Österreich, gemessen, gewogen und getestet

Andrea Heigl
27. September 2012, 19:11
  • Im Schnitzelland Österreich haben 40 Prozent der Erwachsenen einen Bodymassindex von über 25.
    foto: apa/günter r. artinger

    Im Schnitzelland Österreich haben 40 Prozent der Erwachsenen einen Bodymassindex von über 25.

Erstmals in Europa wurde ein Ernährungsbericht nicht per Befragung, sondern auf Basis einer groß angelegten Untersuchung erstellt

Hand aufs Hüftgold: Wer ist schon hundertprozentig ehrlich, wenn er in einen Fragebogen Gewicht, Größe und Taillenumfang eintragen soll? Das Gesundheitsministerium wollte jedenfalls auf Nummer sicher gehen. Mit dem Österreichischen Ernährungsbericht 2012 legt es erstmals - hierzulande und in ganz Europa - eine Datensammlung vor, die ausschließlich auf Untersuchungen beruht. Genau 1002 Personen wurden dafür gemessen, gewogen und getestet.

Das Ergebnis bezeichnet Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) als " besorgniserregend": 40 Prozent der Erwachsenen sind übergewichtig, sprich: haben einen Bodymassindex (BMI) von mehr als 25. Zwölf Prozent davon sind adipös, ihr BMI liegt sogar über 30. Im Vergleich zum letzten Ernährungsbericht sind diese Zahlen deutlich angestiegen, das könne aber durchaus mit der Erhebungsmethode zu tun haben, räumte Ibrahim Elmadfa vom Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Wien ein. Er hat den Bericht im Auftrag des Gesundheitsministeriums herausgegeben.

Das Problem ist dabei nicht unbedingt, dass die Österreicher zu viel essen - vielmehr bewegen sie sich zu wenig. Dem versucht das Ministerium auch mit der neuen Ernährungspyramide Rechnung zu tragen, die es seit einiger Zeit propagiert. Statt der Kohlenhydrate bilden ausreichend Flüssigkeit, Obst und Gemüse die Basis. Minister Stöger sagt, man habe die Pyramide auf einen "bewegungsarmen Alltag" abgestellt.

Zu wenig Kohlenhydrate

Dabei sind Kohlenhydrate längst nicht so böse, wie diverse Diät-Gurus nahelegen. Ingrid Kiefer von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) spricht von "Low-Carb-Panikmache". Gute Kohlenhydrate werden sogar zu wenig gegessen, sprich: Die Österreicher sollten zwar nicht mehr Semmerln, aber mehr Vollkornprodukte zu sich nehmen. Das würde auch die Ballaststoffzufuhr verbessern, die im österreichischen Durchschnitt klar unter den empfohlenen Werten liegt, was wiederum das Krankheitsrisiko steigen lässt.

Sparen sollten die Österreicher hingegen beim Fett. Das liegt (wenig überraschend) daran, dass zu viel Fleisch und Wurst auf den Tisch kommt. Auch der Salzkonsum lag bei vielen Studienteilnehmern über den empfohlenen Werten, wenngleich es da laut Ernährungsbericht einen Trend in die richtige Richtung gibt. Dahinter stecken nicht zuletzt gezielte Initiativen des Gesundheitsministeriums; so gibt es etwa eine Vereinbarung mit der Bäckerinnung, laut der der Salzgehalt im Gebäck schrittweise reduziert wird, und zwar so, "dass es die meisten Konsumenten gar nicht merken", wie Minister Stöger meint.

Ungesunde Ernährung hin oder her: Bei der Nährstoffversorgung liegt Österreich recht gut. Die Werte einzelner Stoffe (Vitamin D, Selen, Calcium, Zink) sind bei einigen Bevölkerungsgruppen zwar kritisch, auch das könne man aber "ohne Mittel aus der Apotheke in den Griff bekommen", sagt Ernährungswissenschafter Elmadfa. Österreich sei keinesfalls ein Mängelland - "alles andere ist herbeigeredet".

Nicht wegdiskutieren kann man jedenfalls das innerösterreichische Gesundheitsgefälle. Körpergewicht, BMI, Hüft- und Taillenumfang sowie das Körperfett der Bewohner von Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich liegen durch die Bank unter den Werten der Ostösterreicher. Den Grund dafür sehen die Studienautoren schlicht in einem anderen Lebensstil, Hauptrolle dürfte auch hier die Bewegung spielen.

