Zweckoptimismus für Broadway-"Rebecca"

Kommentar der "New York Times" nach Tod eines Großinvestors: "Nichts war in letzter Zeit so verblüffend"

New York/Wien - Der Broadway-Start von "Rebecca" steht unter keinem guten Stern. Das Musical der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), das wegen mangelnder Investoren bereits einmal um ein Jahr verschoben werden musste, steht nun wenige Tage vor dem geplanten Probenstart erneut an der Kippe. Die Umstände sind mysteriös: Ein Großinvestor der Produktion soll im August an Malaria verstorben sein.

Bei den VBW zeigt man sich auf Anfrage jedoch weiterhin zuversichtlich, dass die Produktion nicht gänzlich vor dem Aus steht. "Ich bin nach wie vor optimistisch, dass es uns gelingen wird, dort eine erstklassige Produktion zu zeigen", so Geschäftsführer Thomas Drozda: "Ich wurde informiert, dass neue Investoren gefunden wurden, die auch unterschrieben haben sollen. Ich hoffe nun, dass es noch in dieser Woche gelingen wird, dass die notwendigen Investments auf den Konten eingehen. Die Proben werden dann realistischer Weise nächste Woche beginnen".

"Das seltsamste Stück Showbusiness"

Die "New York Times" hatte am Dienstag in einem Artikel zu harten Worten gegriffen, nachdem bekannt wurde, dass die Produzenten den nun verstorbenen Investor Paul Abrams nie getroffen haben. "Broadway-Business war immer schon geheimnisvoll", so die renommierte Zeitung, "aber nichts war in letzter Zeit so verblüffend wie das 12-Millionen-Dollar-Musical 'Rebecca'."  Für Robert Wankel, den Direktor des Broadhurst-Theaters, wo das Musical, das als eine der teuersten Broadwayproduktionen des Jahres gilt, ab November gespielt werden soll, ist es "das seltsamste Stück Showbusiness, mit dem ich einer langen Zeit zu tun hatte", erklärte der Theatermann der "New York Times".

"Ich finde es auch nicht gut, dass es kein persönliches Gespräch gegeben hat. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass wohlhabende Leute sich den Luxus leisten, nicht mit Journalisten zu reden", quittierte Drozda den Umstand, dass Abrams offensichtlich nicht persönlich in Erscheinung getreten ist. Daraus dürfe man nicht gleich ableiten, dass es die Person nicht gebe. Das Verhältnis zum Produzenten Ben Sprecher und seiner Partnerin sei jedenfalls weiterhin gut: "Ich habe nach wie vor ein Grundvertrauen in unsere US-Produzenten. Gleichzeitig bin ich glücklich, in Wien und in Österreich zu arbeiten - bei allem Unmut über die stete Subventionskürzung. Aber es ist befremdlich zu sehen, mit welchem Problemen andere kämpfen müssen."

Zu den konkreten Investoren in New York gehören allerdings auch die VBW selbst, die nach ersten Kalamitäten 380.000 Euro in den Broadwaystart steckten. Die erste Verschiebung auf den heurigen Herbst war bereits mit dem schwierigen Investorenklima begründet worden. Die VBW entschieden sich damals, im Rahmen einer europäischen Investorengruppe einzusteigen.

Refinanziert werden soll der Beitrag sowohl über die Rückflüsse an die VBW als Investor als auch über die Tantiemen an die VBW als Lizenzgeber. Als Sicherheit gehören der Wiener Kulturholding die Kostüme, ein Teil der Dekoration und die Rechte an der Übersetzung. "Das alles und eine physische Produktion am Broadway ist ein Vielfaches der 380.000 Euro wert", zeigte sich Drozda bezüglich seines Investments gelassen. Überdies sei die besagte Summe aus den Umsätzen des internationalen Geschäfts gekommen, nicht aus Steuergeldern: "Unangenehm ist aber zweifelsohne, dass diese Investmentprobleme die gesamte Debatte um das Künstlerische überlagern."  (APA, 26.9.2012)

Share if you care