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Easy Couture und easy Hochzeit. Michèl Mayers Version von Romantik für besondere Tage.

Easy Brautjungfer oder easy Cocktail. Fließendes für Nichtbräute.

Michèl Mayer
Im schmalen denkmalgeschützten Schaufenster in der Wiener Singerstraße hängt ein petrolfarbenes Jersey-Kleid. Hängt es da ganz still, oder bewegt es sich etwa? Ein zweiter Blick und - nein - es bewegt sich doch nicht. Michèl Meyer, der das Geschäft hinter dem Portal und die Werkstatt hinter dem Geschäft gehört, macht Kleider mit Eigenleben. Sie sind eher Prozess als statisches Objekt, das vom Reißbrett in ein Schnittmuster und in ein fertiges Kleidungsstück übersetzt wird.
"Wir nehmen den Stoff in einer bestimmten geometrischen Grundform und werfen ihn über die Kleiderpuppe. Dann wird gelegt, geschlungen und drapiert, bis eine neue Form entsteht. Dabei kommt naturgemäß zumeist etwas Asymmetrisches heraus." Und es sei diese Arbeitsweise, die den Kern der Marke Michèl Meyer ausmache, ist sich die Label-Chefin sicher.
Diese Arbeitsweise ist denn auch die Grundlage für die Unverwüstlichkeit der Marke auf dem Wiener Modeparkett. Seit 1996 macht die Absolventin des Modekollegs Herbststraße Mode unter eigenem Namen und auf eigenen wirtschaftlichen Beinen. Anfangs noch im heimatlichen Berndorf, seit 14 Jahren in Wien und seit elf Jahren an dem Standort in der Wiener Singerstraße. Die meisten dieser Jahre schupft sie den Laden allein, vom Materialeinkauf bis zum Kundengespräch und auch jeden Arbeitsschritt dazwischen.
"In den ersten Jahren war meine Mode kommerzieller, das heißt näher an den unmittelbaren Wünschen der Kunden." Das habe sich erst etwa in den letzten fünf Jahren ein wenig geändert. Die Entwicklung sei linear geworden, das Verfahren und damit die Ergebnisse hätten an Stabilität gewonnen. Der Grund dafür: Die Einzelkämpferin von früher hat ein Team und mit dem spielt sie den ganzen Prozess gemeinsam durch.
Den Wendepunkt markiert eine Förderung durch die Agentur departure vor vier Jahren. Mit dem Fördergeld machte Mayer Schritte aufs internationale Parkett. Ein Showroom in London und Messepräsenz in Paris eröffnen weitere Fenster, etwa von London aus nach Kuwait, wohin ein Teil der Michèl-Mayer-Winterkollektion schon unterwegs ist. Die departure-Förderung war das einzige Fremdgeld, mit dem Mayer in ihrer Unternehmerinnenlaufbahn gearbeitet hat. Ansonsten: "kein Kredit, keine Vorfinanzierungen, gar nichts." Damit gehört sie zu einer Handvoll österreichischer Modemacher, die sich langfristig selbstständig behaupten konnten. Für eine internationale Klientel sichtbar zu werden ist ohne Starthilfe schwer.
Die vor kurzem zu Ende gegangene Wiener Fashion Week etwa könnte so etwas nicht ermöglichen. Wien sei laut Mayer nicht unbedingt ein Modeplatz sondern ein Mode-Endverbraucherplatz. Daher sei die hiesige Fashion Week auch "ein lokales Ereignis, bei dem unsere Kunden, aber keine Zwischenhändler im Publikum sind." Um Wirkung zu entfalten, müsste sie außerdem mindestens zweimal jährlich stattfinden. Aber die Kunden seien zufrieden, kämen auch hinterher ins Geschäft. Grund genug für Mayer, der Veranstaltung von Beginn an die Treue zu halten.
Die Perspektive für die nächsten Jahre schöpft sie daher auch aus eigener Kraft. Hochzeit wäre ein immer wichtigerer Aspekt. "Alle, denen das bestehende Angebot zu blumig-romantisch ist, finden hier was Cooleres" - angelehnt an ihre Couture, der Mayer das Adjektiv "easy" beistellt. Das wird sogar so easy, dass man im langen Rock und T-Shirt als Braut gut dasteht. (Bettina Stimeder, Rondo, DER STANDARD, 28.9.2012)
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