Die heißesten Nobelpreis-Kandidaten

  • Nur maximal je drei Forscher können je einen Nobelpreis erhalten. Ab 8. Oktober werden die Gewinner bekanntgegeben.
    foto: apa/kay nietfeld

    Nur maximal je drei Forscher können je einen Nobelpreis erhalten. Ab 8. Oktober werden die Gewinner bekanntgegeben.

Diesmal sind keine Österreicher unter den Favoriten - Auch Peter Higgs wird keine Chance zugebilligt

So manches weiß man über die diesjährigen Nobelpreise schon ganz sicher. Zum Beispiel, wann sie verliehen werden. Der Reigen der Preisverkündungen beginnt am 8. Oktober traditionell mit Medizin oder Physiologie, tags darauf folgt Physik, dann Chemie, und am 15. Oktober der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Fest steht außerdem, dass die Nobel-Stiftung heuer sparen wird: Die Nobelpreise sind heuer mit acht Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet 941.974 Euro) dotiert, um zwei Millionen Kronen weniger als im vergangenen Jahr.

Über alles andere, und insbesondere die Preisträger, darf munter spekuliert werden. Auf einer mehr oder weniger festen wissenschaftlichen Basis stehen die Spekulationen des Daten- und Nachrichtenmultis Thomson Reuters, der mit dem Web of Knowledge die größte Datenbank über wissenschaftliche Publikationen betreut.

Basis für die Vorhersagen von Thomson Reuters ist die Häufigkeit der Zitierungen von Publikationen - sprechend werden die Favoriten auch "Citation Laureates" genannt. Den Genannten wird zwar der Nobelpreis vorausgesagt - allerdings "entweder in diesem Jahr oder in der Zukunft". Insgesamt hat Thomson Reuters mit seinen seit 2002 veröffentlichten Prognosen nach eigenen Angaben 26 (von 40) Nobelpreisträgern zuvor als "Zitationsgewinner" gehandelt.

In den vergangenen Jahren zählten dazu auch immer wieder auch Österreicher: Die Quantenphysiker Anton Zeilinger (Uni Wien) und Peter Zoller (Uni Innsbruck) sowie der Wirtschaftswissenschafter Ernst Fehr (Uni Zürich) gingen dann bei den wirklichen Preisen bis dato immer leer aus.

Fast 40 Jahre ohne Laureaten

Also datieren die letzten österreichischen Nobelpreisverleihungen auf 1974 (Friedrich August von Hayek, Wirtschaftswissenschaften) und 1973 (Karl von Frisch und Konrad Lorenz, Medizin/Physiologie). Und laut Thomson Reuters wird die österreichische Nobel-Statistik 2012 eher nicht aufgebessert.

Skeptisch sind die Daten-Auguren freilich auch, was Peter Higgs und seine Higgs-Teilchen-Theorie-Kollegen angeht. Obwohl deren theoretische Annahmen am europäischen Kernforschungszentrum Cern im Juli weitgehend bestätigt wurden, gibt sich Thomson Reuters zurückhaltend. Das sei zu spät passiert, da die Nominierung bis Februar erfolgt sein muss. Wenn sich die Nobel-Prognostiker da nicht vertan haben!

Als Favoriten für den Physik-Nobelpreis schätzen sie unter anderem Charles H. Bennett, Gilles Brassard und William K. Wootters ein, und zwar für ihre bahnbrechende Beschreibung eines Protokolls für Quantenteleportation, das inzwischen experimentell bestätigt wurde. Da käme dann wieder Anton Zeilinger ins Spiel, dem diese experimentelle Realisierung 1997 gelang.

Im Bereich Medizin könnten laut Thomson Reuters grundlegende Entdeckungen im Bereich genetischer Regulation (C. David Allis von der Rockefeller University und Michael Grunstein von der University of California, Los Angeles) zu Nobelpreis-Ehren kommen, in der Chemie wegweisende Entdeckungen im Bereich Goldkatalyse (Masatake Haruta von der Metropolitan University Tokio und Graham J. Hutchings von der Cardiff University).

Hoch gehandelt für den von der schwedischen Reichsbank gestifteten Wirtschafts-Nobelpreis wird US-Forscher Robert Shiller (Universität Yale) für seine Beiträge über die Volatilität der Finanzmärkte. (tasch, APA, DER STANDARD, 26.9.2012)


Link
Thomson Reuters: 2012 Predictions

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