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Wien - Der stromverstärkt musizierende Künstler hat es als junger Mensch gut. Er lernt von der älteren Schwester drei Akkorde auf der Klampfe, und schon geht es mit den zwei Ungeduschtesten der Klasse ab ins Paradies Probenkeller. Bierflaschen und Groupies wachsen ihm dort zu.
Der ernstmusikalisch erzogene junge Mensch wird schon im Teletubbies-Alter mit den Zellengenossen Czerny (Klavier) bzw. Sevcik (Geige) weggesperrt. Erste Sommer verstreichen hinter den geschlossenen Fenstern des Übezimmers, weitere werden vom Moll-Dreiklang Konzerte, Kurse und Wettbewerbe erfüllt. Die Kindheit: kein Kinderspiel. Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo, die zwei Absolventen der Yehudi Menuhin School, machen mit Klassik etwas komplett Verrücktes: Sie spielen mit ihr. Die zwei Klassik-Comedians sind Virtuosen des sekundenschnellen Stil-, Zeit- und Genrehoppings, so etwa bei der Zugabe ihres Programms And Now Mozart: Da gibt's I Will Survive in einer C-Dur-Version à la Mozart, die abdreht in Richtung Opernrezitativ, welches wiederum zur barocken Klagearie mutiert (Igudesman mit wundervoll anämischer Kopfstimme).
Apropos Abdrehen: witzig auch die Nummer, in der Igudesman (eine Bach-Partita) mit Hilfe des Navigationssystems musiziert ("Verlassen Sie in acht Takten die Tonart E-Dur! In vier! In zwei!"). Oder wenn Pianist Joo bei einer Chopin-Etüde in eine Geschwindigkeitskontrolle gerät und als Nüchternheitscheck Virtuosenstückchen im Sekundentakt absolvieren muss. Meist funktionieren solche Parforceritte ganz toll, mitunter sehnt man sich nach einer das Material verdichtenden Regiehand.
Doch wie heißt es in einem in der Show erzählten Witz: "Was haben Gynäkologen und Kritiker gemeinsam? Beide suchen nach Problemen, wo andere sich vergnügen." Manchmal kann aber auch so eine Problemsuche vergnüglich sein. (Stefan Ender, DER STANDARD, 28.9.2012)
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