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Einen Vene bei einem krampfenden Kind zu punktieren ist schwer.
Krampfanfälle sind immer grauslich anzusehen. Die Kinder zucken, verdrehen die Augen, werden blau. Minuten nach der Alarmierung landen wir in der Wiese neben einem Bauernhaus. Die Kleine liegt im Freien, mitten im Innenhof, krampft, Mutter und Vater daneben, die Extremitäten zucken.
Ich versuche einen Venenzugang, punktiere das Gefäß, der Arm biegt sich, ich steche durch. Nochmals, wieder drinnen, ich will die Kanüle vorschieben, ein plötzlicher Ruck, wieder durch. Zwei frustrane Versuche, ich höre auf. Die kleine krampft weiter. Ruhe bewahren, die Eltern stehen hinter mir, schauen zu. Ich zerstäube das Medikament intranasal. Es scheint zu wirken, das Zucken wird langsamer, sie rollt die Augen. Dann aber neuerliches Krampfen, die Gesichtsmuskeln faszikulieren wieder. Nochmalige intranasale Gabe. Es ist mühsam, läuft nicht rund, es ist kein Venenzugang machbar, das Medikament wirkt nicht oder zu langsam. Das Kind ist noch im Status und ich habe noch keinen suffizienten Zugang. Wir sind noch lange nicht durch.
Ich spüre die Eltern hinter mir. Das alles im Freien, in einem sandigen Bauerninnenhof. Alle stehen da, schauen erwartungsvoll zu, die Hendln laufen herum. Hier krampft ein fünfjähriges Mädchen, und ich bin der Einzige, der dieses Szenario durchbrechen kann.
Ich setze den Knochenbohrer am Unterschenkelknochen an, durchstoße die Haut bis zum Knochenkontakt, bohre mit sanftem Druck die Intraossärnadel bis zum Anschlag. Leicht in der Richtung abwärts, um die Wachstumsfuge des Knochens, die sich nahe dieser Stelle befindet, nicht zu gefährden. Die Nadel sitzt, ich spüle mit Kochsalz zügig durch. Es funktioniert. Ich spritze das Medikament. Die Kleine beruhigt sich. Geschafft. Wir lagern sie auf die Seite, bringen sie in den Hubi. Die Mutter fliegt mit, sitzt mir gegenüber und ist erleichtert.
Ich beobachte die Kleine. Sie schläft friedlich, atmet rund. Da stelle ich mir vor, was wäre, wenn ich die Epiphysenfuge getroffen hätte. Das Bein würde nicht mehr wachsen, deutlich kürzer sein als das andere, sie würde so einen großen klobigen schwarzen Ausgleichsschuh tragen müssen, wie einen Klumpen das Bein nachschleifen. Die anderen Kinder würden das Mädchen verspotten, sie würde heranwachsen und unglücklich sein, immer ausgelacht werden. Wenn sie größer wird, ein Außenseiter sein, keine Freunde finden ...
Ich Idiot, meine Gedanken galoppieren davon. Es ist alles in Ordnung. So fliegen wir dahin, friedlich. Die Kleine schläft, die Mutter ist müde-entspannt und ich erschöpft, allein mit meinen absurden Ängsten. (Robert Mosser, derStandard, 1.10.2012)
Robert Mosser ist Facharzt für Anästhesie sowie Flugrettungsarzt. In seinem Blog gibt er komische, tragische und bewegende Einblicke in seine Tätigkeit.
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arzt ist man immer, das mensch sein kommt dann noch dazu, weil man die gedanken und sorgen, die man automatisch hat, nicht so einfach abstellen kann, obwohl das manches viel leichter machen würde (v.a. in so einer situation)
Danke für den Blog!
gebrochene seelen aber nicht ;-) das talent unseres blogdocs hat sich ja schon früh abgezeichnet und ist wohl als folge der sauerstoffschuld in luftiger höhe zu wahrer grösse herangereift...weiter so, mein lieber, wir anderen sonnten uns in deiner strahlkraft und treten nun wieder in den öden schatten medialer vergessenheit...aber als meister der zwischenlandung wirst eh auch wieder weiterziehn, und vielleicht kommen wir dann auch wieder mal zusammen, würd mich freuen! fehlst n bissl...
Bei nicht vorhandenem intravenösem Zugang kann zwei Mal rectal / buccal / intranasal ein krampflösendes Mittel gegeben werden. (3)5 Minuten dazwischen. Gewichts/Altersentsprechende Dosis geben.
Bis dahin den intravenösen Zugang; intravenöse Gabe ist natürlich besser. Intraossär oft lebensrettend.
Die meisten (Erwachsenen)notärzte vergessen Blutzucker bei Kindern zu messen.
Es gibt Leitlinien wie Sand am Meer, deshalb immer lokal einen eigenen Ablaufplan/Algorithmus erstellen und auch mitnehmen, wie Z.B. www.uclhguide.com/fragr_ima... epilpticus (Seite 3/4, rechts kann aber zweimal gegeben werden).
Das Kind war wahrscheinlich bereits im Status, denn bis so ein Heli eintrifft dauert es wohl mindestens 10 Minuten?
Venenzugang bei einem Krampfpatienten ist immer furchtbar schwierig. Ich bin zwar Gott sei Dank nicht in der Situation ihn stechen zu müssen, aber dann immer recht froh dem Notarzt einen Knochenbohrer anbieten zu können.
Wieder ein Top-Bericht, bitte machen Sie weiter!
möglichst viel geld...ja, ja...das war (ev.) einmal...wieviele ärzte schaffen es schon heutzutage wohlhabend zu werden (ich rede hier gar nicht von reich!)...nein, der stress, die überstunden, diese arbeit...ich glaube die gesellschaft - nicht das es etwas neues wäre - hat eine völlig falsche vorstellung der breiten masse von einem beruf...
Ich glaube kaum, dass es Sinn macht hier zu vergleichen. Ein Kind habe ich nicht, daher weiß ich auch nicht wie man für ein eigenes Kind empfindet.
Tatsache ist aber, dass der Hund mir ein sehr guter Freund war.
Was schlimmer wäre ist doch völlig irrelevant...
Respekt. Den Versuch war's sicher wert.
Bei der Famulatur hab ich bei einem krampfenden Erwachsenen mit ausgezeichneten Venen versucht einen Zugang zu bekommen. Keine Chance...
Wir haben dann einen Anästhesisten geholt. Dann ist das Ding in einer gefühlten halben Sekunde gelegen...
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