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Linz - Als sich das tragische Ende anbahnt, erinnert ein leerer, schwarzer Stuhl an die schwindende Macht des Königs. Der Stuhl findet sich an einer Seite des mit Erde ausgelegten Quadrats, das als Garten, als Lust- und Spielwiese und letztendlich als Grabstätte von Rahel, der " Jüdin von Toledo" dient.
Das Ganze hat ein klares Bühnenbild (Florian Parbs); es ist nüchtern und streng und ebenso wie die Kostüme des spanischen Hofstaats in Schwarz-Weiß gehalten. Und alles symbolisiert eine verbildlichte Ordnung, die von Rahel (überzeugend: Henriette Schmidt) bedroht wird. Verbotenerweise dringt sie ein in die königlichen Gärten, gefolgt von Schwester (Katharina Vötter) und Vater (Sebastian Hufschmidt). Rahel will den König von Kastilien sehen, mehr noch: Sie will, dass er sie sieht. Mit Erfolg. Der König verfällt ihr.
Wie eine Artistin lässt Regisseur Peter Wittenberg diese Rahel ihn und Don Garceran (Christian M. Oliveira) bei jeder sich bietenden Gelegenheit bespringen - ein eigentlich unnötiger Running Gag.
Durch diese Übertreibung entkräftet Wittenberg jene selbstbewusste Weiblichkeit, die revolutionär genug wäre, um den König von seinen Verpflichtungen abzulenken. Gleichzeitig wird mit ironischen Akzentuierungen, etwa bei Alfonso oder Manrique (Stefan Matousch), männliche Ohnmacht angesichts weiblicher Sexualität offengelegt und sogar eine gewisse Komik erzeugt.
Letztendlich aber ist und bleibt es doch ein Trauerspiel, in Abwesenheit des Königs wird beschlossen: "Die Jüdin muss weg." Denn es ist ein Krieg zu führen, und es wartet der nächste, ehelich gezeugte König darauf, eben dazu erzogen zu werden - der Perpetuierung männlicher Machtsysteme stellt sich keiner in den Weg und schon gar keine "schöne Jüdin".
Fremde Geliebte
Alfonso, von Markus Subramaniam herausragend in seiner Zerrissenheit und letztendlich Feigheit gespielt, verhindert den beschlossenen Tod nicht. Und auch die eifersüchtige Königin Eleonore (Nancy Fischer) besinnt sich zu spät ihrer eigenen Tugendhaftigkeit, Rahel wird ermordet. Umgeben von Menschen, die sich rasch abwenden und bereuen, sie jemals mehr als gekannt zu haben.
Der König zieht endlich in den Krieg - ein Krieg gegen Fremde als moralische
Rechtfertigung für den Mord an einer fremden Geliebten. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 29./30.9.2012)
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