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Den Schnuller abgeben ist nicht alles: Die Trennung von den Eltern muss gut begleitet werden, wissen Krippenforscher.
Der kleine Bub wackelt durch den Raum. Greift nach einem Spielzeughandy, drückt es ans Ohr, plappert drauf los. Es ist der erste Tag, den er ohne seine Mutter in der Kinderkrippe verbringt. Das gespielte Telefonat mit Mama hilft, die Trennung zu ertragen. Der Bub ist gerade einmal 18 Monate alt.
Wilfried Datler, Bildungswissenschafter an der Uni Wien, untersuchte in der vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten "Wiener Kinderkrippen Studie", wie ein sanfter Übergang von der Betreuung zu Hause in die Krippe gelingen kann.
Die sogenannte Eingewöhnung in die Krippe ist eine heikle Phase. Sie gehört fachgerecht begleitet. In dem jungen Alter verspüren die Kinder Angst und Unsicherheit, wenn Mama oder Papa außer Sichtweite sind. Trennung von der primären Bezugsperson, weiß die Bindungsforschung, bedeutet für das Kleinkind Stress.
Untersucht wurde unter anderem der Beitrag, den Kleinkinder selbst zur Bewältigung des Stresses leisten. "Wir waren erstaunt darüber, welche Strategien die Kleinen dazu einsetzen", sagt Datler. "Sei es durch symbolisches Spiel, Hartnäckigkeit oder Charme, um die Aufmerksamkeit der Betreuerinnen auf sich zu ziehen", sagt der Leiter der Forschungseinheit für Psychoanalytische Pädagogik.
104 Kinder im Alter von eineinhalb bis drei Jahren hatte sein Team begleitet. Von der Eingewöhnung bis zum sechsten Monat - an jenem Ort, der so ganz anders funktioniert als das Zuhause. Gefilmt wurden Interaktionen und Verhalten. In Fragebögen erhoben sie die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Für Einzelfallstudien wurden elf Kinder minutiös unter die Lupe genommen. Projekt-Koleiterin Lieselotte Ahnert vom Institut für Entwicklungspsychologie ließ die Werte des Stresshormons Cortisol im Speichel der Kinder messen.
Konsens in der noch jungen Krippenforschung ist, dass der Trennungsstress abgefedert werden kann. Nicht nur durch eine kleinere Gruppengröße. Zentral ist eine gute Beziehung zur Betreuerin, ebenso wie eine sanfte Eingewöhnung, in die die primäre Bezugsperson während der ersten Tage eingebunden ist. Sie hilft dem Kind beim Aufbau einer sicheren Beziehung zur Pädagogin und zieht sich erst dann zurück. Sogenannte Übergangsobjekte wie Kuscheltiere oder Schnuller erleichtern die Trennung. Die Pädagoginnen sollten den Gefühlszustand der Kleinen erkennen können, ihnen helfen, ihre Gefühle zu regulieren. Allein sind sehr junge Kinder dazu nicht in der Lage.
Ein überraschender Befund der Studie war, wie viele Kinder nach der Trennung weiterhin still litten. Diese "still leidenden Kinder" fallen kaum auf, ziehen sich zurück, nehmen am Gruppengeschehen nicht teil, sind emotional flach. "Denen müssen wir besonderes Augenmerk schenken", sagt Datler. Die Schwierigkeit dabei sei, ihr Leid überhaupt zu erkennen. Für eine Pädagogin, die eine ganze Gruppe im Auge haben muss, ein schwieriges Unterfangen.
Weiters zeigten die Beobachtungen, dass die Kleinkinder länger mit dem Trennungserleben zu kämpfen haben als bisher angenommen. "In Belastungssituationen taucht die Sehnsucht nach Mama oder Papa wieder auf, oft auch noch sechs Monate nach der Eingewöhnung", sagt Datler.
Der Stress der Kleinkinder ließ sich auch messen. Die Cortisolwerte waren auch bei jenen erhöht, die zuvor schon Erfahrung in Spielgruppen oder ähnlichen Situationen gemacht hatten - allerdings in Anwesenheit der Vertrauensperson. Zur messbaren Belastung führte auch eine abrupt erfolgte Eingewöhnung, also dann, wenn sich die Bezugsperson zurückzog, bevor die Beziehung zur Betreuerin aufgebaut war.
