Werbepläne in TVthek: "ORF will nur verhindern, dass Private stark werden"

26. September 2012, 13:17
  • ProSiebenSat.1 Puls 4-Chef Markus Breitenecker.
    foto: apa/neubauer

    ProSiebenSat.1 Puls 4-Chef Markus Breitenecker.

Puls4-Chef Breitenecker sieht in Vermarktungsabsichten Affront - Österreich aus Sicht der Privaten "Insel der Unglücklichen"

Wien - Was die Freiheiten des ORF betrifft ist "Österreich eine Insel der Unglücklichen", zumindest aus Sicht der Privatsender meint Jürgen Doetz vom deutschen Privatsenderverband. "Da kann kein Privatsender groß werden, wenn der ORF immer als erster an der Krippe sitzt", meinte Doetz am Mittwoch bei den Österreichischen Medientagen. Der ORF musste sich in Form von Finanzdirektor Richard Grasl bei der Fernseh-Elefantenrunde massive Kritik der Privaten an der Forderung nach Vermarktung der TVthek gefallen lassen.

"Wenn der ORF ständig mehr Kommerzialisierung verlangt und nun absurderweise auch noch Unterbrecherwerbung auf der TVthek fordert, dann ist das einzige Motiv dahinter, zu verhindern, dass Private stark werden können", wetterte ProSiebenSat.1 Puls4-Chef Markus Breitenecker. Es gehe dem ORF ja nicht um die Einnahmen, die hier zu erzielen sind - er rechnet mit rund 800.000 Euro - sondern darum, Wettbewerb zu verhindern, ist Breitenecker überzeugt.

"Besitzstandswahrung"

Grasl wies das freilich zurück und betonte, man dürfe den ORF nicht von der Moderne abschneiden: "Es ist völlig klar, dass sich der lineare Fernsehkonsum langsam aber sicher in den nonlinearen Bereich verschiebt, und uns geht es darum, dass wir hier das dürfen, was wir linear auch dürfen." Doetz hielt dem entgegen, dass man die Märkte nicht vermischen dürfe und sich der lineare nicht eins zu eins in den nonlinearen Bereich übersetzen ließe. "Diese Besitzstandswahrung wird Sie nicht zukunftsfähig machen", so Doetz.

Auch Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL Deutschland, meinte, "der öffentlich-rechtliche Rundfunk besiegt im Endeffekt ohnehin sich selbst". Wichtigste Zukunftsvoraussetzung sei, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk unverwechselbar sei, was er zumindest bei ORF eins nicht gegeben sieht: "Wenn ich mir ORF eins und RTL anschaue, dann kann ich die Programme nur anhand der Senderkennung rechts oben auseinanderhalten." Grasl wies dies mit dem Hinweis auf die neue "Die.Nacht" zurück.

ORF sieht die Bedrohung außen

Grundsätzlich war der Kaufmännische Direktor des ORF bemüht, die Diskussion vom ORF-Bashing hin zur der seiner Ansicht nach wahren Bedrohung, den Suchplattformen wie Google, zu lenken: "Die gemeinsame Bedrohung von uns allen ist nicht die Konkurrenzsituation im Land, sondern sie kommt von außen. Hier brauchen wir gemeinsame Lösungen." Auch Breitenecker meinte, es müsse gleiche Regulierungsregeln für alle Mediengattungen geben: "Es kann nicht sein, dass wir Fernsehsender bis ins Detail reguliert werden und Google und Facebook machen können, was sie wollen."

Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks MDR, forderte eine Plattformregulierung: "Es geht darum, dass wir überhaupt noch gefunden werden." Immer mehr würden die Endgerätehersteller entscheiden, wer, wie, auf welchen Portalen zu finden ist, kritisierte Wille. Wichtige Themen seien außerdem ein Urheberrecht, "das der konvergenten Welt entspricht" sowie der Datenschutz.

Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht am Ende ist sondern im Gegenteil eine Renaissance erlebt, davon zeigte sich - neben Wille und Grasl freilich - Rudolf Matter, Superdirektor des Schweizer Fernsehens SFR, überzeugt. "Ich glaube, dass wir heute mehr denn je unverzichtbar sind. Es gibt eine Art Wiederentdeckung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, da in einer Zeit der Unsicherheit verlässliche Information immer wichtiger wird." Politisch und wirtschaftlich unabhängigen Qualitätsjournalismus sicherzustellen, sei die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen, meinte Wille. Außerdem gehe es darum, Vielfalt in den unterschiedlichen Programmsparten, als Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung, zu sichern und glaubwürdige Angebote zu liefern, die verlässlich sind und Einordnung und Orientierung geben". (APA, 26.9.2012)

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10 Postings
Mit Begeisterung bei der Sache!

Also ich muss mich hier mal ein gutes Wort für Puls 4 einlegen. Die machen ihre Arbeit echt gut und haben Spass daran, da spürt man die Begeisterung. Das mag ich. Hat man erst jetzt bei der Champioins League Übertragung gemerkt.

Der ORF is tausendmal besser als Puls 4.
Beim Krawallsender wirkt alles billig und künstlich
aufgebläht. Unqualifiziertes Personal, schlechte
Recherchen und überflüssige Wiederholungen von
Reportagen tun dazu ein Übriges.

Die champions league

wird aber auf puls 4 übertragen und bis jetzt haben sie ihren job gut gemacht. Besonders nett fand ich die tatsache, dass man sich die spiele auch online anschauen kann.

Es gibt wohl keinen besseren Beweis, dass Wettbewerb gut tut

Das erste Mal, dass ich Breitenecker recht gebe!
Der oRF solte sich endlich wirklich auf seine Kernkompetenz zurückziehen, die Werbung lassen wie sie ist, und seine Hausaufgaben machen: das heisst man kann am Küniglberg ca 2-3 Hierarchieebenen einsparen und mann/frau kann das Porgramm günstiger erzeugen, was der Auftrag ist!
Ach so? .... das gehe nicht? Peter Schoeber macht das ja grade vor, mit seinen 20 Menschen, die dort arbeiten und kooperieren. sagen auch, dass sie kein Geld hätten, aber das hat schon Luisser zwanzig oder dreissig Jahre immer behauptet! Es geht nur merh um Begradigungen und die Hierarchieebenen die ich meine, die kosten viel Geld - für nix!

ORF ist viel besser als ARD und ZDF!

liebe private-egal wer und wo.
ihr könnt motschgan was ihr wollt, aber solange ich filme und serien OHNE unterbrechung sehen kann (und nicht werbung mit kleinen filmunterbrechungen), könnts brausen gehn...

Haben Sie auch brav den PC oder was auch immer ordnungsgemäss angemeldet?

das ist ja das Problem...

Wir haben 2012 und im ORF laufen immer noch bei weitem unverhältnismäßig viele Highlights - und das kann es einfach nicht sein.

Man muss sich ein zukünftiges Modell für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerade in Österreich überlegen. Die Gebühren zahlen wir schließlich deswegen alle zwangsläufig, um wertvolles Programm für alle sicherzustellen - und das tun wir sicherlich nicht, um Spielfilme und die neuesten Serien werbefrei sehen zu können. Wer solche Ansprüche hat nimmt bitte echtes Pay-TV.

Herr Breitenecker spricht natürlich aus Sicht der Privaten - und dennoch kann man ihm bei solchen Themen kaum vorwerfen, dass er übertreibt...

ein TV portal für österreich

ich finde auch das der orf auf der tvthek (die ich garnicht schlecht finde) KEINE werbung machen soll.

aber, warum nicht den österreichern etwas gutes tun und EIN tv portal für österreich bauen, eine art broadcast.at, wo orf und ALLE privaten (ATV, sevenonemedia, servustv, etc.) ihre inhalte zur verfügung stellen können, die plattform wird über eine betreiberfirma oder einer agentur vermarktet und die revenues entsprechend der abrufe abzüglich betrieb geteilt. damit kann man die entwicklungskosten optimieren und die qualität der inhalte sichern, mit einer suchfunktion haben user die möglichkeit zu einem thema beiträge von verschiedenen tvstationen zu finden und anzuschauen.
wäre das nicht etwas?

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