Eine Wespe als Todfeindin einer gefürchteten Giftspinne

30. September 2012, 17:50
  • Diese Rotrückenspinne wird niemanden mehr beißen - dafür sorgt gerade eine Wespe der Spezies Agenioideus nigricornis.
    foto: florian und peter irwin

    Diese Rotrückenspinne wird niemanden mehr beißen - dafür sorgt gerade eine Wespe der Spezies Agenioideus nigricornis.

Captain Cook's Wespe war in Vergessenheit geraten - nun feiert Australien sie wegen ihres potenziellen Nutzens

Canberra - Die Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti), eine Verwandte der Schwarzen Witwe, wird vermutlich nicht zu Australiens nächstem Wappentier gewählt werden: 300 bis 400 Menschen werden jährlich ins Krankenhaus eingeliefert, um nach dem Biss eines Rotrücken-Weibchens mit Gegengift behandelt zu werden. Der Biss selbst ist kaum zu spüren - die danach einsetzenden und stundenlang anhaltenden Schmerzen jedoch umso mehr. Wenn die Krampfanfälle auch die Atmung blockieren, kann sogar Lebensgefahr bestehen, auch wenn bislang nur etwa ein Dutzend Todesfälle nach Rotrücken-Biss bekannt sind.

Aber die gefürchtete Spinne hat auch einen Feind, wie das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart berichtet, wo dieses Tier gerade untersucht wird: Captain Cook's Wespe (Agenioideus nigricornis) wurde 1775 vom dänischen Entomologen Johan Christian Fabricius beschrieben, basierend auf Material, das während James Cooks erster Umsegelung Australiens gesammelt wurde. Danach geriet sie mehr oder weniger wieder in Vergessenheit; ihre Biologie konnte erst jetzt entschlüsselt werden.

Entdeckung mit Folgen

Der Anstoß dazu kam durch die Entdeckung, die ein Kind gemacht hatte: Ein 9-jähriger Junge beobachtete eine "Redback-Killerwespe" - so wird sie inzwischen in Australien genannt -, wie sie eine gelähmte Rotrückenspinne zu ihrem Nest trug. Der Vater des Jungen konnte ein Foto von diesem Ereignis machen, und es gelang ihm, die Wespe als Beleg in die Sammlung des Westaustralischen Museums in Perth zu geben. Das Westaustralische Museum kontaktierte schließlich den Stuttgarter Forscher Lars Krogmann und Andy Austin von der Universität Adelaide, die zusammen seit mehreren Jahren die Wespenfauna Australiens untersuchen.

Wie die beiden Wissenschafter in der Fachzeitschrift "Australian Journal of Entomology" ausführen, ist die Spinnen-Killerin mit knapp einem Zentimeter Körperlänge nicht größer als ihre Beute. Sie sticht und lähmt die Rotrückenspinne und zieht sie zu ihrem Nest, wo die Wespe ein Ei auf die Spinne ablegt. Nachdem die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, frisst sie die paralysierte Rotrückenspinne auf. Inzwischen wird die einst vergessene Wespe in Australien als nützliche Helferin gefeiert. Wie groß ihr Einfluss auf die Spinnenpopulation ist, soll in weiteren Studien geklärt werden. (red, derStandard.at, 30. 9. 2012)

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Ich hoffe, dass der 9-jährige namentlich in der Publikation erwähnt wird... und obendrein noch ein großes Eis kriegt. ;-)

Bravo!

Ein großes Bravo für das Kind, das die Wespe geduldig beobachtete. Schön, dass Kinder noch immer an der Natur und nicht nur am virtuellen Geschehen diverser Computerspiele interessiert sind. Und auch toll, dass der Vater durch Foto das Verhalten der Spinne dokumentiert hat.

und man kann sich die Schlupf- und Brackwespen und wie sie alle heißen in einem Notfall nach Hause liefern lassen.

Parasiten, Superparasiten, Hyperparasiten und dann noch die Parasitoiden (gibt's auch in Super- und Hyper-).

Super heißt, dass mehrere Insekten einen Wirt parasitieren (zB mehrere Eier werden in einen Wirt abgelegt).

Hyper heißt, dass ein parasitierendes Insekt parasitiert wird.

Und parasitoid heißt, dass der Wirt getötet wird.

... finde das alles irrsinnig faszinierend!

