Ab Dezember siedelt die Wiener Finanz

25. September 2012, 18:58
  • Das Finanzzentrum hat weniger Quadratmeter als die aufzulassenden sieben 
Ämter. Dafür gibt's einen Betriebskindergarten.
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    foto: christian fischer

    Das Finanzzentrum hat weniger Quadratmeter als die aufzulassenden sieben Ämter. Dafür gibt's einen Betriebskindergarten.

Wien Mitte wird Nukleus der Wiener Steuerbehörden

Wien - Die Zusammenlegung von sieben Finanzämtern Wiens schreitet voran. Aufgrund starker Kritik von parlamentarischer Opposition und in Medien übte sich das Finanzministerium in unüblicher Transparenz und zeigte vor der Übersiedelung, die im Dezember startet und März abgeschlossen sein soll, Bürofluchten samt Musterbüro des neuen Finanzzentrums Wien Mitte (FZWM).

Dieses sei Teil eines Modernisierungsprozesses "zum Wohle der Kundinnen und Kunden, der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler", sagte Hans Georg Kramer, Generalsekretär des Finanzministeriums. Dementsprechend weist er eventuelle Parallelen zu anderen affärenschweren Bauprojekten, vor allem aus der Ära schwarz-blau (Justiztower Wien Mitte, Terminal Tower Linz) weit von sich: Beim FZWM seien keine Immobilienmakler involviert gewesen, "die typischen handelnden Personen haben auch keine Rolle gespielt". Und der Vorwurf, dass es zu keiner Ausschreibung gekommen ist, erklärt Kramer damit, dass "das Bundesvergabegesetz keine Ausschreibung für einen Mietvertrag" vorsieht.

Kosten

Über die Kosten hält sich das Ministerium weiter bedeckt, obwohl diese der Standard schon im Juli berichtet hatte: 497.000 Euro netto für 35. 000 m2, wohingegen die Finanzbeamten bisher auf gut 65.000 m2 für 490. 000 Euro logierten. Die alten, abgenützten Finanzämter, die der Bundesimmobiliengesellschaft BIG gehören, hätten mit großem Aufwand saniert werden müssen. Diese behindertengerecht umzubauen, hätte hohe Kosten verursacht.

Nun ist die Finanz Untermieter bei der Bank-Austria-nahen BAI bzw. ihrer Tochter, der Wien Mitte Errichtungsgesellschaft. Das Mietverhältnis läuft bis Mitte 2030. Gegen die Nachteile moderner Großraumbüros gibt es akustisch wirksame Möbel und schallschluckende Teppichböden. Mit dem Steuerzahler wird entweder via Internet oder in Infocentern kommuniziert. (ruz, DER STANDARD, 26.9.2012)

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16 Postings

Dass bei solchen Mietverträgen jemand einen sehr guten finanziellen Schnitt macht liegt auf der Hand.
Das gebot der Stunde:selber bauen.Vor allem weil man weiß,dass Finanzämter noch viele hunderte von Jahren bestehen werden.

welche finanzämter

umgesiedelt werden, war wohl zuviel recherchearbeit ?

"Dorthin übersiedeln werden die Finanzämter für die Bezirke 1/8, 3/11, 4/5/10, 6/7/15m 8/16/17, 9/18/19, 12/13/14 sowie die Standorte Schwechat/Gerasdorf und Klosterneuburg. Auch die beiden wichtigen Abteilungen für Großbetriebsprüfungen sowie für Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel agieren ab Mitte 2010 im modernen Glaspalast."

Quelle: Bezirkszeitung Wien

danke,

inzwischen habe ich es auch im boulevard "österreich" entdeckt.

Von Transparenz schwafeln aber den Zins geheim halten, das passt nun mal nicht.

Siedelt!?!

Wohl zuviel Siedler gespielt?

Das Wort heißt "übersiedeln"

Drei Semester Kindergarten und die Baumschule ersetzen weder Publizistik noch Germanistik...

Gegen Nachteile moderner Großraumbüros...

...gibt es althergebrachte, kleine Büros.

Im Gegensatz zb zur SVA kann man mit dem Finanzamt noch reden. Aber auch nur, wenn man immer mit "seinem" Sachbearbeiter oder dem Team spricht. Außerdem sind die Finanzämter bisher in der Nähe gewesen. Ich fürchte diese Nähe geht verloren. Leerstand bei der BIG dafür Miete bei der BA Unicredit. Danke. Selbst wenn die alten FiA saniert hätten werden müssen - diese Gebäude gehören uns allen und sie verlieren nicht durch Sanierungen. Nur wenn man sie jetzt leer stehen lässt und dann billig an Immohaie verscherbelt verlieren wir.

bezieht wohl ihre büros im goldman sachs building;-)

Und wie in Linz werden die alten Finanzgebäude leer stehen und Kosten verursachen.

Einzige Frage, die man stellen muss ist, warum macht man sowas bloß?

Um Steuergeld via Mietzahlungen zum neuen Eigentümer zu verschieben, der dann im Gegenzug dafür gewisse Parteien oder Politprojekte "sponsert".

Bitte gleich einen Untersuchungsausschuss einberufen,

um offenzulegen , wer genau wie hohe Provisionen für diesen Deal erhalten hat! Ist ja nur ganz zufällig in Sichtweite vom Justizzentrum, dessen Errichtungsumstände und -gründe bis heute nicht restlos geklärt sind...

"Mit dem Steuerzahler wird entweder via Internet oder in Infocentern kommuniziert". Aha. Und wozu braucht es dann behindertengerechte Zugänge und Umbauten?

Diese ganze Sachen mit "behindertengerecht umzubauen, das hätte so hohe Kosten verursacht" ist doch nur ein billiger Vorwand und Ausrede.

Infocenter müssen natürlich auch von Behinderten problemlos erreichbar sein. Zu ihrer Qualität habe ich aber ziemliche Zweifel. Ich habe 2011 erstmals eine Rente und eine Betriebsrente (freiwillige Leistung des früheren Arbeitgebers) aus Deutschland erhalten und beziehe auch eine österreichische Pension, da ich in beiden Ländern gearbeitet habe. Es war schwierig, herauszufinden, was wo versteuert werden muss und mit welchen Formularen. Im Infocenter (FA 4.,5., und 10. Bez.) hatte man keine Ahnung, telefonisch liess sich das auch nicht klären, als letzte Möglichkeit blieb eine Anfrage (die auch nach einiger Zeit ordentlich beantwortet wurde) per Mail - dann wurde die Steuererklärung schnell bearbeitet.

bitte die Mitarbeiter nicht vergessen ...

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