Schumacher von Mercedes abserviert, Hamilton kommt

  • Video: Schumi geht, Lauda wird wichtig.

Brite übernimmt 2013 Cockpit des siebenfachen Weltmeisters, Perez neu bei McLaren - Niki Lauda übernimmt als Aufsichtsrat eine Führungsrolle bei Mercedes

London/Stuttgart/Wien - Der Freitag als Tag der großen Rochaden in der Formel 1: Lewis Hamilton ersetzt Michael Schumacher ab 2013 für zumindest drei Jahre bei Mercedes, an seiner Stelle wird der aktuelle Sauber-Pilot Sergio Perez (22) aus Mexiko künftig bei McLaren fahren. Während für Rekordweltmeister Schumacher (43) damit die Formel 1 als Fahrer endgültig Geschichte ist, gibt Niki Lauda ein "Comeback" als Aufsichtsratsvorsitzender beim Mercedes-Team.

Der 63-Jährige ist derzeit als TV-Presenter und in anderen Funktionen in der Formel 1 tätig und hatte zuletzt maßgeblich mitgeholfen, einen Kompromiss zwischen Mercedes und Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone im Ringen um das Concorde-Agreement herbeizuführen.

Derweil haben die Fahrer-Rochaden und das Aus für Schumacher, der 2010 nach einer dreijährigen Rennpause in die Formel 1 zurückgekehrt war, nun mächtig Schwung in das Transferkarussell gebracht. Hamilton fährt künftig an der Seite des Deutschen Nico Rosberg für Mercedes, Perez zusammen mit Jenson Button bei McLaren. Perez ist eine der heißesten Aktien in der Formel 1, der Pilot aus der Ferrari-Akademie hat 2012 in seiner erst zweiten Formel-1-Saison in Malaysia sowie kürzlich in Monza jeweils Platz zwei geschafft. Er war auch als möglicher Massa-Ersatz gehandelt worden. "Ich bin begeistert und aufgeregt, jetzt ein McLaren-Fahrer zu sein", sagte "Checo", der mit einem Schlag ab 2013 zu den WM-Mitfavoriten zählt.

Weil bei Red Bull (Sebastian Vettel, Mark Webber) alles bleibt wie gehabt, ist damit bei den Spitzenteams nur noch der Platz von Felipe Massa bei Ferrari fraglich. Perez könnte bei Sauber durch den Spanier Jaime Alguersari ersetzt werden.

"Es wird Zeit für eine neue Herausforderung", sagte Ex-Weltmeister Hamilton zu seinem Wechsel, um den wegen der Gehaltsforderungen lange gepokert worden war. "Ich denke, ich kann mithelfen, die Silberpfeile an die Spitze zu steuern und irgendwann Weltmeister zu werden", erklärte der 27-jährige Champion von 2008.

Ein Tschüss mit etwaiger Hintertür

Hamilton will damit etwas schaffen, woran selbst Schumacher gescheitert ist. Mehr als ein dritter Platz dieses Jahr in Valencia war für "Schumi" in dessen zweiter Karriere, die nun im November 2012 in Brasilien endgültig zu Ende geht, bisher nicht herausgesprungen.

"Ich hatte drei nette Jahre mit dem Team. Leider lief es sportlich nicht so, wie wir uns das alle gewünscht hätten", erklärte Schumacher. "Ich wünsche Lewis alles Gute und dass sich bald der Erfolg einstellt, für den wir so hart gearbeitet haben", ergänzte der 43-Jährige, der sich beim Team für das Vertrauen bedankte.

Eine Fortsetzung von Schumachers Karriere in der nächsten Saison scheint trotz seines Abgangs bei Mercedes nicht ganz ausgeschlossen, schließlich hat er zuletzt immer wieder betont, er fahre weiter, "solange es mir Spaß macht. Ich habe noch die absolute Leidenschaft. Die Formel 1 ist die ultimative Herausforderung. Man muss sich immer beweisen. Ich genieße das."

Schumachers langjähriger Manager Willi Weber äußerte jedenfalls die Hoffnung, dass der Rekordweltmeister dabei bleibt. "Wäre ich heute noch sein Manager, würde ich sofort nach Italien fliegen und mit Luca Montezemolo sprechen, damit Michael in der nächsten Saison wieder für Ferrari fährt", sagte Weber.

Lauda mit voller Kraft

Wieder sehr wichtig wird auf jeden Fall Lauda, der 63-Jährige wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsratsgremiums des Teams berufen. "Ich habe mir das gut überlegt und werde meine Aufgabe in den nächsten Wochen mit voller Kraft angehen. Ich sitze als Chairman über dem Team und werde, so gut es geht, meine Erfahrungen einbringen, damit wir möglichst bald ein richtig schnelles Auto kriegen", sagte der dreifache Weltmeister. Und er hielt eine Art Nachruf auf Schumi. "Er hat nichts zu bereuen, auch wenn sein Comeback nicht so verlaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat. Sein Denkmal hat dadurch keine Risse erhalten. Von ihm wird immer in Erinnerung bleiben, dass er siebenfacher Weltmeister ist. In den drei Jahren hatte er einfach kein Top-Auto, da wird es auch für einen Schumacher schwierig. Sein Abschied reißt ein Riesenloch. Aber mit Lewis Hamilton hat Mercedes einen super Mann geholt, der das Team weiter nach vorne bringen wird."

Börsengang rückt wieder näher

Mercedes hat zudem nach langem Poker als letztes Topteam auch den neuen Formel-1-Grundlagenvertrag unterzeichnet. Dieser regelt die Verteilung der Vermarktungseinnahmen und soll bis 2020 gelten. Der deutsche Autobauer hatte mit Ecclestone lange um die Konditionen für einen Verbleib in der Königsklasse des Motorsports gerungen. Mercedes war verärgert darüber, dass Ecclestone den Rivalen Ferrari, McLaren und Red Bull höhere Bonuszahlungen gewähren wollte.

Die Mehrheit der Teams hat den Vertrag bereits unterschrieben. Zwischen Mercedes und Ecclestone war es nach einem Zerwürfnis zuletzt mit Hilfe von Lauda zu einer Annäherung gekommen. "Wir wollen so eingestuft werden, wie es sich gehört", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, zu dem der dreifache Formel-1-Weltmeister Lauda ein sehr gutes Verhältnis hat, zuletzt in Singapur.

Mit der Zustimmung von Mercedes rückt möglicherweise auch der Börsengang der Formel 1 wieder näher. Ecclestone will die Rennserie in Singapur an die Börse bringen und einen zweistelligen Millionenbetrag erlösen. Mit der Unterschrift des deutschen Autokonzerns hat Ecclestone nun alle wichtigen Teams langfristig an die Formel 1 gebunden. (APA/red, derStandard.at, 28.9.2012)

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