net so ernsat nehmen...

sich einfach im alltagsleben umsehen...
warum soll es hier im forum anders zugehen als im dreckigen straßenleben...

man kann meinungen lesen und sich gedanken machen...aber sie haben recht...meist bin ich froh die schreiber nicht zu kennen...alleine die oft absurden gedanken würden die einnahme von medikamenten durchaus empfehlenswert machen...vermutlich dauerhaft...damit es mache irgendwie durch den tag schaffen...
http://www.youtube.com/watch?v=PgqpJlV1JuI

alle sind friedlich

singen Lieder in allen möglichen Sprachen, ein böses Mädchen war auch dabei, ist aber jetzt auch friedlich .. was Schule heute braucht ..

Aber können die Kleinen auch lesen, schreiben und rechnen? Klingt fast so, als ob das Schule heute nicht mehr so braucht ..

nein können sie nicht...

meine partnerin unterrichtet 11 bis 16 jährige...
3 neue erste klassen gabs heuer in der nms...

die meisten kinder lernen gerade das abc...
das ist der stand der heutigen bildung!!!

daraus sollen später menschen werden,die sich in ihrem eigenen leben zurechtfinden und die iwrtschaftlich mit höchst qualifizierten menschen aus asien in konkurrenz treten sollen...

spiele sind wertvoll...aber lesen,schreiben und rechnen zu können sind die mindestvoraussetzungen...

und alles andere ist primär o-ton hans krankl...
das mag lustig sein,aber alles andere ist sekundär...
zuerst müssen diese dinge verstanden werden...
denn wer die einfachsten erfolge nicht hat,wird auch keine schwierigen dinge meistern...
wissen ist durch nichts zu ersetzen...

die

Wirklichkeit is ja eh völlig anders, das sind doch alles nur Lobhudeileien , um die nächste Einsparung besser durchdrücken zu können.

in der musikstunde wird gesungen, na sowas!

eben

die ist sichtlich repräsentativ, wenn so emphatisch darüber geschrieben wird

missgünstig und falsch......

ja, es war eine schöne musikstunde, wie sie in vielen vs stattfindet (leider viel zu selten).
wenig turnen, werken, musik - täglich mathematik und deutsch/lesen, sachunterricht.
hören sie auf mit ihrem "repräsentativ", mit dem sie offensichtlich ausdrücken wollen, es würde nichts gelernt/gelehrt in den volksschulen!

die eindrucksvollen Bildungserfolge

insbesondere beim "sinnerfassenden Lesen" sprechen für sich

der test ist sprachlich sehr anspruchsvoll. die meisten kinder können sinnerfassend lesen, aber viele haben einen zu geringen wortschatz in der deutschen sprache (das betrifft nicht nur kinder nichtdeutscher muttersprache sondern auch kinder aus der unterschicht). allgemein ist der wortschatz geringer geworden.
wenn sie einen englischen oder französischen text lesen und sie kennen einige oder mehrere wörter nicht, verstehen sie den sinn des textes auch nicht - was würden sie sagen, wenn man behauptet, sie könnten nicht sinnerfassend lesen?

boah - kein Artikel über Lehrer in dem man in den Postings nicht zig mal das Wort "Privatwirtschaft" lesen muss! JA sind eh mancherorts suboptimale Zustände, aber Lehrersein is auch nicht immer rosig. Allein dass man ständig von frustrierten Arbeitnehmern auf sich hinhauen lassen muss is anstrengend, glaub ich.

Bundesverfassungsgesetz Artikel 9a Absatz (2)

Zur umfassenden Landesverteidigung gehören die militärische, die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Landesverteidigung.
--
Ich sehe durch Poster in diesem Forum die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Sicherheit der Republik allmählich bedroht.

LehrerInnen sind mutige Menschen

Das stimmt - und das sogar jeden Tag von 8:00-14:00...

besser jemanden von 8.00 - 14.00

etwas beibringen...

als ein dolm von 0.00 bis 24.00...
der sinnfreie zeilen absondert...
was leisten sie sonst noch außer nasenbohren...???

indiana jones hat auf seine lebenszeit gerechnet weniger mut bewiesen :D

langweilig

Spannend die Wortspenden vieler Nichtwissender Besserwisser

Hier im Forum. Wie überall gibt es gute und schlechte. Dass ein Lehrer wesentlich mehr machen muss als nur das während der Unterrichtszeit anwesend zu sein ist ein Faktum. Alle Krakeler hier, die diskreditieren haben vom Tuten und Blasen keine Ahnung. Manchen unterstelle ich einfach Dummheit - offensichtlich hätten da auch keine guten Lehrer geholfen.
Engagierte Lehrer verdienen Respekt, Wissensweitergabe ist kein Honiglecken. Schon gar nicht bei Kindern, deren Eltern auch das Erziehen an die Schule abgeben.
Dass man das System immer verbessern kann, gilt für jedes und nicht nur für den Lehrberuf im immer multikulturellem Umfeld.

naja...

...fairerweise muss man sagen, dass folgender satz "Dass ein Lehrer wesentlich mehr machen muss als nur das während der Unterrichtszeit anwesend zu sein ist ein Faktum" einfach falsch ist. ich glaube, vielen geht es darum, dass ein lehrer das eben genau nicht MUSS, sondern wenn er motiviert und gut ist, dann ist es so, aber ein unmotivierter fauler socken kommt auch locker durchs lehrerdasein und traktiert halt die schüler. insofern ist es fast verständlich, wenn viele wollen, dass da mehr druck dahinterkommt, denn den engagierten lehrern würds eh nix ausmachen, die würden die zeit ja sowiso arbeiten. insofern ist mir nicht ganz klar, was so schlimm dran ist, wenn man fixe arbeitszeiten für lehrer etc. fordert

Ich bin kein Lehrer,aber Lehrer haben fixe Arbeitszeiten und das keine Gleitzeit! Aber wenn jetzt ein Lehrer von bis in der Schule sein muss, am Vormittag Unterricht und am Nachmittag Betreuung der Schüler ( wobei ich das als Frechheit empfinde Lehrer als Nachhilfelehrer,Animateur oder sonst was einzusetzen! Ich möchte auch nicht,dass ich Arbeiten verrichten muss,für die es eine andere ausgebildete Berufsgruppe gibt), dann hat der Lehrer sei Pensum erfüllt und wird kaum noch was vorbereiten oder korrigieren. Und das würde ausschließlich unseren Kindern auf den Kopf fallen!

Wie lauten die Bezeichnungen der "anderen ausgebildeten Berufsgruppen"?

Wen wollen Sie in die Nachmittagsbetreuung setzen?
Studenten? Kindergartenpädagogen? Teilzeitopas und -omas?

Ganztagsschule - das wäre die Lösung!

wer im moment...

...die überstunden freiwillig macht, der wird das auch in zukunft machen. wer im moment einen lenz schiebt, wird das in zukunft nicht mehr machen können. ganz unabhängig von der mär, dass die lehrer mehr arbeiten als die leute in der privatwirtschaft. ich glaube gern, dass engagierte lehrer wesentlich mehr tun als nur in der klasse stehn, aber dass sie die normarbeitszeit so weit überschreiten halte ich für ein gerücht, das mir erst mal bewiesen werden muss

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