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Bei Neckermann Deutschland sind die Tage gezählt. Ende September muss ein Investor fürs Kerngeschäft Gewehr bei Fuß stehen, sonst wird das Versandhaus filetiert und verwertet. Zwei Interessenten von ursprünglich hundert sollen noch verhandeln. Doch die Chancen auf Rettung sind gering. Neckermann verkauft seine Ware in Deutschland vielfach bereits unter dem Einstandspreis ab.
Ein Nervenkrieg zeichnet sich auch für 300 Mitarbeiter in Graz ab. Der Masseverwalter strotzt vor Zuversicht. Auch Gläubigerschützer sehen Anlass für Hoffnung auf eine eigenständige Lösung für Neckermann Österreich. Die Szenarien, die viele Marktkenner zeichnen, deuten hingegen allesamt auf den Verlust der Arbeitsplätze hin.
Entscheidend sind die europaweiten Markenrechte. Ihr Wert inklusive der Kundenadressen wird auf zehn bis 20 Millionen Euro geschätzt. Interessenten dafür gibt es reichlich, den Personalapparat und die Logistik im Hintergrund wollen diese freilich nicht. Droht Neckermann Österreich damit das Schicksal, das den Versandriesen Quelle ereilte? Branchenexperten meinen ja, Masseverwalter nein.
Die Markenrechte seien weitgehend im Einfluss Österreichs, betont Clemens Jaufer, der als Anwalt für den Erhalt des Unternehmens kämpft. Es gebe Überschneidungen mit Deutschland, es sei jedoch allen Beteiligten wichtig, die Rechte für Österreich herauszulösen. Neckermann sei hierzulande damit alleine überlebensfähig, zumal man sich nun auch von der Industrie direkt beliefern lasse. Dass langfristige Einkaufsverträge fehlten, sieht er so nicht; es sei hier jedoch das Netzwerk der neuen Investoren wesentlich. Bis 22. Oktober will der Masseverwalter das Ergebnis der Suche danach vorlegen. Dass es primär Schnäppchenjäger sind, die den Standort Graz nicht langfristig absichern wollen, weist Jaufer entschieden zurück.
Um Quelle in Österreich boten einst Investoren um Martin Lenz und Mike Lielacher. An Neckermann haben beide kein Interesse, lassen sie auf Anfrage wissen und zeigen sich ob der Rettung der Österreich-Tochter eher skeptisch.
Mit 1. Oktober soll es Klarheit über die offenen Forderungen geben. Zwölf bis 14 der 40 Millionen Euro Schulden sind Bankverbindlichkeiten, besichert jedoch durch die Liegenschaft in Graz. Markus Graf vom Alpenländischen Kreditorenverband rechnet mit Kosten für den Sanierungsplan von maximal fünf Mio. Euro. Die RLB OÖ gibt derzeit finanziell Rückhalt. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 26.9.2012)
Update: In Deutschland soll der Versandhandel zum 1. Oktober abgewickelt werden. Die meisten Mitarbeiter werden zu diesem Zeitpunkt freigestellt, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt weiter mitteilte. Ein Investor sei noch an einer Übernahme interessiert.
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