Der Geiztrieb beim Wein

Gregor Fauma, 2. Oktober 2012, 16:43
  • Vom Wesen her eine Liane, wächst Wein unglaublich schnell. Einige Meter pro Jahr sind da schon drinnen - das sollte beim Setzen bedacht werden.
    foto: dpa/daniel karmann

    Vom Wesen her eine Liane, wächst Wein unglaublich schnell. Einige Meter pro Jahr sind da schon drinnen - das sollte beim Setzen bedacht werden.

Zurückstutzen oder wuchern lassen? Das ist die Frage, die über die Süße der Trauben entscheidet - Gregor Fauma gibt Tipps für die Rebenpflege

"Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!" Damit hatte Wilhelm Busch einst natürlich recht gehabt, als er dem frommen Frauenzimmer Helene eine finale Flasche Likör in die Geschichte gezeichnet und gedichtet hatte. Aber die Zeiten haben sich geändert, seit Qualtingers & Merzens Herrn Karl sind die Likörkompositionen ein wenig in ihrer Popularität gesunken, und Mann und Frau greifen wieder bevorzugt zu Wein und seinen Derivaten. Und so tun es auch die Gärtnerinnen und Gartler.

Wer einen Garten hat, der hat auch Sorgen: Wann kommt endlich die Bestellung, wird die Clematis denn blühen, kann sich das zarte Rispengras durchsetzen ...? Garten und Gärtner sind stets von einer Sorgenwolke umhüllt. Zum Wein greift die Gärtnerin allerdings auch dann, wenn sie eine Beere von der Traube pflückt, um zu testen, ob sie denn schon ausreichend süß sei. Denn Ende September, Anfang Oktober ist die Zeit von Vitis vinifera ssp. vinifera, übersetzt: vom aber so was von weinlieferndem Wein.

Damit dieser auch gut gedeiht, braucht es ein wenig Wissen über diese Pflanze. Vom Wesen her eine Liane, wächst Wein unglaublich schnell. Einige Meter pro Jahr sind da schon drinnen, das sollte man beim Setzen bedenken. Wer sich eine Pergola begrünen oder eine Laube ziehen möchte, ist mit dem Ankauf von Wein gut beraten. Wer sich hingegen nur an seinen Früchten laben oder in Folge berauschen möchte, der wird dem Längenwachstum bald, so nach eineinhalb bis zwei Metern, Einhalt gebieten.

Laubwandmaximierung und Wachstumsminimierung

Zur Maximierung der Fruchtsüße muss der Gärtner einen schmalen Pfad zwischen Laubwandmaximierung und Wachstumsminimierung beschreiten. Die Kraft und der Kohlenstoff, die für das Wachstum zusätzlicher Triebe benötigt werden, fehlen dann den Trauben für die Süße. Deshalb entfernen Winzer und Obstgärtner die Geiztriebe, welche von den neun bis fünfzehn Haupttrieben aus wachsen. Wenn man so seine zwei bis drei Quadratmeter Laubwand pro Stock pflegt, müsste das reichen.

An und für sich kommt der Wein gut mit Schatten zurecht. Als Auwaldpflanze hat er diese Eigenschaft wahrscheinlich im Genom. Aber nur weil er damit zurechtkommt, heißt das nicht, dass ein wenig Mehr an Sonne schädlich wäre. Für wirklich süße Früchte kann es gar nicht zu viel an direktem Sonnenlicht für den Wein geben. Und weil die Menschen gerne Macht ausüben und so auch den Wein durch Zucht und Veredelung sich untertan gemacht haben, sind die hochgezüchteten Sorten krankheitsanfällig. Echter und Falscher Mehltau setzen dem Laub zu, lassen es welken und verdorren und schaffen es mitunter sogar, einen Stock komplett zu entlauben. Sieht hässlich aus, schmeckt auch nicht gut.

Kampf gegen den Parasit

Wenn man auf helfende, synthetische Chemie verzichten möchte, so kann man durch richtige Pflege den Stock im Kampf gegen den Parasit unterstützen. Dabei dreht sich alles um die Feuchte. Die gilt es am Stock zu verhindern. Daher sind sonnige und windige Standorte von Vorteil. Auch hilft es, regelmäßig älteres Laub herauszuschneiden, damit der Wind auch in das Stockinnere vordringen und dort für Trockenheit sorgen kann. Wer vor der feuchtigkeits- und pilzbedingten Traubenfäule Angst hat, kann auch die Traubenzone am Stock freilegen. Aber Vorsicht - zu viel direkte Sonneneinstrahlung kann Trauben quasi verbrennen.

