Konzeptkunst im bunten Zuckerschock

  • Zitronensahne und Pistaziencreme: "Les Tartes", Kuchen von Hanakam und Schuller, die keine sind.
    vergrößern 600x794
    foto: maximilian hochstätter

    Zitronensahne und Pistaziencreme: "Les Tartes", Kuchen von Hanakam und Schuller, die keine sind.

Vertragen sich verspielte Oberflächen mit Konzeptkunst, fragen Markus Hanakam und Roswitha Schuller

"Zucker" heißt ihre Ausstellung bei Viertel Neun, einer neuen, der jüngeren, österreichischen Künstlergeneration verpflichteten Galerie.

Wien - An den pickigen rosa Zuckerguss von Punschkrapfen muss man denken, an üppige Buttercreme zwischen Haselnussböden und Biskuit. Und doch ist die Installation von Markus Hanakam und Roswitha Schuller in der Galerie Viertel Neun keine Schwelgerei in Obers, sondern strenggenommen lediglich eine Ansammlung gestreifter, dreieckiger Prismen, auf denen man - dank weicher Schokogusspolsterung - sogar sitzen kann.

Les Tartes, also "Die Kuchen", titelt die Installation auch noch provokant: Sie ist Balanceakt, ein Borderlinern an der Grenze zwischen Minimal und Pop Art, zwischen Abstraktem und Gegenständlichem. Ob Konzeptkunst nüchtern und streng aussehen müsse, fragen sich die beiden Künstler. Oder könne ihre eigene, stets konzeptionelle künstlerische Arbeit nicht auch babyblaue und zuckerlrosa Oberflächen haben?

Ihre Brüskierung des schwarz-weißen Ernstes kann man auch als Kritik an der Inszenierung von Kunst verstehen, die oft nur noch über ihre Oberfläche funktioniert; diese mag zwar reduziert und seriös aussehen, ist aber auch nichts anderes als Dekor von möglicherweiser seichter Ware. Der Architekturtheoretiker Reyner Banham verglich 1971 ornamentale Behübschung moderner, anonymer Bauelemente mit Zuckerguss.

Wichtige Denkansätze, die Hanakam und Schuller über sechs Räume der Galerie Viertel Neun verfolgen. Etwa in der witzigen Videoarbeit Gâteaux, in der Minimal-Art-Werke von Dan Flavin und Maurizio Nannucci geheime Kuchenrezepte austauschen. Besonders sehenswert ist ihr Video Palm Springs, das vergegenwärtigt, wie das normale Leben in Ikonen der Architektur, etwa in Neutras Kaufmann's House, aussieht. Sie visualisieren die Sehnsucht der Bewohner nach Gestaltung, indem sie den Architekturfotos zum Beispiel eine Amarenakirsche aufs Dach setzen.

Oder: Research Table (Monty), ein Berg aus Zuckerstreuseln, dessen Gipfel seltsam verformt ist. Es sei das Matterhorn in der Disneyland-Version, denn dort, erzählen die beiden, folgt der erhabene Schweizer Berg eher der Form der Zwergen-Zipfelmütze.  (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 27.9.2012)

Bis 25. 9., Viertel Neun, Hahngasse 14, 1090 Wien

 

Share if you care