Wo und warum Europas Bürger protestieren

Proteste, Demonstrationen, Aufstand: Ein Überblick, wo und warum die Krise in Europa die Leute auf die Straßen treibt

Italien: Sparen für Europas Zuneigung

Das Dolce Vita in Italien wird ein bisschen weniger süß. Die Krise setzt dem Land zu, noch heuer sollen 4,5 Milliarden Euro an öffentlichen Ausgaben eingespart werden. Wie allerorts funktioniert das auch in Italien über die Kürzung von Ausgaben für die Gesundheitsversorgung und Stellenstreichung. Die Regierung plant zudem, die Mehrwertsteuer anzuheben. Der Bevölkerung schmeckt das alles nur bedingt, im Sommer gehen zehntausende Italiener auf die Straße und protestieren gegen die Sparpolitik.

Sie protestieren auch, weil die Wirtschaft nicht vom Boden kommt. Immer tiefer rutscht Italien in die Rezession. Der Abschwung fußt auf mehreren Beinen. Die Italiener konsumieren weniger, weil sie weniger Geld zur Verfügung haben oder sich wegen der unsicheren Aussichten Sparpolster anlegen. Auch die Unternehmen geben weniger aus, weil sie kein Geld haben oder es lieber sicher im Safe liegen lassen. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Sparpakete dämpfen den Konsum, die Wirtschaft gleitet ab, weniger Ausgaben bedeuten weniger Einnahmen für den Staat, und dann wird wieder gespart.

Unkenrufe zu Italien hört man immer wieder. Das Land brauche Hilfe von der EU, Italien selbst dementiert das bis dato vehement. Weder sei es vonnöten noch irgendwie geplant. Italien erspart sich die Zuneigung Europas. Doch auch in Rom ist man sich bewusst: Es ist ein Drahtseilakt. Noch dulden die Italiener mehr oder weniger stillschweigend die harten Einschnitte. Die Stimmung könnte aber schnell kippen.

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