Ernährungsbericht: Von Karotten und Snickers

Kommentar |

Gesundheitspolitisch steht Österreich beim Thema Ernährung erst am Anfang

Es handelt sich um Nebenaspekte des Ernährungsberichtes, dennoch sagen sie einiges über die Verfasstheit der Debatte über gesundes Essen. Die Österreicher haben praktisch keinen Nährstoffmangel. Und sie essen zu wenig gute Kohlenhydrate. Was diese beiden Fakten verbindet: Sie sind auf Werbung zurückzuführen. Einerseits leben wir in der Annahme, dass wir bunte Pillen brauchen, um etwa unsere Vitamin-Bedürfnisse zu decken. Und die Low-Carb-Bewegung hat so weit Platz gegriffen, dass die Auswirkungen empirisch spürbar sind.

Objektive Information über gesunde Ernährung ist eine Aufgabe, die die Industrie und diverse Diät-Gurus dem Staat nicht abnehmen können. Zwar dürfte sich schon herumgesprochen haben, dass eine Karotte gesünder ist als ein Leberkässemmerl; wie viel Zucker ein angebliches Fruchtjoghurt enthält und wie lange man laufen muss, um ein Snickers abzubauen - das wissen dennoch die wenigsten. Schon mal etwas vom Nationalen Aktionsplan Ernährung gehört? Eben. Den gibt es zwar, gesundheitspolitisch steht Österreich bei dem Thema aber erst am Anfang.

Die Verantwortung für die eigene Ernährung kann man nicht delegieren. Verbote wie jenes in New York, wo Softdrinks nicht mehr im XXL-Gebinde verkauft werden dürfen, sind das falsche Signal. Aber Handlungsanleitungen für einen gesunden Lebenswandel - die kann man sich von der Politik schon erwarten. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 28.9.2012)

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