Töchterle schlägt Superministerium für Forschung vor

Interview |
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer
  • Einer ÖVP-Mitgliedschaft Karlheinz Töchterles - mit politischer 
Vergangenheit als "ökologischer Grüner" - stehen "einige mentale Hürden"
 entgegen.
    foto: standard/cremer

    Einer ÖVP-Mitgliedschaft Karlheinz Töchterles - mit politischer Vergangenheit als "ökologischer Grüner" - stehen "einige mentale Hürden" entgegen.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle über keine zweite WU, ein neues Superministerium, rote Warteschleifen, Uni-Zwangspausen und mentale Hürden auf dem Weg in die ÖVP

Drei Ministerien (Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft sowie Verkehr, Innovation und Technologie) sind derzeit in Österreich für Forschungsaktivitäten zuständig. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sähe diese aufgesplitterte Finanzierungs- und Koordinierungsstruktur gern in einem neuen Superministerium zusammengefasst. 

Im Standard-Interview sagt Töchterle: "Eine interessante Alternative wäre ein großes Forschungsministerium." Unlängst hatte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) eine Re-Fusion von Unterrichts- und Wissenschaftsressort für einen "Superminister" Töchterle gefordert. Elisabeth Gehrer war von 2000 bis 2007 als Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig.

Standard: Sie haben im Tiroler Landeshauptmann Günther Platter ja offensichtlich einen Mentor in der ÖVP. Er wünscht sich Sie als "Superminister" für Bildung und Wissenschaft. Wäre das was?

Töchterle: Bildung ist natürlich etwas, das mich absolut reizt, auch weil ich mich seit Jahrzehnten damit sehr intensiv beschäftigt habe. Einer meiner Schwerpunkte als Wissenschafter war ja Fachdidaktik. Nur zum Beleg: Solche Bücher liegen immer in meiner Nähe. - Er zeigt " Geschichte des gelehrten Unterrichts" (Friedrich Paulsen, 1921) und "Das Gymnasium - Aufgaben der Höheren Schulen in Geschichte und Gegenwart" (Fritz Blättner, 1960) - Eine interessante Alternative wäre ein großes Forschungsministerium. Forschung ist ja ziemlich zersplittert. Aber beide Fragen stellen sich erst nach der nächsten Wahl.

Standard: Würden Sie der ÖVP nach der Wahl erneut als "Leiharbeiter" zur Verfügung stehen?

Töchterle: Ich würde sagen, eher ja. Aber ich kann das noch nicht abschließend beantworten, wir sehen ja an Rudi Anschobers Burnout: Politik ist ein sehr anstrengendes Geschäft. Aber noch macht's mir Freude.

Standard: ÖVP-Mitgliedschaft ist für Sie denkbar? Oder besser ohne?

Töchterle: Denkmöglich ist es absolut. Es ist da und dort am Rande auch von dem einen oder anderen angesprochen worden, als Überlegung. Es spricht wenig dagegen, weil ich mich mit der Partei natürlich solidarisch fühle und zu ihr loyal verhalten will. Es gibt aber ein paar mentale Hürden, die ich noch überspringen müsste.

Standard: Die da wären?

Töchterle: Ich habe immer einen gewissen Vorbehalt gegen dieses Dabeisein oder Mittun in einer Partei, obwohl ich sicher nicht in diese Parteienbeschimpfung einsteige.

Standard: Das Wintersemester 2012/13 beginnt am Montag, und die Rektoren drohen mit einer kollektiven Blockade der Uni-Budgets in den Leistungsvereinbarungen für 2013 bis 2015, falls die Politik nicht fixe Zusagen über Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen garantiert. Was bieten Sie an?

Töchterle: Bei diesen beiden Punkten dürfen die Rektoren nicht immer " die Politik" sagen, sondern sie müssen "die SPÖ" sagen. Ich bin da ein totaler Verbündeter der Rektoren. Ich will genauso wie sie Zugangsregeln und - vielleicht mehr als manche von ihnen - Studienbeiträge. Manche hätten jetzt einheben können und tun es nicht. Da bin ich schlicht der falsche Adressat. Da müssen sie sich an die SPÖ wenden. Ich habe ein Gesetz zu Studienbeiträgen vorgeschlagen, das ist so was von stimmig und ausgewogen. Die Rektoren sollen sagen, die SPÖ soll mit mir über das Gesetz diskutieren. Und bei den Zugangsregeln wissen sie auch, ich verhandle intensiv und hoffe, dass wir demnächst zu einem Ergebnis kommen. Wahrscheinlich werden sie dann sagen, das ist noch zu wenig.

