Deutscher Geheimdienst zeichnet düsteres Szenario für Afghanistan

Noch mehr Anschläge erwartet - Nach 2014 weiterhin 35.000 Soldaten erforderlich - Karzai gehe es nur um Machterhalt

Berlin  - Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) beurteilt die Lage in Afghanistan einem Magazinbericht zufolge wesentlich dramatischer als die Regierung in Berlin. Der Geheimdienst erwarte noch mehr Anschläge von einheimischen Sicherheitskräften auf westliche Soldaten, schreibt das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe. Nach dem internen BND-Bericht mit dem Titel "Afghanistan bis zum Jahr 2014 - eine Prognose" bleibe die Sicherheitslage kritisch. Auch das Wiedereingliederungsprogramm für reumütige Taliban-Kämpfer habe "keine Auswirkungen" auf einen Friedensprozess.

Auch nach dem offiziellen Abzug der westlichen Truppen Ende 2014 würden bis zu 35.000 ausländische Soldaten, zumeist Ausbilder für die afghanische Armee, Kampftruppen für deren Schutz und möglichst viele Spezialkräfte für die Suche nach Terroristen gebraucht, um das Land zu stabilisieren, heißt es laut "Spiegel" in der BND-Analyse.

Beibehaltung des Status quo

Besonders vernichtend falle das Urteil über die Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai aus. "Korruptionsanfälligkeit, persönliche Vorteilsnahme Einzelner und Nepotismus werden sich fortsetzen", heiße es in der als "Verschlusssache - vertraulich" eingestuften Analyse. Alle Aktivitäten Karzais richteten sich nicht auf Reformen oder den versprochenen Kampf gegen die grassierende Korruption, sondern auf den "Machterhalt" und die "Beibehaltung des Status quo". Karzai werde eher Zugeständnisse an die Militanten machen als Reformen voranzutreiben.

Bei der geplanten Präsidentenwahl 2014 wolle Karzai seinen älteren Bruder Abdul Kayum als Kandidaten durchsetzen. Der habe die besten Chancen, die wahlentscheidenden Stimmen der Paschtunen aus dem Süden des Landes zu bekommen. Mit dem Schachzug, so die Einschätzung des BND, wolle Karzai "die Wahrung der familiären Interessen und den Machterhalt" absichern. (APA/Reuters, 30.9.2012)

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