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Eine Percival-Stachelmaus zeigt sich von ihrer weichen Seite.
Nairobi/Tallahassee - Stachelschweine sind nicht die einzigen Nagetiere, die über ihr namensgebendes Merkmal verfügen. Bei den mit ihnen nicht näher verwandten Stachelmäusen (Acomys) sind die Rückenstacheln zwar deutlich weniger stark ausgeprägt und eher borstenartig, dafür haben die in Westasien und Afrika beheimateten Tiere noch einen anderen Trick in petto: Um ihren Angreifern zu entgehen, können sie Teile ihrer Haut abwerfen.
Dabei können zwar großflächige Wunden entstehen, die aber innerhalb kurzer Zeit vollständig heilen, berichten Forscher aus Kenia und den USA in "Nature". Das Besondere: Die Haut der Mäuse vernarbt nicht, sondern wächst komplett mit Drüsen und Haaren nach.
Von einigen Tieren ist bekannt, dass sie bei Gefahr Teile ihres Körpers abwerfen: Ein Mechanismus, der Automoie genannt wird und mit einer Regeneration des abgeworfenen Körperteils einhergehen kann, aber - je nach Tiergruppe - nicht muss. Eidechsen zum Beispiel opfern ein Stück ihres Schwanzes, um Angreifer abzulenken und zu fliehen. Der Schwanz wächst dann - wenn auch meist in verkürzter Form - nach. Auch von Stachelmäusen ist bereits bekannt, dass sie die Haut ihres Schwanzes abwerfen können. Die Forscher um Ashley Seifert von der University of Florida untersuchten nun anekdotische Hinweise darauf, dass zwei afrikanische Stachelmausarten (Acomys kempi und Acomys percivali) auch am Rücken ihre Haut leicht loswerden können.
Dass diese Hinweise stimmen, stellten die Forscher gleich fest, als sie einige Exemplare in Kenia im Freiland fangen wollten: In der Hand der Wissenschafter ließen die Stachelmäuse buchstäblich die Hüllen fallen. Große Hautflächen gingen verloren, sodass das Fleisch darunter sichtbar wurde. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Haut der Stachelmäuse ausgesprochen brüchig ist und sehr leicht reißt. Ihre Festigkeit ist etwa 20 Mal geringer als bei einer gewöhnlichen Hausmaus . Eine Art Sollbruchstelle fanden die Forscher aber nicht.
Die Heilung der Wunde setzte allerdings schnell ein: Schon nach einem Tag war die Wundfläche deutlich kleiner geworden. Innerhalb eines Monats war die Haut samt Haaren regeneriert - und das ohne jegliche Narbe. Für die Bildung der neuen Haarfollikel hatten die Mäuse Signalwege aktiviert, die normalerweise während der Embryonalentwicklung ablaufen.
Schließlich stanzten die Forscher Löcher in die Ohrmuscheln der Stachelmäuse. Selbst diese Löcher schlossen sich sehr schnell. Es bildeten sich Haut, Talgdrüsen, Knorpel und wiederum Haarfollikel. Lediglich eine Regeneration von Muskelgewebe stellten die Forscher nicht fest. Die Vorgänge auf Zellebene ähnelten denen bei Salamandern, wie weitere Untersuchungen zeigten. Möglicherweise lassen sich mit Hilfe der Stachelmäuse Wege finden, auch beim Menschen nach einer Verletzung die Neubildung von Haut und anderen Geweben anzuregen, hoffen die Wissenschafter. (APA/red, derStandard.at, 26. 9. 2012)
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