Mauern, die Geschichte schreiben

  • Maike Kohl-Richter schreibt die Geschichte ihres Mannes neu. F.: AP
    foto: sebastian widmann/dapd

    Maike Kohl-Richter schreibt die Geschichte ihres Mannes neu. F.: AP

Bei den Auftritten Helmut Kohls weicht Maike Kohl-Richter nicht von der Seite ihres Mannes

Es ist eine grausame Fügung des Schicksals, dass gerade der Vater der deutschen Einheit, Helmut Kohl, seinen Lebensabend hinter einer Mauer verbringen muss. Diese Mauer wurde nicht von den Kommunisten erbaut, sondern von seiner Ehefrau. Maike Kohl-Richter schottet den ehemaligen Bundeskanzler von seiner Familie und Vertrauten ab, lautet der Vorwurf, den frühere Weggefährten derzeit in deutschen Medien äußern.

Seit seinem schweren Sturz 2008, bei dem sich Kohl ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zuzog, ist der langjährige CDU-Vorsitzende ein Pflegefall, der rund um die Uhr von seiner 48-jährigen Frau umsorgt wird. Dafür hat sich die promovierte Volkswirtin von ihrem Job als Referatsleiterin für Regionalpolitik im Wirtschaftsministerium beurlauben lassen. Auch bei den Auftritten Kohls anlässlich seines 30-Jahr-Jubiläum seines Amtsantritts weicht Kohl-Richter nicht von der Seite ihres Mannes.

Schon als junge Referentin im Kanzleramt, wo sie 1994 in der Wirtschaftsabteilung begann, soll sie den damaligen Kanzler glühend verehrt haben. Als 1998 Gerhard Schröder Kohl als Bundeskanzler ablöste, wechselte die Siegerländerin (Nordrhein-Westfalen) zum damaligen CDU-Steuerexperten Friedrich Merz.

Heirat im engsten Freundeskreis

Wann das Dienstverhältnis zwischen Richter und Kohl zu einer Beziehung wurde, ist nicht bekannt. Der Kohl-Biograf Heribert Schwan deutet in einem Buch über die erste Kanzlergattin Hannelore an, dass diese von einer Affäre ihres Mannes Kenntnis hatte. Hannelore Kohl beging 2001 Selbstmord.

Offiziell trat das Paar erstmals 2005 beim Festakt zum 75. Geburtstag des Bundeskanzlers a. D. im Deutschen Historischen Museum gemeinsam auf. Wenige Monate nach Kohls Unfall heirateten die beiden 2008 in der Kapelle einer Reha-Klinik in Heidelberg im engsten Freundeskreis. Die beiden Söhne Walter und Peter waren nicht eingeladen.

Kurz nach Hannelore Kohls Tod soll die neue Frau an der Seite des Altkanzlers Kleidung und Schmuck ihrer Vorgängerin getragen haben. Damit ist mittlerweile zwar Schluss. Ganz hat Kohl-Richter aber noch nicht mit der Vergangenheit abgeschlossen. Anfangs half die ehemalige Journalistin, die bei der Siegener Zeitung und der Wirtschaftswoche arbeitete, ihrem großen Vorbild nur beim Schreiben von Artikeln und Reden. Nun schreibt sie diese selber. "So, als habe sie dieses Land einmal geführt. Sie redigiert jetzt die Vergangenheit", schreibt die Süddeutsche Zeitung. (Verena Diethelm, DER STANDARD, 27.9.2012)

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