Neues Parkpickerl in Wien: Das ändert sich

Michael Matzenberger
27. September 2012, 15:57
  • Wohnst du noch oder klebst du schon? Im 8. Bezirk gilt das Parkpickerl für Anrainer bereits seit 1995. Ab 1. Oktober 2012 müssen auch die Bewohner einiger Gegenden auf der anderen Seite des Gürtels picken.
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    Wohnst du noch oder klebst du schon? Im 8. Bezirk gilt das Parkpickerl für Anrainer bereits seit 1995. Ab 1. Oktober 2012 müssen auch die Bewohner einiger Gegenden auf der anderen Seite des Gürtels picken.

  • So verlaufen die Grenzen der neuen Pickerlzonen.
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    So verlaufen die Grenzen der neuen Pickerlzonen.

Ab 1. Oktober muss in deutlich vergrößertem Gebiet bezahlt werden: derStandard.at erklärt, wo und wie viel - mit Infografiken

Am Montag tritt in Wien eine Neuregelung für das Abstellen von Fahrzeugen in Kraft, die der Magistrat amtssprachlich "Parkraumbewirtschaftung neu" nennt. Bisher waren die kompletten Bezirke 1, 4 bis 9 und 20 als Kurzparkzonen geführt; in den Bezirken 2, 3 und 15 galt die Regelung nur in ausgewiesenen Gegenden. Ab 1. Oktober kommen dazu Teile der Bezirke 12, 14, 15, 16 und 17.

Anders als in den schon bisher gebührenpflichtigen Gebieten gilt die Kurzparkzone in den neuen werktags nicht von 9 bis 22 Uhr, sondern nur von 9 bis 19 Uhr. Auch die Maximalparkdauer unterscheidet sich mit drei Stunden von jenen zwei Stunden, die in den jetzt schon bewirtschafteten Gebieten erlaubt sind.

Wie bisher gilt in der nun nach Westen ausgeweiteten Zone: Wer in einem "Gebiet mit flächendeckender Parkraumbewirtschaftung" wohnt, muss für das Auto nicht alle paar Stunden einen neuen Stellplatz finden. Anrainer können sich die von der Stadt Parkpickerl genannte "Ausnahmebewilligung von der Kurzparkzone" gegen eine Pauschalgebühr aufs Fahrzeug kleben und die Kurzparkzone in ihrem Bezirk guten Gewissens ignorieren.

Geringere Gebühr in neuen Zonen

Weil in den Bezirksteilen außerhalb des Gürtels die gebührenpflichtige Parkzeit um 19 Uhr endet, ist dort auch die Gebühr für das Parkpickerl geringer als in den alten Zonen. 90 statt 120 Euro pro Jahr kostet die Parkometerabgabe für die betroffenen Meidlinger, Penzinger, Ottakringer und Hernalser sowie für jene Bewohner von Rudolfsheim-Fünfhaus, die außerhalb der jetzt schon gebührenpflichtigen Gegend um die Stadthalle, aber innerhalb des neuen Pickerlareals wohnen. Voraussetzung für ein Pickerl sind immer der Hauptwohnsitz und die Abgabe eines rund 50 Euro teuren Antrags.

Überlappungsbereiche und Ausnahmebewilligungen

Die Ausweitung macht das umstrittene Parkpickerlsystem nicht unbedingt durchschaubarer: Während etwa für den 12. Gemeindebezirk nur der Aufkleber für den 12. Bezirk gilt, können Bewohner des 14. Bezirks auch im 15. Bezirk parken und umgekehrt. Wer ein Pickerl für den 16. am Auto hat, darf wiederum in "Überlappungsbereichen" der Bezirke 14, 15 und 17 parken.

Ausnahmen gelten nicht nur für die Bewohner der betroffenen Bezirke und Bezirksteile. Beschäftigte und Gewerbetreibende können unter strengen Auflagen eine Parkkarte für Firmen- oder Pendlerwagen beantragen. Noch strikter ist nur die generelle Befreiung von der Pauschalgebühr geregelt: Ärzte und Pfleger im Dienst sowie körperbehinderte Menschen haben noch am ehesten Bewilligungsaussichten.

