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Wien - Der Streit um längere Öffnungszeiten für die Wiener Apotheken wird zu einem Duell der Juristen. Eine Innenstadt-Apotheke hat einen Entscheid des Unabhängigen Verwaltungssenats erkämpft, der es ihrer Zunft künftig freistellt, an Samstagen auch nach zwölf Uhr Mittag offen zu halten. Sie will das kommendes Wochenende in die Tat umsetzen. Dem Bescheid zum Trotz droht ihr dennoch eine neue Anzeigenflut. Die Apothekerkammer gibt sich nämlich keineswegs geschlagen.
Es möge ja altvaterisch klingen, sagt ihre Präsidentin Andrea Vlasek. "Aber es geht hier um Solidarität. Und sich die Rosinen rauszupicken ist nicht kollegial." Mit vollen Hosen sei gut stinken, fügt sie hinzu. "Wer das Glück einer Apotheke am Wiener Graben hat, sollte Gott dafür danken." Es gebe aber genug Betriebe in wenig kaufkräftigen Randlagen mit denselben Verpflichtungen. Letztlich ge- he es bei den Apotheken "um kein Shopping-Erlebnis, sondern um einen Arzneimittelauftrag".
Wiens Pharmazeuten hätten die Pflicht, innerhalb gewisser Zeiten offen zu halten (was bei Umbauten mitunter auch zum Dienst in Containern zwinge) - und zudem alle neun Tage Bereitschaftsdienst zu leisten. Dem Zwang zur Öffnung stehe das Verbot gegenüber, die Dienste anderer Apotheken durch freiwilliges Offenhalten zu konterkarieren. So wolle es ein Urteil des Verfassungsgerichtshof.
Die rebellische Innenstadt-Apotheke lässt sich von neuen Strafen nicht einbremsen. Die zitierte Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs sei 20 Jahre alt und stamme aus der Zeit vor der großen Liberalisierung der Ladenöffnung im Handel, sagt Rechtsexperte Peter Krüger. "Damals gab es noch verpflichtende Mittagspausen." Nun gelte der Entscheid des Senats - und wer Verwaltungsstrafen kassiere, könne diesen anrufen.
Es gebe sehr wohl Gespräche in Wien, wie sich die Öffnungszeiten kundenfreundlicher gestalten ließen, sagt Vlasek. Dies müsse aber für alle 300 Apotheker passen und gehöre rechtlich abgeklärt. "Wir müssen die flächendeckende Versorgung im Auge behalten." "Seit eineinhalb Jahren gibt es Arbeitsgruppen - zusammengebracht haben sie nichts", klagt Krüger.
Er sehe kein System zusammenbrechen, nur weil Kunden um insgesamt vier Stunden in der Woche länger in den Apotheken einkaufen können. Notdienste besser zu regeln sei im Übrigen schon bisher verabsäumt worden. Die Innenstadt-Apotheke ringt um ihre Konzession, da sie sich bis vor einem Jahr dem zeitlichen Korsett ihrer Branche widersetzte. Krüger: "Wird juristisch aus vollen Rohren geschossen, darf man sich über Gegenwehr nicht wundern." (Verena Kainrath, DER STANDARD; 29.9.2012)
Erstmals wurde der "dies solis" im Jahr 321 für arbeitsfrei erklärt. Heute gilt diese Regelung nicht für jeden, manche wollen sie ganz abschaffen. Die Diskussion hält an
Das Thema ist ein Dauerbrenner, Befürworter und Gegner der Sonntagsöffnung treffen im Forum aufeinander
Wie halten Sie es mit der Sonntagsruhe? Wollen Sie am Sonntag einkaufen gehen?
Die Regierung Monti hat die Ladenöffnung völlig freigegeben. Familienbetriebe fühlen sich ausgeliefert
Während eine Boutique in der Lugner City weiter nicht aufmachen darf, geht der Einzelhändler Dayli gegen die Gewerkschaft vor
Solch "kleinliche" Vorgänge beweisen, dass die Politik weit, weit entfernt vom Alltagsleben agiert.
Die unsagbar altmodischen Bestimmungen führen dazu, dass der Spruch "Wien ist anders" in negativer Weise vollkommen bestätigt wird: Keine andere Grossstadt dieser Welt hat derart hinterwäldlerische Bestimmungen, seien es nun Öffnungszeiten, oder seien es total verdrehte "Parkpickerl" Regelungen.
Interessant ist ja schließlich auch, dass es mit einer "moderaten" Freigabe der Apothekenöffnungszeiten in anderen Bundesländern bzw. Städten (z. B. Salzburg, Graz) funktioniert.
Es gibt also scheinbar Handlungsspielraum, obwohl Wien unter anderem mit nationalen Rechtsvorschriften und -normen argumentiert!
Was innerhalb des Geltungsbereiches der gesamtösterreichischen Rechte und Gesetze gilt, muss auch für Wien gelten. Hierüber kann sich eine Landesgeschäftsstelle und -Organisation nicht in Gutsherrenmanier wegsetzen. Vor allem nicht mit dem Hinweis auf nationale Vorschriften!
Hatte gestern (Samstag) nachmittag das Vergnügen, mit Kopfweh zu der mir bekannten Apotheke gehen zu müssen, dort mir unbekannte Adressen anzuschauen, eine der angegebenen Bereitschaftsdienst-Apotheken zu suchen, dort Schlange zu stehen.... Unnotwendig im 21. Jahrhundert in einer Großstadt.
... nicht verhindern das eine Apotheke offen hat, sondern erkunden, welche Apotheken auch offen haben möchten. Dann sich für diese einsetzen ist der richrige Weg als eine Apotheke zum Feinbild zu machen....
Wer aufsperren soll, soll aufsperren, dafür sollen dann anständige Wochenend- und Nachtzuschläge bei den Gehältern gezahlt werden. Aber die Öffnungszeiten zu beschränken ist außer lächerlich nur noch lächerlich!
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