Fokus auf die Schuljause

Minister Stöger schließt aus den Daten, man müsse das Thema Ernährung "zu einer politischen Frage" erklären; besonders gilt das für die jüngsten Österreicher, schließlich sind bereits 24 Prozent der Schulkinder übergewichtig. Dieser Wert ist im Steigen begriffen. Stöger hat bereits eine Schulbuffet-Initiative ins Leben gerufen, 100.000 Schüler hätten die Berater des Ministeriums schon erreicht. Stögers Ziel: In den nächsten Jahren sollen es 500.000 werden. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 28.9.2012)

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AGES ist wohl nicht informiert...

Laut AGES essen wir zu wenig Kohlenhydrate. Da fang ich ja zum lachen an, nur weil man manch heimische Industrie schützen will. Was reden die Leute von der AGES für einen gequirlten quatsch daher ...

Alkohol, Zucker, Mehl, etc. sind alles Kohlenhydrate und genau diese machen einfach fett und erhöhen den Insulinspiegel. Warum nehmen wohl die Leute ab wenn man weniger Kohlenhydrate konsumiert? Je weniger Zucker, je weniger weißes Mehl, polierten Reis, Nudeln, Alkohol oder auch Fruchtzucker, je weniger fett wird man. Und ein wenig Bewegung mehr schadet auch nicht.

Sicher ist weniger Fett gut, dies wird aber auch nur zusammen mit Insulin eingelagert und das wird durch Kohlenhydrate (Zucker) erhöht.

und noch scheinheiliger ist es, dass Schulessen bestimmte kcal-Werte haben muss und die Hersteller teilweise gar nicht anders dürfen. Oder die Bäcker, die nicht mal light-Topfen verwenden dürfen bzw. muss solange Fett zugemischt werden, bis der Topfen mind. 20% Fett hat. Ministerium und AGES sind nicht nur scheinheilig sondern auch auf einem Wissenstand wie vor 15 Jahren. Und die Leute wollen dem Übergewicht den Kampf ansagen, niemals!

"Sparen sollten die Österreicher hingegen beim Fett. Das liegt (wenig überraschend) daran, dass zu viel Fleisch und Wurst auf den Tisch kommt."

Wie wärs mal heute rein pflanzlich?

http://www.vegan.at/veganeleb... zepte.html

omnomnom :)

als ob komisch fleischimitate der gesundheit zuträglich wären.. vor allem unfermentierte sojaprodukte sind eine katastrophe!! ganz zu schweigen von glutenschnitzeln u. co -.-

wie wärs mit Rezepte lesen anstatt meckern? Ich kann dir 5 Wochen jeden Tag was anderes leckeres kochen, ganz ohne Soja und Tofu, und auch ganz ohne Fleisch und Fleischersatzprodukte..
Und mit ein bissi nachdenken schafft das eder, der zuhause schon länger selber kocht.
Kartoffeln, Pasta, Kürbis, Melanzani, Sellerie, Reis, Mais, Brot und Weizen. Alles Zeug, von dem man gesund satt wird, ohne dass man die Fleischersatzprdukte (die ich auch nicht mag, außer Saitan) verwenden muss. Schau dich um in der "ganz normalen" asiatischen oder italienischen Küche..
Auch "unsere" regionale Küche hat jede Menge traditionelles fleischloses zu bieten: Knödel, Pilze, Palatschinken, Spätzle, Mehlspeisen...

Traurig,

dass Ihnen außer Fleischersatzprodukte nichts fleischloses einfällt. Spricht nicht unbedingt für Ihre Gesundheit :(

unfassbar..

..das die verantwortlichen (öge/dge!?) in einem land wie österreich sich noch immer für "low fat" und "high carb" aussprechen, von mehr "guten" vollkornprodukten sprechen und empfehlen auf mageres fleisch zurückzugreifen! zu guter letzt kommt dann die aussage sich "mehr zu bewegen u. weniger zu essen"! was für ein schwachsinn!! als ob DAS aufgehen würde..

