Berlin will französische EADS-Zugeständnisse

28. September 2012, 08:41

Berlin will sich Einfluss im neuen Unternehmen sichern, Frankreich will eine gemeinsame Sperrminorität

Berlin - Im Ringen um eine Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems hat die deutsche Bundesregierung einem Bericht zufolge der französischen Regierung einen Forderungskatalog übergeben. Darin verlange die Berlin unter anderem, dass die Machtbalance zwischen Deutschland und Frankreich im neuen Unternehmen gesichert werden müsse, berichtete die "Welt" unter Berufung auf Regierungskreise. Auf das Papier hätten sich zuvor Kanzleramt und Wirtschaftsministerium geeinigt.

Im Fall einer Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems will Frankreichs Präsident Francois Hollande einem Bericht zufolge mit der deutschen Regierung eine Sperrminorität aufbauen. Das berichtete die "Financial Times Deutschland" (FTD) am Freitag, ebenfalls unter Berufung auf mit der geplanten Fusion vertraute Kreise.

Standortsicherung in Deutschland

 

Berlin besteht laut dem "Welt"-Bericht darauf, dass die deutsche und französische Regierung in gleichem Maße an dem neuen Unternehmen aus EADS und BAE beteiligt werden, heißt es in dem Bericht. Sollte Frankreich nicht bereit sein, seine EADS-Anteile zu verkaufen, halte die Bundesregierung einen Aktienkauf in gleicher Höhe für denkbar.

Die Bundesregierung verlange in dem Schreiben zudem, dass es eine Gleichberechtigung bei den Konzernzentralen geben müsse, um die deutschen Standortinteressen zu wahren. Hauptsitze von EADS waren bisher München und Paris. Allerdings soll die EADS-Zentrale nach Toulouse ziehen, wo das Tochterunternehmen Airbus sitzt. Eine Ansiedelung der Militärsparte in Großbritannien nach einer möglichen Fusion werde in Berlin abgelehnt.

Megafusion

EADS und BAE Systems hatten am 12. September bekannt gegeben, dass sie über eine Fusion verhandeln. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als US-Konkurrent Boeing. In der Diskussion um die geplante Zusammenführung geht es um das Ausmaß an staatlichem Einfluss auf den neuen Konzern. Bisher halten Deutschland, Frankreich und Spanien - direkt oder indirekt - rund 50 Prozent an EADS. Großbritannien ist mit einer sogenannten goldenen Aktie an BAE beteiligt. Die erlaubt dem Staat jeden Versuch eines Investors, über 15 Prozent des Unternehmens zu kontrollieren, zu blockieren.

Nun wird beraten, ob Deutschland, Frankreich und Großbritannien an dem neuen Unternehmen ebenfalls jeweils eine solche Aktie erhalten sollen. Frankreich hat allerdings bereits angekündigt, seine Beteiligung über neun Prozent an EADS nicht verkaufen zu wollen. Darüber hinaus geht es um Standortgarantien und Arbeitsplätze. Besonders in Deutschland fürchten Politiker, dass der Zugang zu wichtigen Technologien verloren geht, wenn die Produktion abwandert. (APA, 28.9.2012)

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