Eine Wespe als Todfeindin einer gefürchteten Giftspinne

  • Diese Rotrückenspinne wird niemanden mehr beißen - dafür sorgt gerade eine Wespe der Spezies Agenioideus nigricornis.
    foto: florian und peter irwin

    Diese Rotrückenspinne wird niemanden mehr beißen - dafür sorgt gerade eine Wespe der Spezies Agenioideus nigricornis.

Captain Cook's Wespe war in Vergessenheit geraten - nun feiert Australien sie wegen ihres potenziellen Nutzens

Canberra - Die Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti), eine Verwandte der Schwarzen Witwe, wird vermutlich nicht zu Australiens nächstem Wappentier gewählt werden: 300 bis 400 Menschen werden jährlich ins Krankenhaus eingeliefert, um nach dem Biss eines Rotrücken-Weibchens mit Gegengift behandelt zu werden. Der Biss selbst ist kaum zu spüren - die danach einsetzenden und stundenlang anhaltenden Schmerzen jedoch umso mehr. Wenn die Krampfanfälle auch die Atmung blockieren, kann sogar Lebensgefahr bestehen, auch wenn bislang nur etwa ein Dutzend Todesfälle nach Rotrücken-Biss bekannt sind.

Aber die gefürchtete Spinne hat auch einen Feind, wie das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart berichtet, wo dieses Tier gerade untersucht wird: Captain Cook's Wespe (Agenioideus nigricornis) wurde 1775 vom dänischen Entomologen Johan Christian Fabricius beschrieben, basierend auf Material, das während James Cooks erster Umsegelung Australiens gesammelt wurde. Danach geriet sie mehr oder weniger wieder in Vergessenheit; ihre Biologie konnte erst jetzt entschlüsselt werden.

Entdeckung mit Folgen

Der Anstoß dazu kam durch die Entdeckung, die ein Kind gemacht hatte: Ein 9-jähriger Junge beobachtete eine "Redback-Killerwespe" - so wird sie inzwischen in Australien genannt -, wie sie eine gelähmte Rotrückenspinne zu ihrem Nest trug. Der Vater des Jungen konnte ein Foto von diesem Ereignis machen, und es gelang ihm, die Wespe als Beleg in die Sammlung des Westaustralischen Museums in Perth zu geben. Das Westaustralische Museum kontaktierte schließlich den Stuttgarter Forscher Lars Krogmann und Andy Austin von der Universität Adelaide, die zusammen seit mehreren Jahren die Wespenfauna Australiens untersuchen.

Wie die beiden Wissenschafter in der Fachzeitschrift "Australian Journal of Entomology" ausführen, ist die Spinnen-Killerin mit knapp einem Zentimeter Körperlänge nicht größer als ihre Beute. Sie sticht und lähmt die Rotrückenspinne und zieht sie zu ihrem Nest, wo die Wespe ein Ei auf die Spinne ablegt. Nachdem die Larve aus dem Ei geschlüpft ist, frisst sie die paralysierte Rotrückenspinne auf. Inzwischen wird die einst vergessene Wespe in Australien als nützliche Helferin gefeiert. Wie groß ihr Einfluss auf die Spinnenpopulation ist, soll in weiteren Studien geklärt werden. (red, derStandard.at, 30. 9. 2012)

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