Kenias Leichtathletik hat ein Dopingproblem

28. September 2012, 20:01

Verbandschef Isaiah Kiplagat gibt erstmals Blutmanipulationen zu - Kontrollen bisher nicht Pflicht - Dritter Läufer gesperrt

Nairobi - Der kenianische Leichtathletikverband (AK) hat erstmals ein Dopingproblem eingestanden. Kenianische Läufer hätten im Norden der Provinz Rift Valley Injektionen mit verbotenen Dopingsubstanzen erhalten. AK-Chef Isaiah Kiplagat gab an, dass der regionale Verband entsprechende Anschuldigungen aus einem Bericht der ARD-Sportschau vom Mai dieses Jahres ernst genommen habe. "Wir arbeiten zusammen mit der kenianischen Polizei und der Welt-Anti-Doping-Agentur, um die Schuldigen dieser kriminellen Machenschaften zu verhaften", sagte Kiplagat.

Der schwedische Sportwissenschafter Bengt Saltin hatte den schon länger im Raum stehenden Verdacht gegen kenianische Ausdauersportler untermauert. Man habe von 2008 bis 2010 beobachtet, dass die Blutwerte der Kenianer bei Starts in Europa viel höher seien als in den Jahren davor. "Es steht für mich daher außer Frage, dass es da irgendeine Form von Blutmanipulation gibt."

Kiplagat, der noch im Mai Dopingprobleme in Kenia energisch abgestritten hatte, kündigte an, dass es ab 2013 für jeden Meeting-Organisator Pflicht sei, an Ort und Stelle Geräte zur Durchführung von Tests zur Verfügung zu stellen. Der Weltverband IAAF hatte eingeräumt, dass in Kenia keine Blutdopingkontrollen durchgeführt würden. Für die Proben, deren Transport und Analyse gebe es strenge Vorgaben. "Die sind dort nicht erfüllt", sagte IAAF-Mediziner Gabriel Dolle. 

Dritte Sperre

Zu alldem passt dass am Freitag Mathew Kisorio hat wegen Dopings zwei Jahre gesperrt wurde. Der drittschnellste Halbmarathonläufer der Geschichte (58:46 Min./2011 in Philadelphia) war am 14. Juni bei den Landesmeisterschaften in Kenia positiv auf das Anabolikum Norandrosteron getestet worden.

Im August hatte Kisorio in einem ARD-Interview sein Dopingprogramm offengelegt, Ärzte beschuldigt und beteuert, dass auch andere seiner Landsleute leistungsfördernde Methoden benutzen würden.

Der 23-jährige Kisorio ist nach dem in Linz zweitplatzierten Ronald Kipchumba (EPO-Nachweis) und der in Hamburg siegreichen Rael Kiyara (ebenfalls Norandrosteron) der heuer dritte Langstreckenläufer aus Kenia, der erwischt und für zwei Jahre gesperrt wurde. Außerdem soll noch der Fall der angeblich in Boston positiv getesteten Jemima Sumgong anhängig sein. (sid, DER STANDARD, 28.9.2012/online update)

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14 Postings

in Kenia gibt es sehr viele gute Läufer.
Das Laufen in Europa ist die Möglichkeit der Armuut zu entfliehen. Man muß aber besser sein als die anderen Kenianer.
Am Beginn einer solchen Läuferkarriere geht's ja noch ohne Dopingmittel. Es hat ja auch keine das Geld dafür.
Gottseidank gibt es da europäische Trainer, Manager und Talentescouts die da ein bischen geld für solche Sachen vorschießen können.

Seit mir nicht böse, aber wie sollen diese Länder Geld für Dopingkontrollen ausgeben können, wenn der Großteil der Bevölkerung am Rande oder in der Armut lebt und die Regierung korrupt ist wie nur was. Das öffnet natürlich Tür und Tor für diejenigen Sportler die sich das irgendwie leisten können.

let´s be honest

http://wp.me/p2AZMk-4K
http://wp.me/p2AZMk-4Z

Es ist doch absurd zu glauben, dass sich irgendwer sein Stück vom Kuchen versagen lassen will.
Gleiches Recht für alle, Hauptsache die Einschaltquoten und Startgelder stimmen.

haben die keinen Darabos?

nein,

leider, aber den könnten wir doch als entwicklungshilfe (mit seinem gesamten büro) hinschicken, oder?

Die Überschrift könnte auch lauten:

"Leichtathletik hat ein Dopingproblem"

Wundern würde mich eher das Gegenteil...

Barfußlaufen

Dopingaspekt muss man sicher ernst nehmen, genauso jedoch das Barfußlaufen!

Sehenswerte ARTE-Doku anbei:
http://videos.arte.tv/de/videos... 29882.html

...ganz im gegensatz zu jamaika

ach was, das sind die Gene!

Nein nein

nicht nur die Gene!

Die mussten als Kinder als Ziegenhirten und Ziegenhirtinen immer soviel zur Schule laufen, mit Wasserkrügen zurück und sind deshalb so ausdauernd geworden ! Und das über Jahrtausende !

Das ist das afrikanische Selektions - Mutationsprogramm.

Dass es in ganz Afrika kein einziges Doping - Labor gibt, hat damit gar nix zu tun.

Es gibt in Afrika WADA-zertifizierte Labors - 2 Stück sind es, in Tunesien und Südafrika - allerdings sind die nicht schnell genug von den betreffenden Gebieten aus zu erreichen. Afrika ist einfach ein Stück größer als man von der Weltkarte her glauben würde :)
Übrigens gibt es weltweit nicht einmal 40 WADA-Labors glaube ich, 2/3 davon in Westeuropa. Hier ein Überblick:
http://www.wada-ama.org/en/Anti-D... ited-Labs/

Danke für den Link!

Und jenes WADA-Labor in Tunisien ist gerade nicht 'aktuell' ;-))

"The reinstatement of WADA accreditation of the Laboratoire de dépistage du dopage (LDD) in Tunis, Tunisia has been deferred until further notice."

Bleibt eh noch das eine Labor in Südafrika...

P.S. In Jamaica gibt's natürlich auch kein Labor.

Was ich nicht gewusst habe ist, wie wenige Labors es in den USA gibt ... an der Ostküste ist überhaupt ziemlich tote Hose, obwohl vermutlich die Proben bei der guten Infrastruktur dort schnell genug in Montreal sein sollten.

Garade gesehen, hier die aktuelle Liste der WADA-Labors weltweit für die die's interessiert:
http://www.wada-ama.org/Documents... ies_EN.pdf

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