In 10 Jahren Wespengefahr? :-)

Bin gespannt wieviele Australier in 10 Jahren, nach der erfolgreichen Wespenaufzucht, von eben jenen gestochen und im unglücklichsten Fall gestorben sind.
Dann werden Hornissen gezüchtet, die die Wespen killen. ...
Ich meine dies sarkastisch! Eigentlich gefällt mir der Artikel. Bitte nicht schimpfen, :)

Diese Wespen...

...verhalten sich nicht aggressiv und stechen keine Menschen....

*schimpf* ;-)

Dieses Verhalten (Spinnen als Futter für die Larven) ist typisch für die Schlupfwespenarten, die es auch bei uns gibt.

Alien

"Nachdem die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, frisst sie die paralysierte Rotrückenspinne auf. "

Wie aus den Alien Filmen... :D

Wollte ich gerade auch schreiben! :D

Jeden Tag danke ich Gott dafür, nicht als Insekt geboren worden zu sein, bei all dem Horror, den die erleben... :D

Australiens Tierfwelt ist mir eindeutig zu giftig ;-)

Ich mag Wespen. :-D

Ich mag lieber Spinnen. :(

ich mag beide ;-)

Ich kann beide nicht leiden.;-)

Ich mag alles, was Menschen gfährlich werden kann - wertvolle Soldaten im Kampf gegen die Seuche Mensch

naja...

....spätestens seit outbreak wissen wir:

the single biggest threat to man's continued dominance on the planet is a virus

Wurde das mit der wespe nicht im film wild wild west (will smith) gesagt?

Winterloch in Australien?

Dass manche Wespenarten Jagd auf Spinnen machen, ist nicht gerade keine eine neue Erkenntnis, weshalb der Hype um diese Wespe und um ein Thema, von dem man meinen sollte, dass es nur Entomologen aufregt, schon etwas eigenartig. Es ist wohl - obwohl es der Artikel nahezulegen scheint, nicht einmal so, dass diese Wespen sich auf diese Spinnenart spezialisiert hätten, sondern es wurde ein einziger Fall dokumentiert, nachdem die Wespe jetzt in den Medien benannt wird. Die Spinne andererseits, die jährlich weniger als 0,002% der Bevölkerung bei noch sehr viel weniger Todesfällen beißt, ist nicht gerade eine enorme Bedrohung der Australier (und eine andere australische Spinnenart ist sowohl agressiver als auch im Prinzip gefährlicher)

heut sind sie nicht in form, herr tameer!

"Captain Cook's Wespe (Agenioideus nigricornis) wurde 1775 vom dänischen Entomologen Johan Christian Fabricius beschrieben, basierend auf Material, das während James Cooks erster Umsegelung Australiens gesammelt wurde. Danach geriet sie mehr oder weniger wieder in Vergessenheit; ihre Biologie konnte erst jetzt entschlüsselt werden."

Ja, Herr Lehrer ich habe den Artikel gelesen und das Zitat gleich wiedererkannt.

Dennoch reißt so etwas das Publikum gemeinhin nicht gerade von Hocker und inspiriert die Presse nicht dazu, sich für ein Insekt, das lange das nicht im Zentrum der wissenschaftlicher Aufmerksamkeit stand, eigene Namen auszudenken. Das hat eher etwas mit der zwar nicht berechtigten, publizistisch aber weidlich ausschlachtbaren Hoffnung auf Erlösung von der argen Rotrückenspinne zu tun, die nur ganz wenige beißt und praktisch niemand umbringt, aber vielen enorme Angst einflößt.

"Dennoch reißt so etwas das Publikum gemeinhin nicht gerade von Hocker und inspiriert die Presse nicht dazu, sich für ein Insekt, das lange das nicht im Zentrum der wissenschaftlicher Aufmerksamkeit stand, eigene Namen auszudenken."

Offensichtlich schon oder glauben sie, der Artikel ist eine Lüge und es gibt gar keinen eigenen Namen für die Wespe in Australien?

Wie sinnvoll das ist, ist eine komplett andere Frage.

Aber was ist eigentlich so schlimm daran, dass nun eine fast schon vergessene Wespe im Mittelpunkt steht undihre Biologie nun erklärt wird und sie im Mittelpunkt des öffentlichen Interesse in Australien steht und dazu auch ein Artikel in Österreich erscheint?

Wäre ihnen das öffentliche Interesse zu einer Vampir-Serie lieber?

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