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vergrößern 500x375Zahnbehandlungen am laufenden Band.
vergrößern 500x375Stan Brock organisiert die Camps, in denen Ärzte Bedürftige gratis behandeln.
vergrößern 500x375Michael Oberdeck kommt als Patient.
vergrößern 700x848Michael Oberdecks Markenzeichen ist die Kunst der Selbstironie. Man kann sich den Mann mit dem verschmitzten, selten ersterbenden Lächeln gut in den Studios der Comedy-Talker vorstellen, bei Jon Stewart oder Dave Letterman. Dabei hat er sich die Nacht auf einem Wiesenparkplatz um die Ohren geschlagen, in einem alten Chevy. Müde schält er sich aus einer grauen Decke, sein fahles Gesicht hat nicht viel mehr Farbe als das Lammfell, unter dem seine Freundin Layla immer noch schlummert. Unrasiert ist er und nicht gewaschen, und jetzt steht da auch noch ein Reporter mit Notizblock herum. Wo andere vielleicht "Hau ab!" brummen würden, reibt sich Oberdeck schalkhaft theatralisch die Augen und sagt mit schuldbewusstem Grinsen: "Hab mal wieder verschlafen, was?"
Fünf Minuten später steht der Dreißigjährige vor einem robusten Holztor, wo ein Mann mit der kerzengeraden Haltung eines Paradesoldaten gerade so etwas wie einen Zählappell versucht. In khakifarbener Uniform, die Ärmel bis zu den Oberarmen aufgekrempelt, steht Stan Brock auf einem Stuhl und schreit Fragen ins Dunkel. "Wer von euch braucht Zahnbehandlung?" Fast alle Hände fliegen nach oben, später sagt Brock, dass er 782 Wartenummern vergeben hat. "Wer von euch kommt wegen der Augen?" 639-mal Brille, wird er irgendwann notieren. Sie hat etwas Gespenstisches, die Szene um fünf Uhr am Morgen. Ringsum liegen die Wälder Virginias in tiefstem Dunkel. Bei der Anfahrt glaubt man, sich verirrt zu haben, so abgelegen ist das Gelände der County Fair, wo sonst an ein paar Tagen im Sommer die besten Gäule vorgeführt werden.
Urplötzlich, hinter einer Kuppe, erhellen Strahler ein provisorisches Gebirgscamp, als wären Außerirdische in der Einöde gelandet. Die wichtigste Devise ist frühes Aufstehen. Wer sich um vier nicht eingereiht hat in die Schlange nachtmüder Menschen, die oft von weither angereist sind, kommt heute nicht mehr dran.
Mit Rural Area Medical, RAM, einer Freiwilligenorganisation von Medizinern, tourt Stan Brock quer durch Amerika, nach Kalifornien, nach Texas, in die Indianerreservate South Dakotas. Für drei Tage macht er in Hurricane Station, mitten im "Coal Country" der Appalachen, das trotz seiner reichen Kohleflöze immer ein Armenhaus geblieben ist. Eine Zeltplane überdacht 96 Zahnarztstühle, komplett mit Bohrern, Absauggeräten und schlanken Halogenstrahlern. Im zweitgrößten Zelt haben sie ein Optikerlabor eingerichtet, um alte Brillengläser, gesprungene oder zu schwache, gegen neue zu ersetzen.
Der Mann mit dem durchgedrückten Kreuz macht das seit zwanzig Jahren. Als er anfing, hieß der Präsident noch George H. W. Bush. 2010 setzte Barack Obama die Pflicht zur Krankenversicherung durch; 2014 treten alle Regeln der Novelle in Kraft. Für Brock hat sich bisher dennoch nichts geändert, und er glaubt auch nicht, dass Amerika in Zukunft ohne Nothelfer wie ihn auskommen wird. Schon wegen der Praxisgebühr, die beim Arztbesuch fällig wird, in aller Regel dreißig Dollar, "verdammt viel Geld".
Und wer bei größeren Zahnarztsachen nicht tief in die Tasche greifen will, muss weiterhin eine teure Extraversicherung abschließen. Unbezahlbarer Luxus im Hacklermilieu der Hillbillys, wie die Bewohner der Appalachen im Rest der USA gern verspottet werden als vermeintliche Hinterwäldler. "Wir kommen noch lange", prophezeit Brock mit dem Stoizismus eines Welterfahrenen, der das Leben oft genug von seiner Schattenseite kennengelernt hat.
