Österreichs Industrie im Jammertal

Weniger Aufträge, strärkerer Personalabbau: Für die heimische Industrie ist eine Trendwende nicht in Sicht

Wien - Für Österreichs Industrie wird der Herbst ein kühler. Der Bank-Austria-Einkaufsmanagerindex sackte im September auf den niedrigsten Wert seit Mitte 2009 ab, und zwar auf 45,1 Punkte nach 46,7 Punkten im August. "Ausschlaggebend war vor allem die spürbare Verschlechterung der Auftragslage, die zu einer Verringerung der Produktionsleistung und dem Abbau von Beschäftigung führte", teilte Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer am Donnerstag mit.

Bereits seit Juli ist die Industrieproduktion laut Bank-Austria-Berechnungen im Schrumpfen begriffen. Dies könnte sogar auf einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal hindeuten, immerhin spiele der Produktionssektor hierbei eine große Rolle.

Für die Industrie ist die Bank Austria aber vorsichtig optimistisch und meint, dass die Abkühlung bereits ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Grund für die Annahme sind die gestiegenen Preise. "Im September haben nicht nur die Einkaufspreise, sondern auch die Verkaufspreise angezogen. Den Unternehmen ist es überwiegend gelungen, die gestiegenen Kosten zu überwälzen und damit die Ertragslage stabil zu halten", so Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Kleines Plus

Im Gesamtjahr 2012 werde die Industrie trotz der derzeit schwachen Impulse ein Plus von bis zu 1 Prozent erzielen können - das aber auch nur, weil die Entwicklung gegen Ende 2011 ungünstig war. Nach den bisher vorliegenden Daten von Jänner bis Juli sei die Industrieproduktion im Schnitt nur um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen.

Für kommendes Jahr sind die Bank-Austria-Volkswirte wieder guter Dinge. "Für 2013 rechnen wir mit einem Anstieg der Industrieproduktion um rund 3 Prozent, womit der Sektor eine ganz wesentliche Stütze des gesamtwirtschaftlichen Wachstums von 1,2 Prozent sein wird", meinte Bruckbauer. Bis sich die Fortschritte bei der Lösung der Eurokrise in der Realwirtschaft niederschlagen werden, werde es allerdings noch "einige Monate" dauern. Die Weichen sieht Bruckbauer aber schon gestellt.

Momentan leidet die heimische Industrie unter fehlenden Aufträgen. Im September sank die Nachfrage so stark wie zuletzt im Frühjahr 2009, vor allem an Bestellungen aus dem Ausland mangelt es. Als Konsequenz haben die Betriebe ihre Produktionsleistung zurückgefahren - der Produktionsindex ging auf den tiefsten Wert seit mehr als zwei Jahren zurück (46,2 Punkte) - und den vierten Monat in Folge Jobs abgebaut. Der Beschäftigungsabbau hat sich Pudschedl zufolge sogar noch beschleunigt. "Angesichts weiter sinkender Auftragspolster und sich weiter verkürzender Lieferzeiten ist vorerst keine Umkehr des Beschäftigungstrends im Sektor in Sicht", so die Bank Austria.

Eurozone schwächelt

Das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone hat sich im September unerwartet deutlich eingetrübt. Das Barometer fiel um 1,1 auf 85,0 Punkte, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit. Ökonomen hatten im Schnitt mit unverändert 86,1 Zählern gerechnet. Das separat ermittelte Geschäftsklima in der Euro-Zone trübte sich ebenfalls ein. Das Barometer fiel um 0,16 auf minus 1,34 Zähler. Experten hatten mit einem Wert von minus 1,19 gerechnet. (APA, 27.9.2012)

Share if you care