Zeitungen kündigen Kollektivvertrag, Gewerkschaft empört

27. September 2012, 18:12
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Zeitungsverband erhöht Druck für neuen Kollektivvertrag - Gewerkschaft sieht in der Kündigung des alten KV eine "Kriegserklärung" an die Mitarbeiter

Wien - Mit Betriebsversammlungen in vielen Medienhäusern reagiert die Journalistengewerkschaft auf den Vorstoß der Verleger. Sie sollen nach Standard-Infos nur unterbrochen werden, können also jederzeit wieder aufgenommen werden - und so die Zeitungsproduktion verzögern.

Der Zeitungsverband kündigte den Kollektivvertrag "präventiv". Einigt er sich nicht mit der Gewerkschaft bis 31. Dezember auf einen neuen KV, läuft der alte aus. Für alle nach dem alten Kollektivvertrag angestellten Journalisten gelten bisherige Bedingungen. Allerdings entfallen zwischen Zeitungsverband und Gewerkschaft jährlich ausgehandelte kollektive Erhöhungen insbesondere zur Inflationsabgeltung.

Nach Auslaufen des alten KV können Journalisten zu schlechteren Konditionen angestellt werden, sagen die Verleger. Die Gewerkschaft ist über die "Kriegserklärung empört". Sie betont, " selbstverständlich" würden weiter "ortsübliche Gehälter" gelten - " ortsüblich ist der Kollektivvertrag".

STANDARD-Geschäftsführer Wolfgang Bergmann neuer Verhandlungsführer

Hermann Petz (Moser Holding) dürfte Präsident des Zeitungsverbandes werden. Er gibt die Verhandlungsleitung an Wolfgang Bergmann ab. Der STANDARD-Vorstand warnt: "Die Printmedien werden wegen der Umwälzungen in der Branche auch unter großem Druck stehen, wenn sich die Konjunktur verbessert. Mit der Kostenstruktur des jetzigen Kollektivvertrags, der immer noch 15 Gehälter hat, ist die Zukunft akut gefährdet."

Verleger und Journalisten verhandeln seit Jahren über einen neuen KV. Vor dem Sommer waren die Gespräche weit, die beiden nur 50 bis 150 Euro pro Kopf und Monat auseinander. Die Journalisten überraschten die Verleger im Juni mit darüber hinausgehenden Forderungen, die brachen die Verhandlungen ab. Für 22. Oktober waren Gespräche vereinbart. (red, DER STANDARD, 28.9.2012)

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