Raubkäfer: Grimmige Jäger wurden selbst zu Opfern

30. September 2012, 18:40
  • Bei Raubkäfern sind sowohl die Larven als auch die ausgewachsenen Tiere Jäger. Hier die zwei Zentimeter lange Larve eines Totenschiffkäfers, der vor etwa 140 Millionen Jahren lebte.
    foto: dr. jingjing tan

    Bei Raubkäfern sind sowohl die Larven als auch die ausgewachsenen Tiere Jäger. Hier die zwei Zentimeter lange Larve eines Totenschiffkäfers, der vor etwa 140 Millionen Jahren lebte.

Forscher untersuchten den Stammbaum der Adephaga - ein Zweig konnte nicht am anhaltenden evolutionären Erfolg teilhaben

Jena - Käfer sind eine enorme evolutionäre Erfolgsgeschichte: Etwa 265 Millionen Jahre alt, stellt diese Gruppe mit bislang 350.000 entdeckten Arten heute die größte Ordnung unter den Insekten. Knapp ein Zehntel davon machen wiederum die Raubkäfer (Adephaga) aus, zu denen unter anderem Schwimmkäfer, Laufkäfer, Taumelkäfer und die ausgestorbenen Totenschiffkäfer zählen. Ein internationales Forscherteam widmete sich nun dieser Gruppe, wie die Friedrich-Schiller-Universität Jena berichtet, und ging dabei unter anderem der Frage nach, warum sich im Adephaga-Stammbaum nicht alle Zweige halten konnten.

Die Forscher stellten unter anderem fest, dass die Raubkäfer wahrscheinlich ursprünglich im Wasser gelebt haben, und dass die heute extrem erfolgreichen Laufkäfer erst relativ spät sekundär zum Landleben übergegangen sind. Die früheste Abspaltung im Stammbaum der Raubkäfer sind die hochgradig spezialisierten Taumelkäfer, die wie einst die Totenschiffkäfer (Coptoclavidae) völlig getrennte Über- und Unterwasseraugen besitzen und sehr schnell über die Wasseroberfläche gleiten können.

Ende im Magen der Fische

Trotz ähnlicher körperlicher Voraussetzungen gibt es die Taumelkäfer aber noch, während die deutlich größeren Totenschiffkäfer ausgestorben sind. Und das obwohl die üblicherweise in Seen lebenden Tiere laut Rolf Beutel von der Universität Jena zu den ganz wenigen Insekten gehörten, denen es gelang, auch das Meer als Lebensraum zu nutzen. Entscheidend für das Aussterben in der mittleren Kreidezeit vor rund 100 Millionen Jahren dürfte das Aufkommen der modernen Fische gewesen sein.

"Das Überleben beispielsweise der Taumelkäfer seit ca. 250 Millionen Jahren wurde wohl durch extrem spezialisierte Sinnes- und Antriebsorgane gesichert, während die Schwimmkäfer durch äußerst wirksame Abwehrsekrete geschützt sind, die dem männlichen Sexualhormon der Wirbeltiere - dem Testosteron - sehr ähnlich sind", erläutert Beutel. Durch solcherlei Spezialisierungen dürften sich andere Wasserkäfer besser auf die neuen Fressfeinde eingestellt haben als ihre glücklosen Vettern. (red, derStandard.at, 30. 9. 2012)

Taumelkäfer werden viele von uns schon mal auf einem Teich rumflitzen gesehen haben, aber das mit den getrennten Über- und Unterwasseraugen läßt sich natürlich nicht so leicht bemerken:
http://www.youtube.com/watch?fea... IbzOeNcaxE

Es bleibt natürlich die Frage, warum ausgerechnet keine der Totenschiffkäfer-Arten die ebvolutionäre Kurve gekriegt hat.

Siehe Artikel

"Entscheidend für das Aussterben in der mittleren Kreidezeit vor rund 100 Millionen Jahren dürfte das Aufkommen der modernen Fische gewesen sein"

Die aber eben die überlebenden Käferarten nicht ausgerottet haben. Klingelt's?

Wird wohl daran liegen, dass die anderen Arten keine Wasserratten waren. Wasser <-> Fische. Klingelt's?

Schwimmkäfer und Taumelkäfer leben auch im Wasser und das bis heute. Die haben die Kurve also gekriegt weil sie sich den neuen Freßfeinden entsprechend angepaßt haben. Warum haben's die Totenschiffkäfer dann nicht auch mit entsprechenden Anpassungen gepackt?
Klingelt's?

Ach, Trurl, ich glaube, wenn man einem Poster antwortet, der den Artikel viel genauer gelesen hat als man selbst, sollte man wirklich immer ausführlich den Inhalt des Artikels referieren.

Die Frage ist wohl diese: Weshalb gab es im gesamten Genpool der Totenschiffkäfer nicht genügend Variationen, welche im Wettbewerb mit den nun neu in ihrem Habiat vorhandenen Fischen selektiert werden hätten können, während Taumel- und Schwimmkäfer offenbar solche Variationen hervorbrachten?

In der Tat, man sollte meinen, diese Profession hätte immer Konjunktur.

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