Kleingärten und Strafen

Eine weitere Ausnahme gilt für Besitzer von Kleingärten. Diese müssen für ein Parkpickerl keinen Hauptwohnsitz im betroffenen Bezirk vorweisen, sondern können ein "Saisonpickerl" erwerben. Gültig ist ein solches in den acht Monaten von März bis Oktober (hier die genaue Regelung).

Wer kein gültiges Pickerl am mehrspurigen Kfz hat und die maximale Kurzparkdauer von drei Stunden überzieht, muss entweder das Glück haben, den Parksheriffs nicht aufzufallen, oder mit einer Strafe von 36 Euro leben. Bis 1. Mai kostete Falschparken noch 21 Euro. Die Einnahmen aus den Parkstrafen werden laut Stadt Wien für Verkehrssicherheit und Sozialhilfe zweckgebunden.

Ausweitung der Pickerlzone umstritten

Rund um das Parkpickerl entbrannte in den vergangenen Monaten eine heftige Diskussion. Die Wiener Landesorganisationen von FPÖ und ÖVP und zum Teil auch Bezirkspolitiker aus den eigenen Reihen warfen der rot-grünen Stadtregierung vor, das Budget auf dem Rücken der Autofahrer sanieren zu wollen.

Die Opposition sammelte 150.000 Unterschriften, davon allerdings rund 45.000 ungültige. Die Unterschriftenliste wurde mit der Forderung übergeben, die Stadtbevölkerung - nachträglich - über die Ausweitung der Pickerlzone abstimmen zu lassen.

Weil die Abstimmung über Gebühren laut Experten aber nicht rechtskonform ist, bleibt die Möglichkeit einer solchen Befragung weiterhin ungewiss. In einem ersten Bescheid schmetterte die Magistratsabteilung 62 den Antrag als unzulässig ab. ÖVP-Stadtchef Manfred Juraczka kündigte Berufung an und will nötigenfalls auch Verwaltungs- oder Verfassungsgerichtshof anrufen. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 27.9.2012)

Eine kurze Geschichte der Wiener Parkgebühren

Erste Kurzparkzonen wurden im 1. Wiener Gemeindebezirk 1959 eingeführt. Ab 1975 wurde das Parken dort mit vier Schilling pro Stunde gebührenpflichtig, 1986 erhöhte die Gemeinde die Stundengebühr auf zwölf Schilling. Mit Juli 1993 erklärte die Gemeinde mit der Inneren Stadt erstmals einen kompletten Bezirk zur Kurzparkzone. Zwischen 1995 und 1999 folgten große Teile der Bezirke 2 und 3 sowie die kompletten Bezirke 4 bis 9 und 20. Mit der Euro-Einführung 2002 sanken die Gebühren auf 80 Cent pro Stunde, 2007 steigen sie auf 1,20 Euro und 2012 auf 2 Euro.

Ab 2005 mussten Autofahrer erstmals auch außerhalb des Gürtels Kurzparkgebühren bzw. die Pauschalabgabe für Anrainer entrichten - das Pilotprojekt im 15. Bezirk umfasste jedoch nur die Gegend um die Wiener Stadthalle. In der Folge wurden die Bemühungen um eine Ausweitung der Pickerlzone seitens der Stadtregierung verstärkt. Einige Bezirkskaiser - etwa in Favoriten, Hietzing und Währing - legten sich quer. Ab 1. Oktober 2012 tritt die neue "flächendeckende Parkraumbewirtschaftung" in klar abgegrenzten Teilen der Bezirke 12, 14, 15, 16 und 17 in Kraft. Außerdem wurden kleinere Gebiete um die Messe im 2. Bezirk und um St. Marx im 3. Bezirk zur Zone hinzugefügt.