Das Laub schützt die Trauben vor mechanischer Schädigung, sprich Hagel. Auch hier liegt es an der Einschätzung des Gärtners, das richtige Maß zu finden. Hat er das gefunden, so kann er sich in Folge an Singvögeln, Trauben, Traubensaft, Sturm, Wein, Weinbrand, Rosinen, Traubenkernöl, Traubenkern- und Traubenschalenextrakten und Roten Weinlaubpräparaten gütlich tun. Das Ende der Likörkompositionen scheint definitiv. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 28.9.2012)

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14 Postings
Es kommt drauf an, was man machen will.

Wenn man aus den Trauben Wein erzeugen will, macht es Sinn, die Geiztriebe zu entfernen, da das einen (wenn auch geringen) Einfluss auf die Geschmacksstoffe hat. Wenn ich als normaler Gärtner die Trauben nur essen will kann ich mir das Sparen, da schmeckt man keinen Unterschied. Zum Essen sind die Trauben dann gut, wenn man den Trauben Sonne zukommen lässt, was beim Weinerzeugen wiederum nicht immer das beste ist .....

Geiztriebe

unterhalb des tragendes Triebes werden immer entfernt.

... werden immer entfernt. Ja, wenn sich jemand dafür findet. ;-)

Wie gesagt, für Trauben zum Essen ist es aber wurscht .....

Die ersten zwei Absätz sind Bla,bla und danach zu wenig in die Tiefe geagangen.

Was soll dieser Artikel im Standard ?

Den Ottonormalverbraucher interessiert das kaum und der Winzer weiß dieses kleine Einmaleins sowieso.

Hätten nur mehr die Fachausdrücke für echten und falschen Mehltau gefehlt und die Fungizide für Oidium und Peronospora.

Ich heiße nicht Otto

Aber ich bin Normalverbraucher, und mich interessiert das.

Schon mal dran gedacht das tausende hobbygärtner einzelne weinreben im garten haben?

Die biologischen Analphabeten

gibt es wirklich zuhauf.

Letztens fragt mich eine Funs´n aus der Stadt glatt, warum sie keine Kürbisse in ihrem Gartl hat, obwohl diese unzählige Blüten hatten.

Als ob eine Blüte automatisch eine Frucht zur Folge hätte. Kürbisse sind doch keine Selbstbestäuber, die brauchen schon Bienen dazu.

Mir kommt das vor, wie die 10-jährigen Mädchen. Die glauben auch, Kinder bekommt man nur, wenn man verheiratet ist.

Hummeln!

an den blüten meiner kürbisse hab ich (befruchtungstechnisch) keine einzige biene beobachten können; nur hummeln! sehr erfolgreich.

leider auch oft erfolgreich: die schnecken beim abfressen der jungen früchte (hab ich erst mittels gurkenglas & bier in den griff bekommen)

bei mir auch (gemischt),

aber gehören die hummeln nicht zu den bienen?

lt. wiki:

"Die Hummeln (Bombus) sind eine zu den Bienen gehörende Gattung sozial lebender Insekten."

hast anscheinend recht - wusste ich gar nicht.

und warum man dir für eine völlig normale frage *rot* gibt - verstehe ich überhaupt nicht! *kopfschüttel*

was weiss ich...

irgend einer, der mich als intimfeind betrachtet, mir folgt wie ein schatten um mir rot zu geben.
soll er halt seine genugtuung haben ;)

Das war vielleicht jemand, für den die Hummeln

klarerweise zu den Reptilien gehören.

na ja, sich zu wundern warum ein kürbis

bei vielen blüten keine früchte ausbildet, ist keine schande.

genauso wenig nicht zu wissen, dass kürbisse von bienen bestäubt werden. es gibt erstens bei vielen pflanzen selbstfertile sorten und zweitens auch genügend pflanzen, bei denen der wind die bestäubung übernimmt.

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