Standard: Das Thema Studiengebühren hat die SPÖ jetzt ja in eine Arbeitsgruppe verfrachtet.

Töchterle: Die SPÖ hat damit natürlich ein Problem, so wie sich die ÖVP offensichtlich mit dem Umgang nach der Forderung nach der Gesamtschule schwer tut, und beide Parteien müssen damit irgendwie umgehen. Die SPÖ geht mit Landeshauptfrau Burgstaller so um, dass sie ihr jetzt ein Ventil gibt oder ihr eine Warteschleife spendiert. Bis zur Wahl wird da leider nix passieren, nehme ich an.

Standard: Machen wir es konkret: Für welche Fächer möchten Sie der SPÖ Zugangshürden abringen?

Töchterle: Dringend brauchen wir sie da, wo die Kapazitäten der Universitäten überschritten werden. Treffendstes Beispiel ist die WU. Die kriegt jetzt ein traumhaftes Gebäude um 500 Millionen Euro. Es kann etwa die Studierendenzahl aufnehmen, die die WU jetzt hat. Sie hat aber jetzt schon eher zu viele, gemessen an den vorhandenen Kapazitäten. Wenn nun jemand sagt, wir müssen einfach mehr Geld in die Hand nehmen, damit wir keine Zugangsregeln brauchen, müssen wir gleich die nächste WU bauen. Grotesk.

Standard: Das WU-Budget reicht ja schon jetzt nicht für die Zahl der Studierenden. Das Albtraumszenario der Rektoren ist, dass bei der Studienplatzfinanzierung die Zahl der künftig zuzulassenden Studenten an den bisherigen nominellen Anfängerzahlen festgemacht wird. Ohne mehr Geld wäre das jetzige Chaos dann gesetzlich verankert.

Töchterle: Man muss das differenziert sehen. Wir haben etwa zehn bis 15 Studien, wo die Kapazitäten nicht ausreichen. Wir haben aber auch Studien, wo noch Luft ist. Wir haben sogar in den Studien, wo die Kapazitäten teilweise nicht ausreichen, an anderen Standorten noch ein bisschen Luft. Man muss besser verteilen, das kann man mit Zugangsregeln. Besser verteilen heißt in andere Fächer und an andere Standorte. Dann geht sich schon viel aus.

Standard: Die Vorgaben des Ministeriums sind recht rigide, indem etwa bestimmte Budgetteile an die Zahl der prüfungsaktiven Studenten gekoppelt sind. Die Unis haben aber, nicht nur finanziell, fast keinen Spielraum. Was ist das für eine Autonomie? Das ist ja so, als würden Sie zu mir in der Wüste sagen, such dir halt irgendein Wasserloch, und ich habe keine Geräte dafür.

Töchterle: Wir haben in Österreich eine Riesenzahl inaktiver Studierender, was kein wünschenswerter Zustand ist. Um sie zu aktivieren, gibt es verschiedene Mittel. Ein Mittel sind Studienbeiträge, ein anderes sind Zugangsregelungen. Man muss aber auch inneruniversitär einen Anstoß geben, Studierende zu aktivieren. Einige der Ursachen können auch an der Organisation in der Uni liegen. Wenn ich etwa das Curriculum zu starr, zu verschult mache, kann es passieren, dass ich jemanden für ein Jahr inaktiviere, wenn er irgendeine Prüfung nicht schafft und dann ein Jahr steht. Da können die Unis einiges tun, und mittels Hochschulraum-Strukturfonds animieren wir sie dazu.

Standard: Uni-Forscher kritisieren die Exzellenzförderung als wettbewerbsverzerrend. Das IST Austria in Maria Gugging erhält eingeworbene Drittmittel vom Bund verdoppelt, die Unis nicht. Ist das gerecht und auch sachlich angemessen?

Töchterle: Die Kategorie Gerechtigkeit ist da vielleicht nicht die treffende, weil das ISTA als Exzellenzinstitut gegründet wurde. Natürlich wünscht man sich auch bei den Unis möglichst hohe Qualität, aber sie haben noch eine Fülle anderer Aufgaben, sodass dort Exzellenz nicht der einzige Maßstab sein kann. Sie haben auch ein Standardniveau zu bieten.

Standard: Die Unis müssen nicht so exzellent sein wie das ISTA?