Links
wien.gv.at: Antrag inkl. Formular
wien.gv.at: Kurzparkzonen und Parkpickerl
wien.gv.at: Entwicklung der Parkraumbewirtschaftung in Wien
Folder "Das Wichtigste zum Pickerl" (PDF)
Studie: Entscheidungsgrundlagen für die Ausweitung (PDF)
Grüne Wien: FAQ rund ums Parkpickerl

Hintergrund
Wiener Parkpickerl: Antragsflut kurz vor dem Start
Abfuhr für schwarze Parkpickerl-Befragung in Wien
Parkpickerl fix im Herbst, Volksbefragung später
derStandard.at-Schwerpunkt: Parken in Wien

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Mich Nerven die ORF Mitarbeiter am Küniglberg

Die verparken ständig die Zufahrt zu meinem Haus.

Kannst ja an dem Resetarits schreiben

vielleicht macht er ein Bürgeranwalt spezial über ORF-Mitarbeiter. ;)

Wenn die Einfahrt verparkt ist - gibt es dagegen Abhilfe.

ich bin nicht gegen das parkpickerl sondern für mobilität!

gerade der austausch zwischen stadt und land wird behindert. sie werden gegeneinander ausgespielt.

die städte begreifen sich nicht als etwas gemeinsames, das den staat ergibt, sondern als gegner, die feilschen, streiten, und einander abzocken.

die parkpickerl-erfindung zusammen mit dem ausschluss gleichberechtigter, mehrerer wohnsitze, ist ein destruktives attentat auf die modernität und weiterentwicklung der gesellschaft.
es gibt computer seit 50 jahren. die zugeteilten steuern und abgaben können auch in halben und dritteln korrekt berechnet werden, den bürger gibts eh nur einmal.

Pröll hat Wien abgezockt und WienerInnen mit Wohnbauförderung aufs Land gelockt, das land NÖ muss die Infrastruktur aufbringen, damit ihre BürgerInnen in Wien arbeiten können, und nicht Wien!

Pröll hat genau gewusst, dass, wie weltweit alle Städte und daher auch Wien die Pforten für MIV Pendler dicht machen wird!

Infrastuktur ist sehr teuer, er hat nichts getan! Wien baut U-Bahnen, neue Straßenbahnen und und und...
verbilligt die Jahreskarte!

nur aus dem Finanzlastenausgleich nehmen und sich nicht um die BürgerInnen kümmern, geht eben nicht!

das ändert sich:

zum geldausgeben fahre ich nicht mehr nach wien.

ein beweis, es funktioniert!

danke. wir legen eh keinen wert drauf.

auf Zweitwohnsitzer in Wien wird gepfiffen

und, dadurch die Anzahl der Pendler erhöht, denn wozu sollte man sich einen Zweitwohnsitz in Wien leisten, und das Problem wohin mit dem Auto, wenn man übers pendeln billiger davonkommt! Da ja das öffentliche Verkehrsnetzt außerhalb Wien´s (ÖBB) bis auf wenige Ausnahmen so besch.. ist, dass man es als Tagespendler nicht sinnvoll verwenden kann... tja.. dann werden eben die Tagespendler mehr.. Ach, das ist doch das was die Griechin will... oder etwa nicht?... Mal nachdenken ihr grünen Extremisten, denn ohne die Arbeitnehmer aus NÖ/BGLD etc. liegt die Wirtschaft Wiens am Boden und somit auch die Einnahmen der Stadt / Bundesland Wien! Wenn die Firmen aus Wien abwandern.. habt´s dann Platz genug für eure "tollen" Ideen.. viel Spaß noch ;-)

"wozu sollte man sich einen Zweitwohnsitz in Wien leisten, und das Problem wohin mit dem Auto, wenn man übers pendeln billiger davonkommt"

wieviele personen stehen wohl jährlich vor dieser entscheidung? 5? 12?

"ohne die Arbeitnehmer aus NÖ/BGLD etc. liegt die Wirtschaft Wiens am Boden"

na, ganz so schlimm wirds net werden. schau ma mal...

"Wenn die Firmen aus Wien abwandern.."

dann sind wohl dafür eher die fördermilliarden vom "onkel" verantwortlich (so wie bisher auch).

gut gewählter name!

Ziel ist eine lebenswerte Stadt.

Das Parkpickerl ist ein Schritt weiter zu diesem Ziel.
Alles andere ist zweitrangig.

