25 Jahre Erostepost: Ohne Erinnerung keine Identität

Zweitägiges Festival im Salzburger Literaturhaus

Seit 22. September 1987 existiert die Salzburger Literaturgruppe Erostepost. Zweimal jährlich gibt sie die gleichnamige Literaturzeitschrift heraus, sie organisiert etwa 15 Lesungen pro Jahr und schreibt Literaturpreise aus. Das 25-Jahr-Jubiläum begeht die Gruppe mit einem zweitägigen Festival, heute stellen zwei Autorinnen aus der jungen Generation ihre Bücher vor:

Die Innsbruckerin Carolina Schutti wurde 2011 für ihren Debütroman Wer getragen wird, braucht keine Schuhe für den Rauriser Literaturpreis nominiert. Jetzt präsentiert sie mit Einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein (Otto-Müller-Verlag) das zweite Buch. Schutti erzählt eine Geschichte über die verlorene Sprache der Kindheit, über vergessene Wurzeln, Unausgesprochenes und Sprachlosigkeit sowie die Suche nach der verlorenen Herkunft.

Auch die aus Hermannstadt/Sibiu stammende Iris Wolff schreibt in ihrem Debütroman Halber Stein (Otto-Müller-Verlag) von Heimkehr und der Suche nach der eigenen Identität: Sine, eine junge Frau, kehrt nach dem Tod der Großmutter an den Ort ihrer Kindheit zurück. In die Trauer um die Oma mischt sich Trauer über die verlorengeglaubte Heimat. Die Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte der Großmutter und die Erzählungen der Dorfbewohner lassen ein Bild von der reichen kulturellen Vergangenheit Siebenbürgens entstehen. Der "halbe Stein", ein Naturmonument, öffnet der Protagonistin schließlich den Blick für das Wesentliche: "Wenn man erinnert, kann man nicht verlieren."

Am Samstag richtet Erostepost den Fokus auf Salzburger Autoren: Margarita Fuchs erzählt in einem Ausschnitt aus ihrem jüngsten Buch Aus nächster Ferne von einem fremden Salzburg. Fritz Huber stellt Gedichte aus dem Band Herbstinfarkt sowie neue Lyrik vor; Peter Simon Altmann schreibt in seinem neuen Roman Der Zurückgekehrte von einem rastlosen Übersetzer, der sich nach längerem Aufenthalt in Ostasien wieder in Europa zurechtfinden muss. Neben einer Lesung von Lucia Leidenfrost gibt es noch die Vorstellung des Erostepost-Heftes Nr. 45. Für Partystimmung sorgt die unlängst wiederbelebte Psycho-Rockcombo Inflagranti. (dog, DER STANDARD, 28.9.2012)

28. und 29.9., Salzburg, Literaturhaus, 20.00

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