Töchterle: Wünschenswert ist, dass die Unis auch exzellent sind. Aber das ISTA hat einen Sonderstatus als Forschungsaushängeschild. Auch die Relationen muss man sehen: Wenn man alles rechnet, zahlen wir dafür ungefähr 2,5 bis drei Prozent des Uni-Budgets. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 29./30.9.2012)

Karlheinz Töchterle (63), klassischer Philologe mit Lehramtsprüfung in Latein und Deutsch, war ab 2007 Rektor der Universität Innsbruck, seit April 2011 ist der ehemalige grüne Tiroler Gemeindepolitiker (Telfes) für die ÖVP Wissenschaftsminister.

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 278
1 2 3 4 5 6 7
die UNI`s schwimmen ... in geld, z.b. die WU - Wien

hat 2011 (seite 147)
- eine jahresüberschüss ("gewinn" nach steuern) von 11,212 Mio ausgewiesen
- dies den rücklagen (wohl für die rezession 2025?)zugeführt, die mit 41,8 mio (!) 40 % ... der bilanzsumme ausmachen
- die liquiden mittel (Kassa,bankguthaben) betragen
58,7 Mio (!) - ein plus von 7,4 Mio zu 2010 ...
- die wertpapiere...8,7 Mio!
= zusammen: 66,1 Mio an verfügb.geldvermögen
= 60 % (!) der bilanz (114,4 Mio)
= 58 % (!) des umsatzes (119 Mio).

fazit:
die WU-WIEN (als auch die UN-WIEN!) s c h w i m m e n in geld, von finanzierungslücken kann keine rede sein !

p.s. who ... the hell is töchterle ?

http://www.wu.ac.at/structure... b_2011.pdf

Interessante Buchauswahl

Eines aus 1921 und eines aus 1960. Passt irgendwie zur ÖVP
lg

Ein Superministerium würde auch dementsprechende Personen benötigen. Das wäre so, als ob man Hamlet mit einem schlechten Schauspieler aufführt.

TU Wien

Wer an der TU Wien Informatik studiert, weiß welche Frechheit man sich gerade dort erlaubt.

Welche denn?

Na und?

Strenge und anspruchsvolle Prüfungen gab es an allen TUs schon immer.

Es gibt im Lande ja auch noch die viel gelobten Fachhochschulen, wo auch schwächere Studenten mit viel individueller Förderung noch für den Arbeitsmarkt "fit" gemacht werden. Muss ja nicht immer gleich TU sein ...

Zusammenlegung Bildungs- und Wissenschaftsministerium

"Elisabeth Gehrer war von 2000 bis 2007 als Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständig." Und die Jahre des schlimmsten Stillstandes in der Bildungspolitik sind natürlich ein guter Grund, es bald wieder so zu tun...

@ISTA

was heisst exzellenz -dass man automatisch doppelt soviel foerdermittel bekommt???

in den usa bekommt eine eliteuni nicht automatisch doppelt soviel geld wie jemand auf einer state university (auch oder vor allem im drittmittelbereich)

die meisten gut dotierten staatlichen exzellenzeinrichtungen in den usa haben ausserdem ein mandat, universitaeten in ihrer forschungsarbeit in kooperation zu unterstuetzen; es wird dabei gerade vermieden, dass diese in direkter konkurrenz zu universitaeten stehen.

ich empfehle dem altphilologen ein sabbatical in nordamerika, um zu lernen was dort unter exzellenzfoerderung verstanden wird...

In den USA heben Eliteunis auch zigtausende Dollar an Gebühren ein. Wollen Sie das wirklich zum Vergleich heranziehen?

Re

Sie mussen dem altphilologen nichts empfehlen, weil er ein Resort in Oesterreicht leitet und nicht in der USA- und DAS ist der grosse Unterschied. In USA sind die gute oder beste Institute nicht per Dekret entstanden, sonder sind private, autonome Unis. Selbst die staatliche Unis in der USA funktionieren wie das ISTA, d.H. Staat finanziert die bestmoegliche Infrastruktur und die Unis sorgen fuer Drittmittel fuer Forschung. Oesterreich war und ist was die Uni-Politik betrifft immer ein einzigartiges Land /sprich freier Hochschulzugang fuer alle EU Burger, fehlende Studienplatzfinanzierung und dadurch beschrankte Autonomie der Unis/