Eine nicht fachgerechte Eingewöhnung kann, sagt Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert, langfristig die Mutter-Kind-Beziehung belasten. "Bei längerer Eingewöhnung aber bleibt die Beziehung unbeschädigt." Langfristig würde auch die Erziehungspartnerschaft vom sanft gestalteten Übergang profitieren. Eltern überzeugen sich vom kompetenten Umgang der Betreuerin mit ihren Sprösslingen, bauen Vertrauen zur Einrichtung auf.
Die Studie zeigte allerdings auch, dass in den meisten Einrichtungen das Wissen um eine wissenschaftlich fundierte Eingewöhnung fehlt. Nina Hover-Reisner, Projektkoordinatorin und selbst ausgebildete Kindergärtnerin: "Thematisiert werden muss, wie die Eingewöhnung individuell von allen Beteiligten erlebt wird."
Denn kein Kind reagiert gleich auf den Übergang. So manche Mutter und so mancher Vater haben beizeiten selbst mit Trennungsangst zu kämpfen. Nimmt das die Pädagogin wahr, können ein paar aufmunternde Worte die Eltern entlasten - und die Eingewöhnung erleichtern. Dazu müsse das Personal aber speziell ausgebildet sein.
Zentral sei auch die Fähigkeit der Pädagogin, über die eigenen Gefühle zu reflektieren. "Die Konfrontation mit der schmerzhaften Trennung ist etwas, das sich nicht unterrichten lässt", sagt Hover-Reisner.
Es brauche daher intensive, kontinuierliche Weiterbildung. Und zwar des ganzen Teams, nicht nur einzelner Pädagoginnen. Auch die Leitung müsse ins Boot geholt werden. Ein Weiterbildungskonzept, das den Erkenntnissen der Studie Rechnung trägt, legten Datler und sein Team bereits vor.
Die Eingewöhnung in die Kinderkrippe könne eine "bewältigbare Herausforderung" für die Kleinkinder werden - vorausgesetzt, dem Wissen aus Kleinkind-und Krippenforschung werde Rechnung getragen, sagt Datler. Dann könnte der Gewinn für die Kinder höher und die Belastung geringer sein. (Erika Müller, DER STANDARD, 26.9.2012)
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meine 2 kids gehen gerne in den Kiga / Krippe, weil sie dort spielen/basteln und mit ihren Freunden abhängen, sie kommen aber auch gerne nach Hause um die Eltern zu bearbeiten und lieben es heiss wenn die Oma einmal in der Woche das Abendprogramm macht. Es geht (wie fast immer) um Mass und Ziel. Würde eines dieser sozialen Interaktionen fehlen, würdens weniger Sozialkompetenz entwickeln (und fad wäre ihnen auch).
Unsere Kleine kam mit 20 Monaten in die Grippe.
Eingewöhnung kein Problem, d.h. es hing sicher auch damit zusammen, dass ich am Anfang kurz dabei war, jedoch nicht mit Ihr spielte, sondern bewusst mit anderen. Sie fand die Kindergruppe von Beginn an super, weil auch ich dort Spass hatte.
Zur gleichen Zeit kam das Kind einer entfernten Bekannten ebenso in die Gruppe. Leider "klammerte" die Elten etwas zu sehr wie ich fand, was dazu führte, dass häufig Tränen flossen.
Nun geht unsere in den Kindergarten. Dort scheint sie sich nicht wohlzufühlen und das spieglt auch unsere Einstellung wieder. Fazit: Sie klammert beim verabschieden und läuft nicht wie vorher in der Kindergruppe freudig in den Gruppenraum.
lösungsvorschlag: normarbeitszeit 30 h/woche, ein einkommen von dem man auch leben kann, erst recht als alleinerzieher.dann bleibt auch als vollzeitbeschäftigter zeit für die kinder. leisten könnten wir es uns, die produktivität ist hoch, es gibt genug zu esen, genug wohnraum etc
Unser großer kam mit 14 Monaten in einer alterserweiterten Gruppe in einem KiWi KIndergarten. Der kleine wird mit 12 Monaten gerade eingewöhnt (in einer Stunde hole ich ihn wieder ab)
Wir haben uns natürlich auch Sorgen gemacht aber es geht sehr, sehr gut.