Thomas Cooke und Wallace Huff prüfen noch schnell die provisorisch verlegten Elektrokabel, bevor ihre Zwölf-Stunden-Schicht beginnt. Beide nehmen keinen Cent für ihren Einsatz, und als Huff schwärmt, "dies sind die besten drei Tage meines Jahres", kann Cooke nur zustimmend nicken: "Du hattest Erfolg und gibst etwas zurück, ein schönes Gefühl." Kopfschüttelnd schimpfen die Dentisten auf Mountain Dew, den "Bergtau", eine Billiglimonade, die im Laden weniger kostet als Mineralwasser. Das Zeug kann die Zähne zu Kariesruinen degradieren. Ironischerweise zählt der Hersteller von Mountain Dew zu den größten Sponsoren des Medizinercamps.
Brock hat fürs Fernsehen Tierfilme gedreht, mit einer Brillanz, wie es wohl nur Engländer können. Fünfzehn Jahre lebte er in den Regenwäldern Guyanas bei den Wapishana-Indianern, wo er sich vornahm, für Menschen in den entlegensten Gebieten der Erde medizinische Hilfe zu organisieren. 1985 hob er RAM aus der Taufe. Heute, sagt er mit feinem Lächeln, hat er nirgends mehr zu tun als in den Vereinigten Staaten.
Und die Gesundheitsreform? Packt sie das Übel an der Wurzel? Joshua Lane, Student der Elektrotechnik, legt seine Stirn in Falten. "Tja, ich weiß nicht, ob ich mir das leisten kann." Bei ihm ist das Wort Steuer hängengeblieben, wenn es um die Reform geht. Und das Wort Zwang. "Du musst eine Versicherung kaufen, auch wenn du kaum über die Runden kommst" , fasst er das Gehörte zusammen. So ähnlich denken sie alle, die Patienten des Wiesencamps. Michael Oberdeck antwortet ausnahmsweise nicht mit einem Witz. "Einen freien Menschen zu irgendwas verdonnern? No way."
Bis 2009 war Oberdeck fest angestellt bei John Deere, dem Landmaschinenhersteller. In der Flaute wurde er entlassen und bald darauf erneut angeheuert, mit Zeitvertrag und ohne die Krankenversicherung, die John Deere zuvor noch getragen hatte. Jetzt schraubt er nur noch von April bis Oktober in Greeneville in Tennessee Rasentraktoren zusammen, während er von November bis März Arbeitslosengeld bezieht.
"Wird schon wieder", macht sich Oberdeck Mut. Wird die Versicherung obligatorisch, will er darauf verzichten, als Zeitarbeiter müsste er sie selber berappen. Lieber zahlt er die fällige Strafe. Er glaubt, dass sei billiger. Sonst hilft das Prinzip Hoffnung. "Zum Doktor gehe ich nicht, ich fühl mich doch gut. Und wenn mal was ist, musst du halt die Zähne zusammenbeißen." Da ist sie wieder, Oberdecks feine Selbstironie. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 26.9.2012)
Ein Blick hinter den amerikanischen Wahlkampf
Im Konfetti-Regen der Parteitage, im Rhythmus der Nachrichtensender und im täglichen Grabenkampf zwischen Kapitol und Weißem Haus macht sich nichts so gut wie Geschichten einfacher Leuten. Kaum etwas bringen hartgesottene Spindoktoren lieber unter die Wähler, mit wenig anderem lassen sich komplizierte politische Sachverhalte anschaulicher erzählen. Dabei wird es aber meist so simpel, dass all die alleinerziehenden Mütter, kriegsversehrten Soldaten und "Average Joe"-Installateure wie lächerliche Karikaturen wirken, die absolut nichts mehr mit dem Leben außerhalb der TV-Kanäle zu tun haben.
Wie aber tickt das richtige Amerika? Was tut sich jenseits von Klischees und vorgefertigten Nachrichten in den Vereinigten Staaten? Welchen Herausforderungen haben sich echte Bürger, echte Wähler zu stellen?
der Standard versucht dem in einer Reportagenserie, die sechs Wochen vor der Wahl mit einem Besuch in West Virginia beginnt, nachzugehen. Die " Reise durch Amerika" wird durch das ganze Land führen, durch Milieus, Problemlagen und Verhältnisse, die sich viele in Europa nur schwer vorstellen können. (red)
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…Greg Stenton versuchte eine Woche lang von Lebensmittelmarken zu leben - und verlor 4 Pfund seines Gewichtes:
http://www.huffingtonpost.com/2012/09/2... de=1147462
Zur Zeit leben bereits etwa 50 Millionen am.Bürger von den Unterstützungen ihres Regimes, welches lieber in globale Abenteuer investiert, als für das Wohl ihrer Nation zu sorgen. Ganze $29 per Woche/Person werden vom Staat z.Verfügung gestellt, während Lebensmittelpreise seit 2000 um 175% gestiegen sind (ähnlich,wie in Europa) u.die privaten Gelderzeuger der FED für Amerika gerade wieder einmal nur die großen Wirtschaftskonstrukte -die "Too-big-for-Jail" sind- mit der 80 Mrd. QE3 wundervollen Geldvermehrung durchfüttern.
