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  • "The Aggression Scale" von Steven C. Miller.
    foto: /slash

    "The Aggression Scale" von Steven C. Miller.

/slash-Filmfestival im Wiener Filmcasino, Halbzeit: Der Beginn der Paranoia und des Realitätsverlusts

Owen hat auf der Aggressionsskala stolze 99,5 Prozent. Er ist ein ruhiger Zeitgenosse und soeben mit seinem Vater, seiner Stiefmutter und deren Tochter in ein neues Heim gezogen. Selbiges wird am Tag nach dem Umzug von den Schlägern Bellavances heimgesucht, da der Vater besagtem Herrn Geld schuldet. Viel Geld. Der Witz an der Sache: Die Schulden kamen zustande, weil Owens Vater ihn aus der Anstalt freigekauft hat, die ihn eigentlich nicht mehr unter Leute lassen wollte. Owen stellt eine Gefahr für sich und für andere dar und somit auch für die Handlanger.

Der Film "The Aggression Scale" wirkt wie eine Mischung aus "Kevin - Allein zu Haus" und "Funny Games", wobei die Rollenverteilung Gut/Böse nicht ganz klar ist. Der kleine Psychopath bekommt glänzende Augen, als er der Stiefschwester zusieht, wie sie einen von Bellavances Schlägern niedersticht, und ja, der kleine Psychopath in mir hat heimlich gegrinst. Böse ist relativ, ganz besonders beim /slash-Filmfestival.

Wann drückt man ab?

"Replicas" ist ein Film, der Normalität vermittelt, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Er schrammt aber so knapp an der Realität vorbei, dass man sich richtig schön in die Protagonisten hineinversetzen kann. Wenn Fremde sich quasi selbst zum Essen einladen, mir Fragen über mein Leben stellen - ganz direkt und weit entfernt von höflicher Konversation - und suspekt wirken, dann möchte ich sie auch schnell wieder aus dem Haus haben. Wenn sie dann mitten in der Nacht wieder auftauchen, mein Leben bedrohen und das meiner Familie, wie weit würde ich gehen, um mich beziehungsweise uns zu retten? Wann drückt man ab?

"Replicas" bleibt irgendwie hängen, und auch wenn es rückwirkend betrachtet nur zwei, drei Schreckszenen gegeben hat, bleibt der Film im Kopf. Er ist nicht langweilig, aber doch so normal, dass es fast eine Erinnerung an etwas Erlebtes ist. Es könnte ja wirklich so passieren. Aber ganz unter uns: Es gibt diese Tage, an denen der Psychopath in mir hinauswill. Wenn die Schlange an der Kassa einfach zu lang ist, die Milch sauer und die Katze einem vor die Füße speibt. Da reicht ein falsch adressierter Brief als Auslöser, um dem Drang nachzugeben, die halbe Postfiliale niederzumetzeln. (Stephanie Gründler, derStandard.at, 26.6.2012)

The Aggression Scale (USA 2012)
Regie: Steven C. Miller
Mit: Ryan Hartwig, Fabianne Therese, Dana Ashbrook, Ray Wise
Lauflänge: 87 Min

Replicas (CAN 2012)
Regie: Jeremy Power Regimbal
Mit: Selma Blair, Joshua Close, James D'Arcy, Rachel Miner
Lauflänge: 95 Min

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5 Postings

hab rplicas noch nicht gesehen, aber kanns sein dass es eine poliertere version von Mike Mendez’ Killers ist?

witzig, replicas hätte ich eher mit funny games in einen topf geworfen, als mit agrression scale!
aber replicas war richtig super. spooky.

Da reicht ein falsch adressierter Brief als Auslöser, um dem Drang nachzugeben, die halbe Postfiliale niederzumetzeln. (Stephanie Gründler

tststststs

wo verkehrt Frau Gründler?
damit man sich fernhalten kann

"Es gibt diese Tage, an denen der Psychopath in mir hinauswill."

man fragt sich weiters:

hat die dame keinen friseur für derartige geständnisse?

Femslash-Königin Lea Michele singt es nocheinmal eine Quart höher.

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