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Der auf ein Blatt geklebte Schaltkreis aus flüchtiger Elektronik ist bereits in Auflösung begriffen und bald ganz verschwunden.
Die Zukunft soll eine immer stärkere Durchdringung des Alltags mit elektronischen Bauteilen und Sensoren bringen, die messen, kommunizieren, den Menschen auf die eine oder andere Art unterstützen, aber selbst möglichst unsichtbar bleiben. Diese neue Art, Technik ins Leben einzupassen, verändert unsere Sichtweise, dass Elektronik lediglich in fix verbauten Geräten zu finden ist. Forscher der Tufts University nahe Boston und der University of Illinois haben nun im Fachmagazin Science ihr Konzept einer sogenannten "flüchtigen Elektronik" vorgestellt. Sie versprechen Schaltkreise, die funktionsfähig sind, wenn man sie braucht, und einfach verschwinden, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben.
Die Bauteile beinhalten wie konventionelle Elektronik Silizium und Magnesium. Sie sind aber so dünn, dass sie sich in Wasser und anderen Flüssigkeiten in kurzer Zeit auflösen können. Ein Mantel aus Seidenproteinen umhüllt die Stromleiter. Seide ist eines der robustesten bekannten Materialen und vollständig biologisch abbaubar. Die Dicke der umhüllenden Schichten definiert die Lebensdauer der Elektronik, die somit genau bestimmt werden kann.
Die Forscher haben bereits Transistoren, Dioden, Temperatursensoren, Solarzellen, Radioantennen und sogar eine einfache Digitalkamera aus der flüchtigen Elektronik gebaut. Damit stehen von Umweltsensoren, die sich nach Gebrauch rückstandsfrei auflösen, bis zu kompostierbaren Bauteilen von Elektronik mit kurzlebiger Einsatzdauer wie in Smartphones viele Anwendungsmöglichkeiten offen, erklären die Forscher.
Doch die Hauptanwendungsmöglichkeit der biokompatiblen Elektronik könnte in der Medizin liegen: Medizinische Implantate könnten diagnostische und therapeutische Funktionen übernehmen, etwa die Herzaktivität kontrollieren, Medikationen steuern und Krankheitserreger gezielt ausschalten, bevor sie sich nach Erfüllung ihrer Aufgabe selbst im Körper auflösen. Erste Versuche von Implantaten flüchtiger Elektronik in Mäusen zeigten, dass mit einer elektronischen Wärmeeinheit Bakterien abgetötet werden können. (pum, DER STANDARD, 28.9.2012)
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