Wege durch den digitalen Multiscreen-Dschungel

26. September 2012, 10:07

Mobile Diversifikationsstrategien und Problemfelder

Der Riese "Bild Digital" zeigt vor, wie´s geht. Donata Hopfen präsentierte am Dienstag auf den Medientagen die Netzstrategie der Marke "Bild". 13 Millionen tägliche Unique User und 2,6 Milliarden Page Impressions pro Monat schafft die 1996 gegründete Webseite bild.de, die nach wie vor das Online-Markenzentrum stellt. Nur 16 Prozent des insgesamten Traffics kommen von Google, eine im europäischen Vergleich große Unabhängigkeit vom amerikanischen Suchmaschinengiganten, die zwei Millionen Facebook Fans zeichnen für ein Prozent des Online-Verkehrs verantwortlich.

Die großen Aufgaben, die sich in der Keynote herauskristallisierten: die Monetarisierung des persönlichsten Device am Markt, dem Smartphone, sowie das Vorantreiben der Diversifikation des digitalen Geschäfts, sprich der immer personalisierten Kundenansprache. Dafür werden die Bereiche Fußball (meinklub.de) oder Fashion durch Premiumcontent-Plattformen wie die 2011 etablierte Webseite stylebook.de gestärkt, die auch e-Commerce in die Geschäftsstrategie integrieren. Neben der tageweisen Vermarktung der Reichweite, würden derweil auch die Direktkundenerlöse durch den App-Verkauf einen guten Teil zum Digitalumsatz beisteuern, sagte Hopfen.

Bewegtbildwerbung am Second Screen

In der anschließenden Diskussion erläuterte Matthias Büchs von RTL interactive die Multiscreen-Strategie seines Unternehmens. Derzeit experimentiere die RTL Gruppe mit Werbung auf dem Second Screen, um künftig auch Bewegtbildwerbung parallel zum Fernsehkonsum ausspielen zu können. Das bekannte Problem bei der Monetarisierung sei eine verlässliche Währung innerhalb der Branche zu etablieren, RTL sei jedoch in diversen Arbeitskreisen aktiv an der Problemlösung beteiligt. Kooperationen mit sozialen Netzwerken werden laut Büchs sehr differenziert gehandhabt. Mit Facebook gebe es eine eine sehr gute und enge Zusammenarbeit, was sich in einem beachtlichen Trafficvolumen rechnet. Mit Youtube sei die Zusammenarbeit schwieriger und nur pointiert möglich.

Petra Hauser von der Agentur media.at, aufgrund überzeugender Studienergebnisse in Bezug auf Werbewirkung pro-Tablet eingestellt, zeigte vor allem die herrschende Problemfelder auf. So sei derzeit die Reichweite in Österreich noch nicht groß genug, um große Investitionen in App-Entwicklungen zu rechtfertigen. Des weiteren gehe es um eine Optimierung der Matrix, da die fragmentierten Vermarkterebenen noch nicht optimal bespielt werden könnten. Dabei richtete sich der Appell vor allem in Richtung Marktforschung, um Kunden durch genauere Mobile-Daten vom Nutzen entsprechender Werbung überzeugen zu können. Derzeit sei der Mobile-TKP lediglich doppelt so hoch wie der etablierte Online-TKP, was in keiner Weise mit der vervielfachten Werbewirkung im Verhältnis stehe, sagte Hauser.

Kein überzogener Device-Fetischismus

Für Alexander Mitteräcker von derStandard.at sind Tablets lediglich eine Weiterentwicklung von Notebooks, weitaus spannender sei die Nutzung von Smartphones. Allein im letzten Monat hätten sich diese Zugriffe auf der Standard.at verdoppelt. Generell strich Mitteräcker heraus, dass trotz einer vorhandenen Multidevice-Strategie primär der Content im Mittelpunkt stehe. Interessant werde es eben gerade dann, wenn Produkte inhaltlich für Print- und Online-Leser gleichermaßen die Erwartungen erfüllen sollen, da es laut Untersuchungen wenig Überschneidungen zwischen den Gruppen gäbe. Kernprodukt sei wie bei bild.de aber auf bei derStandard.at durch den frühen Einstieg ins WWW-Business die Webseite, was gelegentlich den Verkauf des e-Paper-Produkts durchaus auch bremse. (tara, derStandard.at, 26.9.2012)

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