Konzeptkunst im bunten Zuckerschock

  • Zitronensahne und Pistaziencreme: "Les Tartes", Kuchen von Hanakam und Schuller, die keine sind.
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    foto: maximilian hochstätter

    Zitronensahne und Pistaziencreme: "Les Tartes", Kuchen von Hanakam und Schuller, die keine sind.

Vertragen sich verspielte Oberflächen mit Konzeptkunst, fragen Markus Hanakam und Roswitha Schuller

"Zucker" heißt ihre Ausstellung bei Viertel Neun, einer neuen, der jüngeren, österreichischen Künstlergeneration verpflichteten Galerie.

Wien - An den pickigen rosa Zuckerguss von Punschkrapfen muss man denken, an üppige Buttercreme zwischen Haselnussböden und Biskuit. Und doch ist die Installation von Markus Hanakam und Roswitha Schuller in der Galerie Viertel Neun keine Schwelgerei in Obers, sondern strenggenommen lediglich eine Ansammlung gestreifter, dreieckiger Prismen, auf denen man - dank weicher Schokogusspolsterung - sogar sitzen kann.

Les Tartes, also "Die Kuchen", titelt die Installation auch noch provokant: Sie ist Balanceakt, ein Borderlinern an der Grenze zwischen Minimal und Pop Art, zwischen Abstraktem und Gegenständlichem. Ob Konzeptkunst nüchtern und streng aussehen müsse, fragen sich die beiden Künstler. Oder könne ihre eigene, stets konzeptionelle künstlerische Arbeit nicht auch babyblaue und zuckerlrosa Oberflächen haben?

Ihre Brüskierung des schwarz-weißen Ernstes kann man auch als Kritik an der Inszenierung von Kunst verstehen, die oft nur noch über ihre Oberfläche funktioniert; diese mag zwar reduziert und seriös aussehen, ist aber auch nichts anderes als Dekor von möglicherweiser seichter Ware. Der Architekturtheoretiker Reyner Banham verglich 1971 ornamentale Behübschung moderner, anonymer Bauelemente mit Zuckerguss.

Wichtige Denkansätze, die Hanakam und Schuller über sechs Räume der Galerie Viertel Neun verfolgen. Etwa in der witzigen Videoarbeit Gâteaux, in der Minimal-Art-Werke von Dan Flavin und Maurizio Nannucci geheime Kuchenrezepte austauschen. Besonders sehenswert ist ihr Video Palm Springs, das vergegenwärtigt, wie das normale Leben in Ikonen der Architektur, etwa in Neutras Kaufmann's House, aussieht. Sie visualisieren die Sehnsucht der Bewohner nach Gestaltung, indem sie den Architekturfotos zum Beispiel eine Amarenakirsche aufs Dach setzen.

Oder: Research Table (Monty), ein Berg aus Zuckerstreuseln, dessen Gipfel seltsam verformt ist. Es sei das Matterhorn in der Disneyland-Version, denn dort, erzählen die beiden, folgt der erhabene Schweizer Berg eher der Form der Zwergen-Zipfelmütze.  (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 27.9.2012)

Bis 25. 9., Viertel Neun, Hahngasse 14, 1090 Wien

 

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8 Postings
die Kunst hat niemanden zu dienen !!!

beachte die Headline !!!

Ui ist das kitschig !

hier waren doch ernstzunehmende PosterInnenmeinung zu lesen...

wurden die einfach gestrichen, weil Herr D. sich beschwert hat?
Ich fand die Wortmeldung zwar alles andere als freundlich, aber nicht unbegründet...

Ja, es ging um Gentrifizierung und

darum, dass Künstler und Kunst dafür eingesetzt werden.
Die Zensur verdeutlicht (einmal mehr), auf wessen Seite die Red. des "Standard" anscheinend steht.

kunst sollte doch irgendwie der gesellschaft dienen und wenn ein werk dieses ziel nicht verfolgt sollte zumindest ein handwerklicher wert zu erkennen sein.

Dieses Werk lässt weder handwerkliches geschick erkennen noch ist es irgendwie der gesellschaft dienlich.

und selbst wenn die Autoren vielleicht ebendiese probleme aufzeigen wollen ist das doch eine sehr überzogene art so etwas auszudrücken.

Verdammt, ich habe den falschen Job.

nachtrag

damit du dir auch sicher sein kannst, hier:

http://derstandard.at/2884923/D... l-der-Wahl

gleich das 3. ptg.

ich kann über mein archiv bestimmte artikel leichter finden. sei so lieb.

eine Bitte: könntest mal ganz kurzfristig deinen posting-namen ändern - den hatte ich nämlich von Jänner 2006 bis 2010. Ich möcht noch mal mein Archiv freischalten, das geht nur mit dem alten ptg.namen (ohne 1 danach)
- ich verwend ihn genau noch einmal und dann hast ihn wieder - versprochen! lg

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