Dieses Konzept hat auch in der Vergangenheit hervorragend funktioniert wie man an der internationalen Stellung und der Lebenswertreihung Wiens leicht erkennen kann.

Ziel ist es, die mit halboeffentlichen Geldern gesponsorten Garagen voll zu kriegen.

ah ja, für wen lebenswert?

für die schickimickis die auf der mahü flanieren wollen, oder für die leute die auch als kleinunternehmer schwer arbeiten und den verkehr als ihren blutkreislauf benötigen?
für die senioren, die sich nicht leisten können, mit dem taxi in die shopping city zu fahren, und es dort auch nicht derkrabbeln, und nicht die stufen auf den bus hoch schaffen? die enkel die die dann versorgen?

die WienerInnen dürfen auf ihren Straßen flanieren, wie sie wollen, das werden sie Ihnen doch nicht vorschreiben! Kleinstunternehmer haben meist eh nur ein Auto (oder keins) mit Privatnutzung über 20% und kriegen ein Pickerl!

sie sprechen eher vom Kleingewerbtreibenden, der sich keine Stellplätze leisten will und der alles in der Vorstadt mit Kleinlkws zupflastert, seit jeher ein Ärgernis!

Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt, wie lebenswert soll sie denn noch werden? Grüne Flächen und Radwege so weit das Auge reicht?

Wenn sie das wollen, sollten sie nicht im urbanen Gebiet leben, sondern am Land.

Am Land gibt es sehr selten Radwege.
Dort dominiert ebenso der Autoverkehr.
Leider gibt es am Land kaum Menschen. Die soziale und kulturelle Interaktion ist viel geringer.

Die Stadt ist der Lebensraum für Menschen, nicht für übergewichtige, protzige, umweltverschmutzende, ungesunde, platzverschwendende, unzeitgemäße Blechkübel.

Sie sind wohl nicht so oft "am Land".

mein Hauptwohnsitz ist in einer kleinen Gemeinde 100 km entfernt von Wien....

schön, dass Sie dort Arbeit gefunden haben

oder verstehe ich da was falsch ?

statt blechkübel hätte ich im letzten satz salongrüne geschrieben ;)

"Die soziale und kulturelle Interaktion ist viel geringer." (gemeint war das Land)

des hoid i für a Gerücht!
gibts etwa eine noch geringere soziale Interaktion als in der Stadt? Viele kennen ja nicht einmal ihre unmittelbaren Nachbarn ...

ja wenn sie unter soziale Interaktion belangloses Gewäsch über die Grashalmlänge meinen.

Lebenswert?

ich wohne an der grenze zu einem parkpickerl-neubezirk. bislang wenige autos, weil einbahn- und reine wohnstraße. ich FREUE mich schon auf eine verdoppelung des verkehrs und die parkenden nicht-anrainern vor meinem haus...
eine glanzleistung, sowas auch noch als verbesserung der lebensqualität zu benamsen...

ich muss im Anrainerbezirk parken, weil ich keinen Anspruch auf ein Parkpickerl habe....

schade fuer Sie Bis jetzt hab ich immer locker einen Parkplatz bei mir gefunden.... und ehrlich> fuer 1oo Euro im Monat hab ich kein Geld.

die Grünen wollten das Parkpickerl bis zur Stadtgrenze, das haben sie der SPÖ und ihrer Angst vor den Blauen zu verdanken!

sie hätten halt auch 90 Euro zahlen müssen und wären aber auch geschützt gewesen, ich wohne gürtelnah und weiß, was auf sie zukommt, meine Wohnung allerdings wird auf dem Markt wieder mehr bringen, da nun verkehrsberuhigte Lage!

Falls ich nicht verkaufe, kann ich wieder bei öffenem Fenster frühstücken! Super! ich kann auch erst um 19 Uhr heimkommen und muss nicht um 16:30 wieder da sein!

Wenn die Stadtverwaltung

bzw. die Regierung um die zahlreichen, lukrativen Steuern, welche sie am Pkw-Verkehr einnehmen, ausreichend LEISTBAREN Parkraum anböte, wäre das schon ok.

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