Zwangsarbeit in Heimen: Fast 50 Betroffene haben sich bisher gemeldet

26. September 2012, 14:05

"Bedrückendes Bild der Situation von 1960er bis 1980er", so der Tiroler Soziallandesrat Reheis

Bregenz/Innsbruck - Seit den Mitte August bekannt gewordenen Arbeitseinsätzen von Heimkindern haben sich in Tirol und Vorarlberg fast 50 Betroffene gemeldet.

Bei der Vorarlberger Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) gingen 16 Meldungen ein. Dabei handle es sich zumeist um Vorarlbergerinnen, die in der Tiroler Landeserziehungsanstalt St. Martin in Schwaz untergebracht waren, und um Tiroler, die als Buben im Vorarlberger Landesjugendheim Jagdberg in Schlins (Bezirk Feldkirch) lebten, so Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch. 

In Tirol haben sich laut dem zuständigen Soziallandesrat Gerhard Reheis (SPÖ) 32 Frauen beim Land gemeldet. In St. Martin waren damals ausschließlich Mädchen untergebracht. Sie waren während ihres Aufenthaltes in der früheren Fürsorgeeinrichtung entweder im Heim oder in Betrieben tätig. "Viele der Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren haben in der heimeigenen Wäscherei gearbeitet, einige auch in Betrieben oder für Betriebe", hieß es in der Aussendung.

"Auch wenn wir längst nicht alle Fragen beantworten können, verdichtet sich ein bedrückendes Bild der Situation der Tiroler Heimkinder von den 1960ern bis zu den 1980ern", bekannte Reheis (SPÖ) in einer Pressemitteilung.

Vorarlberg soll eine Million Euro bereitstellen

Unter den in Vorarlberg eingegangenen Betroffenen seien auch Opfer von Gewaltdelikten gewesen. "Der Zeitpunkt, sich zu melden, ist für die Betroffenen eine ganz individuelle Entscheidung. Werden die Vorfälle medial thematisiert, brechen die Erlebnisse oft wieder auf", berichtete Rauch. Mit den ehemaligen Heimzöglingen habe man bereits Termine für persönliche Gespräche vereinbart. In Hinblick auf das weitere Vorgehen für zur Arbeit gezwungene Kinder begännen nächste Woche Gespräche mit dem Land Vorarlberg. Hier sei zur Aufarbeitung Spezialwissen, etwa im arbeits- und pensionsrechtlichen Bereich, nötig.

Die Vorarlberger Opferschutzkommission zur Aufarbeitung von Gewalt- und Missbrauchsfällen in Landes-Einrichtungen werde im Herbst ebenfalls neuerlich tagen. "Es ist noch eine Reihe von Fällen offen", so Rauch. Die Kommission empfahl bisher über eine Million Euro an Entschädigungszahlungen für über 100 Personen.

"Detaillierte Aufarbeitung" in Tirol

In Tirol habe man in den vergangenen Wochen mit der "detaillierten Aufarbeitung jedes einzelnen Falles und begleitend dazu einer wissenschaftliche Erforschung" begonnen, berichtete Reheis über die nach den bekannt gewordenen Arbeitseinsätzen ergriffenen Maßnahmen. "Das Land Tirol arbeitet daher mit einer Reihe renommierter Unternehmen zusammen. Dabei haben wir alle das gleiche Ziel: eine möglichst gründliche Aufarbeitung dieser Geschehnisse", führte der Soziallandesrat aus. Beispielsweise habe der Kristallkonzern Swarovski nach Bekanntwerden mit den ersten Betroffenen persönliche Gespräche geführt, um mehr Klarheit zu den damaligen Vorkommnissen zu erhalten.

Die beim Land installierte Einsatzgruppe "Arbeit in Tiroler Heimen" integriere zudem eine spezielle Arbeitsgruppe für die Überprüfung der angemessenen Entlohnung und entsprechenden Sozialversicherung in jedem Einzelfall. Um eine möglichst umfassende Sicht der damaligen Zeit zu bekommen, würden alle vorhandenen Akten ausgehoben. Ergänzend würden Informationen von Betroffenen und Zeitzeugen aufbereitet, teilte das Land mit. Betroffene könnten sich weiterhin bei der eigens eingerichteten Anlaufstelle unter der Telefonnummer 0512/508-2653 oder per E-Mail opferschutz@tirol.gv.at melden.

Das frühere Kinderheim des Landes steht seit Monaten in der Kritik. Zuletzt war von Arbeitseinsätzen von Jugendlichen bei mehreren Unternehmen berichtet worden. Die für diese Arbeitsleistungen bezahlten Löhne sollen den damaligen Jugendlichen vorenthalten worden sein, hatten Betroffene erzählt. (APA/red, derStandard.at, 26.9.2012)

das klingt jetzt schon anders, aus dem Büro von Landesrat ...

... Reheis. Auf eine zerknirschte Entschuldigung bzw. eine Erklärung, wie man - ausgerechnet - im Büro des sozialdemokratischen Landesrates zu der unsäglichen Abqualifizierung "Trittbrettfahrer" kam, darf noch gewartet werden.

"... heute als Folter bezeichnet". in der CH:

http://www.nzz.ch/aktuell/s... 1.17642564

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