ja genau und deshalb stellt das IST noch viel mehr ein problem in der oest. uni/forschungslandschaft dar, denn ein grossteil der forschungsfinanzierung auf unis muss in oest. auch aus dem drittmittel bereich kommen. Dazu kommt noch, dass infrastrukturinvestitionen im unterschied zu den usa (wo es mri’s gibt) nicht ueber staatliche programme (z.b. fwf) finanziert werden koennen und unis dafuer notorisch unterfinanziert sind. Ausserdem kommt der derzeitige hype in oesterreich - naemlich dass neue exzellenzunis/forschungseinrichtungen die loesung fuer unterdotierte forschungsprogramme sind - unter anderem aus den usa - zumindest wurde das der oest. politik von vielen wie zeilinger und co so kommuniziert

cc

wenn der minister dann noch meint, dass universitaeten ohnehin nicht so exzellent sein muessen, da sie noch "andere aufgaben" (i.e. lehre) haben, ist das schlichtweg realitaetsverweigerung; die universitaere lehre sollte naemlich vor allem auch an exzellente forschung angebunden sein.

Das kommt darauf an, was man unter dieser Anbindung versteht.

Über absolute miserable Vorlesungen von exzellenten Wissenschaftlern könnte ich nämlich ganze Bücher schreiben.

a bauer

hat er keine eltern, die bauern sind/waren.

biobauer wär eine möglickeit.

Quousque tandem, Carle?

Immer wieder diese Leier von "inaktiven Studenten". Welche Leistungen bitte erschleicht sich ein "inaktiver Student"?? Wenn man gar keine Leistung erbringt, erhält man auch keine Familienbeihilfe, kein Stipendium (muss dieses selbstv. zurückzahlen!) und kann sich auch nicht studentisch Selbstversichern. Also was ist da der große Vorteil? Bzw. wenn ihm die Mindestleistung zu wenig ist, dann soll er die raufsetzen. Oder Prüfungs-/Laborgebühren einheben, wenns ihm um die teuren Prüfungsantritte geht (Laborpl. sind wirklich teuer). Stattdessen immer dieses gleiche ideenlose Gewäsch von nichtstuenden Studenten und Studiengeb. als Allheilmittel.

eine zusammenlegung von unterrichts- und wissenschaftsministerium halte ich an sich für durchaus sinnvoll, aber in övp-händen möchte ich so ein ministerium nicht sehen.

in spö händen aber auch nicht.weder noch...

Ich habe den nicht gewählt :/

auf in die zukunft an töchterles hand!

" Geschichte des gelehrten Unterrichts" (Friedrich Paulsen, 1921) und "Das Gymnasium - Aufgaben der Höheren Schulen in Geschichte und Gegenwart" (Fritz Blättner, 1960)
na ja, für einen altphilologen ist 1960 ja fast schon zukunft.

Töchterles Wewelsburg

Warum nicht?

Was mir bis heute keiner erklärt hat ist warum jeder, wirklich jeder, für seine Berufsausbildung zahlen muss, NUR NICHT diejenigen die am meisten davon haben werden: die Studenten.

Die Gebühren von Schüssel und Co waren nach wie vor ein Klacks im Vergleich zu internationalen Verhältnissen, aber mein lieber Schwan da war auf einmal Feuer am Dach bei so manchen Kollegen die sich schon auf 10 erholsame Jahre an der Uni eingestellt hatten. Zurückzahlen kann man die 700 pro Jahr im Nu wenn man den Abschluss hat.

Und die Leute die sich damals am lautesten über die Gebühren beschwert haben waren in Wirklichkeit besser dran weil die auf einmal ein Stipendium bekommen haben das es vorher nicht gab.

Österreich sollt froh sein, dass es in der Bevölkerung ein paar Leute gibt die was anderes als Sauftechnik beim Wirtn studieren wollen. Genau diese Leute sind es dann nämlich auch, die dann ein Gehalt bekommen dass man vernünftig besteuern kann.
Weiters sagen sie mal welche Ausbildung denn in Österreich so viel kostet? Gymnasium/HTL nach der Schulpflicht? Lehre?

Wissen Sie was leider komisch ist: dass bei uns das Studium gratis ist, die Akademikerquote mit 19% aber trotzdem weit unter dem OECD (30%) Durchschnitt liegt. Wie erklären Sie sich das?

Kann es sein dass den Studenten das gar nicht so wichtig ist, ob es Gebühren gibt? Und kann es vielleicht auch sein dass MEHR Leute studieren würden wenn es auch eine ordentliche Leistungserwartung gegenüber den Unis gäbe, und wenn es mehr Stipendien gäbe?

Posting 1 bis 25 von 278
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.