Was erwarten wir uns von AGES und Ministerium, dort sitzen Leute aus der Steinzeit, mit Wissen aus der Steinzeit und dem Hang die Industrie zu schützen anstelle den Menschen zu helfen.
Eigentlich sollte man diese Beamten verklagen für den Dreck den die verbreiten!

seids nicht so angfressen

... ja, wo kommen wir denn da hin ...

kommt regelmäßig ein bericht, dass wir zu fett sind (was wegen unübersehbarkeit keine propaganda ist, sondern traurige wahrheit) kommen reflexartig die postings, dass das dickenbashing, gesundheitszwang, jugendwahn und was auch sonst noch wäre. (zb verschwörung der wirtschaft - ausgenommen natürlich die nahrungsmittelindustrie und der handel - um die leistungsfähigkeit ihrer sklaven zu steigern)

fakt ist, Ö ist zu fett, ernährt sich ungesund (und dabei auch kriminell unökologisch) und bewegt sich zu wenig.

man ist erst übergewichtig, wenns einem so geht:

http://www.youtube.com/watch?v=PAsB60aMftU

wenn du dünner aussehen willst...

umgib dich mit Leuten die dicker sind als du.

i fahr jetz in a fast food budn... is wer dabei?

schachtelwirt heisst das

bin schon dort, schaffs nimma raus

ein gesunde wampn ist auch nicht schädlich (sondern niedlich)!

mein mann hat nämlich einen, hat aber trotzdem gute "werte" (außer nat. BMI!), betreibt seit 6-7 jahren regelmäßig sport (nicht fanatisch) und isst nicht oft ungesund (trinkt sogar kein alk). er ist halt ein ganz "normaler" gsunder mann, knapp unter 50, der sein leben genießt. laut BMI ist er aber fast adipositas! und ein gefahr für sich selbst!
(sorry ;-) ich wollte ihn und "seinesgleichen" nur verteidigen gegen eine wampnphobie)

sicherlich gibts auch extremfälle (z.b. bei den kindern), und eine schlechte tendenz im allgemeinen in richtung nicht bewegen - und es muss definitiv an bewusstsein gearbeitet werden

aber wenn man nur auf BMI statistik schaut wirkt die situation sicher schlechter als es wirklich ist

naja fast adipös.
ist ja noch nicht sooo arg. kenne die zahlen nicht auswendig, blöde wird es erst ab 35 bmi oder so, entspricht ungefähr 1 packerl tschick am tag und ab 40 dann 2 oder so. auf wiki kann man nachlesen.

blöd ist leider auch die fettverteilung, angeblich soll das "wampnfett", schlecht sein. bauchumfang über 100 cm -> nicht gut.

aber knapp unter 30 bmi, gute "werte", womöglich nicht rauchen, und vielleicht sonst noch guten lebenswandel (wenig stress etc), und ich glaub so jemand hat gute chancen einigermaßen gesund 75+ zu werden.

blöd wenn alles zusammenkommt. bmi35+, 2packerl tschick am tag, stressiger job/leben, so jemand braucht sich nicht wundern wenn er mit 65 nach dem 3 infarkt (gar nicht mehr lungenkrebs bekommt)

Kann es sein dass das ein wenig eine Alterserscheinung ist? Mir kommt nämlich nicht so vor dass 40 % der unter 30-jährigen übergewichtig wären. Bei der Ü-50 Generation scheint mir das plausibler. Ist natürlich ein subjektiver Eindruck, darum würde mich eine offizielle Statistik interessieren.

leider gibts auch irre viel blade kinder und jugendliche.
da baucht man nur mal in der Ubahn oder am schwedenplatz schauen

das hat sicher mit dem verstärkten konsum von fast food, süssgetränken, und fertiggerichten zu tun
auch alkolkonsum kann zur gewichtszunahme beitragen
auch wnen man den ganzen tag vor dem computer sitzt, trägt das zum dick werden bei
ausserdem hatten die kids vor 30 jaren im gegensatz zu heute nicht 34h/tag TV und

Hetze gegen Dicke

Ich habe immer schon Obst geliebt und Schnitzel verabscheut und trotzdem Gewichtsprobleme gehabt. Aber egal was die Dicken wirklich essen, die Hetze gegen sie macht nun mal Sapß!

Und ständig werden es mehr!

meine lieben mitfleischfresser!
wie oft esst ihr eigentlich schnitzel.
es wird immer so als paradespeise der fleischesser dargestellt.
ich bezeichne mich ja auch als einen, aber ich muß sagen, dass mein fleischkonsum eigentlich eher beischeiden ist. viel zuspeise, und von der menge sicher abnehmend.

jetzt nur auf das schnitzel bezogen, glaube ich nicht, dass ich im jahr öfter als 8-10 mal eines esse.

natürlich gibts viele andere fleischgerichte, wo der fleischanteil größer oder kleiner ist.

aber nur bzgl. schnitzel, würde mich jetzt interessieren.

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