Werbepläne in TVthek: "ORF will nur verhindern, dass Private stark werden"

  • ProSiebenSat.1 Puls 4-Chef Markus Breitenecker.
    foto: apa/neubauer

    ProSiebenSat.1 Puls 4-Chef Markus Breitenecker.

Puls4-Chef Breitenecker sieht in Vermarktungsabsichten Affront - Österreich aus Sicht der Privaten "Insel der Unglücklichen"

Wien - Was die Freiheiten des ORF betrifft ist "Österreich eine Insel der Unglücklichen", zumindest aus Sicht der Privatsender meint Jürgen Doetz vom deutschen Privatsenderverband. "Da kann kein Privatsender groß werden, wenn der ORF immer als erster an der Krippe sitzt", meinte Doetz am Mittwoch bei den Österreichischen Medientagen. Der ORF musste sich in Form von Finanzdirektor Richard Grasl bei der Fernseh-Elefantenrunde massive Kritik der Privaten an der Forderung nach Vermarktung der TVthek gefallen lassen.

"Wenn der ORF ständig mehr Kommerzialisierung verlangt und nun absurderweise auch noch Unterbrecherwerbung auf der TVthek fordert, dann ist das einzige Motiv dahinter, zu verhindern, dass Private stark werden können", wetterte ProSiebenSat.1 Puls4-Chef Markus Breitenecker. Es gehe dem ORF ja nicht um die Einnahmen, die hier zu erzielen sind - er rechnet mit rund 800.000 Euro - sondern darum, Wettbewerb zu verhindern, ist Breitenecker überzeugt.

"Besitzstandswahrung"

Grasl wies das freilich zurück und betonte, man dürfe den ORF nicht von der Moderne abschneiden: "Es ist völlig klar, dass sich der lineare Fernsehkonsum langsam aber sicher in den nonlinearen Bereich verschiebt, und uns geht es darum, dass wir hier das dürfen, was wir linear auch dürfen." Doetz hielt dem entgegen, dass man die Märkte nicht vermischen dürfe und sich der lineare nicht eins zu eins in den nonlinearen Bereich übersetzen ließe. "Diese Besitzstandswahrung wird Sie nicht zukunftsfähig machen", so Doetz.

Auch Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL Deutschland, meinte, "der öffentlich-rechtliche Rundfunk besiegt im Endeffekt ohnehin sich selbst". Wichtigste Zukunftsvoraussetzung sei, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk unverwechselbar sei, was er zumindest bei ORF eins nicht gegeben sieht: "Wenn ich mir ORF eins und RTL anschaue, dann kann ich die Programme nur anhand der Senderkennung rechts oben auseinanderhalten." Grasl wies dies mit dem Hinweis auf die neue "Die.Nacht" zurück.

ORF sieht die Bedrohung außen

Grundsätzlich war der Kaufmännische Direktor des ORF bemüht, die Diskussion vom ORF-Bashing hin zur der seiner Ansicht nach wahren Bedrohung, den Suchplattformen wie Google, zu lenken: "Die gemeinsame Bedrohung von uns allen ist nicht die Konkurrenzsituation im Land, sondern sie kommt von außen. Hier brauchen wir gemeinsame Lösungen." Auch Breitenecker meinte, es müsse gleiche Regulierungsregeln für alle Mediengattungen geben: "Es kann nicht sein, dass wir Fernsehsender bis ins Detail reguliert werden und Google und Facebook machen können, was sie wollen."

Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks MDR, forderte eine Plattformregulierung: "Es geht darum, dass wir überhaupt noch gefunden werden." Immer mehr würden die Endgerätehersteller entscheiden, wer, wie, auf welchen Portalen zu finden ist, kritisierte Wille. Wichtige Themen seien außerdem ein Urheberrecht, "das der konvergenten Welt entspricht" sowie der Datenschutz.

Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht am Ende ist sondern im Gegenteil eine Renaissance erlebt, davon zeigte sich - neben Wille und Grasl freilich - Rudolf Matter, Superdirektor des Schweizer Fernsehens SFR, überzeugt. "Ich glaube, dass wir heute mehr denn je unverzichtbar sind. Es gibt eine Art Wiederentdeckung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, da in einer Zeit der Unsicherheit verlässliche Information immer wichtiger wird." Politisch und wirtschaftlich unabhängigen Qualitätsjournalismus sicherzustellen, sei die Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen, meinte Wille. Außerdem gehe es darum, Vielfalt in den unterschiedlichen Programmsparten, als Information, Kultur, Bildung und Unterhaltung, zu sichern und glaubwürdige Angebote zu liefern, die verlässlich sind und Einordnung und Orientierung geben". (APA, 26.9.2012)

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