Ich glaube Kinder brauchen feste Kernbezugspersonen (Eltern) aber gleichzeitig eine multipolare erweiterte Bezugspersonenwelt. Uns sie brauchen auch selbständige Beziehungen zu anderen Kleinkindern. Ich glaube dafür ist der Mensch "gebaut".
Jahrtausendelang waren das die im gemeinsamen Haushalt lebenden Generationen und die Kindergruppe der "Dorf- oder Stammesgemeinschaft"
Ich glaube die dreijährige Mutterfixierung mit Papa Abends und Großeltern am Wochenende ist der falsche Weg.
Kann ich akzeptieren. Hier wird recht zugespitzt diskutiert.
Machen Sie sich doch bitte auch die Arbeit das in allen Postings, wo über Kinder in Frühbetreuung von "abschieben" die Rede ist auf die Bösartigkeit der Unterstellung hinzuweisen. Danke!
Kurz nachgedacht würde ich "... auf keinen Fall ein besserer Weg" formulieren.
In der Tat suchen wir alle brauchbare Mittelwege. Später wenn ich wieder mehr arbeiten werde, wird mir sicher an manchen Tagen die Felxibilität fehlen auf die Bedürfnisse eines Kindes einzugehen und es an diesen Tagen nicht in den Kindergarten zu bringen.
Was wieder die Frage aufwirft, ob die Tag für Tag ideale Kindheit nicht auch eine monströse Vorstellung ist.
ich finde es nur traurig, dass JEDE diskussion zu diesem thema IMMER zu dieser unnötigen frontenbildung führt.
ein ernstzunehmendes posting das die abschiebe-unterstellung beinhaltet, habe ich übrigens nicht gelesen. betonung auf "ernstzunehmend"!
Eltern wolte ich unter Hochkomma stellen, weil es nicht die leiblichen Eltern und auch nicht Mann/Frau sein müssen.
Und eins wollte ich noch sagen. Manchmal gibt es mir tatsächlich einen kleinen eifersüchtigen Stich, wenn ich sehe wie der große sich zum Kuscheln einfach eine vertraute Person aussucht obwohl ja ICH da bin. (Das sind die Momente wo ich die Motive der KinderlangebeiderMamabehalter verstehe)
Aber nur einen Moment und dann bin ich Stolz wie selbständig der sich orientiert und das handhabt. Ich glaube es wird ihm im Leben helfen. Und unserer Beziehung tut es keinen Bruch, im Gegenteil.
so schlecht kann die Krippe für Babies nicht sein, Jesus wurde sogar in einer geboren und hat dann hohe soziale Kompetenz entwickelt. Jetzt im Ernst: meine Tochter ist drei und quält uns schon seit einem Jahr, dass sie in den Kindergarten will. Nun ist seit einem Monat dort und immer noch euphorisch. Wir bereuen, sie nicht früher in den Kindergarten gesteckt zu haben. Andere weinen noch, wenn sie mit 20 zum Studium die Mama verlassen. Jedes Kind entwickelt sich individuell. Gut dass es Krippen gibt.
Ich kann sehr gut verstehen, dass Leute ihre Kinder schon so zeitig in eine Krippe geben. Ich werde zwar noch lange keine Kinder haben, aber habe vor das dann genauso zu machen. Viele Mütter, die lange zuhause bleiben, lassen sich völlig unverschämt von ihren Männern aushalten und belasten diese finanziell, kriechen auf dem Zahnfleisch daher, weil sie sich selbst nichts mehr gönnen können und opfern sich komplett für ihre Kinder auf, in der Hoffnung, dass diese es ihnen eines Tages zurückgeben werden. Wenn sie dann wieder arbeiten gehen wollen, sind die Aussichten nicht allzu rosig, da ihnen viel Erfahrung fehlt. Meine Mutter war zwar auch lange bei uns zuhause, aber das waren andere Zeiten, auch ohne den finanziellen Druck von heute.
Ja, aber es gibt ein paar Dinge, die man durchaus ein bisschen generalisieren darf. Sie würden ja der Aussage "Kinder sollten gesund ernährt werden und ausreichend Bewegung bekommen" doch auch nicht mit Ihrem Individuell-Argument in Frage stellen, oder?
Deshalb stell ich jetzt mal in den Raum: "Ausreichend Kontakt mit anderen Kindern ist gesund für Kinderseelen."
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