Das Essensmarkprogram ist nur EINE von vielen Ernährungsprogramme für die Hilfsbedürtigen. Auf der Bundesebene gibt's auch
The Emergency Food Assistance Program
http://tinyurl.com/9fzm2jg
WIC (Women, Infants and Children)
http://tinyurl.com/kphze3
Child Care Assistance (Kindergeld)
http://tinyurl.com/5gaksc
Auf der Staatsebene, bietet Arizona:
Cash Assistance (Sozialhilfe)
http://tinyurl.com/7c3cv8h
Nutrition Assistance (Lebensmittelgeld)
http://tinyurl.com/7uk25hp
Coordinated Hunger Relief Program
http://tinyurl.com/8mbtu4t
Dazu kommen noch Sozialleistungen auf der Stadtebene.
In den USA muss man immer mit DREI Regierungsebene rechnen, dem Bund, dem Einzelstaat und der Stadt, unde jede bietet die eigenen Sozialprogramme an!
Und zwar, dass es benachteiligte Leute bzw. Gemeinschaften in den USA gibt wird sicher von mir nicht bestritten. Der Grund dafür aber, hat nichts mit einer maroden Infrastruktur, fehlenden Ressourcen oder einer gleichgültigen Politik, sowie vom Artikel oder mehreren Postings hier gerne angedeutet wird. Wenn man die Webseite der westvirginischen Regierung besucht zum Beispiel
http://tinyurl.com/c6rxdvc
findet man kostenlose Gesundheitsversorgungsprogramme bzw. Einrichtungen:
http://tinyurl.com/d95nxns (allgemein)
http://tinyurl.com/cl2xjt7 (für Frauen und Kinder)
http://tinyurl.com/9opzozf (für Senioren)
http://tinyurl.com/9xaolra (für Behinderten)
Der Staat West Virginia verfügt über 1.490 öffentliche Gesundheitseinrichtungen, darunter 64 Krankenhäuser:
http://tinyurl.com/c4n4tdg
Für Einkommensschwache gibt es:
Medicaid, kostenlose Gesundheitsversorgung vom Bund
http://tinyurl.com/d8ok2of
InRoads, kostenlose Gesundheitsversorgung und Sozialleistungen vom Staat West Virginia
http://tinyurl.com/bqw6gkm
Bestattungsbeihilfe ($1.250)
http://tinyurl.com/cjq7aj8
Katastrophenbeihilfe
http://tinyurl.com/brfa33x
Notstandshilfe
http://tinyurl.com/6orm8cn
Flüchtlingshilfe
http://tinyurl.com/ch2pp9b
Kinderbekleidungsbeihilfe
http://tinyurl.com/boudqtx
Lebensmittelmarke
http://tinyurl.com/7c5lmpu
Transportbeihilfe
http://tinyurl.com/8tmnyb7
Strom- und Heizungsbeihilfe, 20% Nachlassprogramm (Strom & Energiekosten), Telefonbeihilfe
http://tinyurl.com/6s5atd
Sozialhilfe
http://tinyurl.com/92a55br
Obdachlosenheim
http://tinyurl.com/7epjg4l
Das ist nur ein kleiner Auszug der angebotenen staatlichen Leistungen.
Warum gibt’s denn noch benachteiligte Menschen, sowie im Artikel? Um das zu verstehen, muss man die amerikanische Grundeinstellung zum Staat, was überwiegend von Misstrauen und Skepsis ausgeprägt ist, als das was man in Europa daran gewöhnt ist. Je mehr der Amerikaner hinter dem Wald lebt, desto größer sein Misstrauen zum Staat.
Es ist kein Zufall, dass die Tea Party Bewegung ihren Ursprung in solchen Gegenden hat. Es ist auch kein Zufall, dass das Misstrauen zum Staat der Kernwert der Tea Party Bewegung ist. So unlogisch wie es klingen mag, dieser Leute ist es lieber, arm und ungesund zu sein, als Fuß in eine staatliche Einrichtung zu setzen!
Ich möchte darauf hinweisen, dass die Zeltpraxis nur überhaupt besucht wird, NUR weil sie Privatbetrieb ist. Wäre das vom Staat betrieben, würde das nur leer stehen.
DAS sind die WICHTIGEN Hintergrundinformationen, was immer wieder von solchen Artikeln fehlen, was dann nur das Feuer des Antiamerikanismus anfacht!
Abgesehen von den wie hier beschriebenen ganz Armen gibt es in der unteren Mittelschicht bis sogar weiter hinauf in den USA gar nicht den Reflex, "Hauptsache, ich habe eine Krankenversicherung".
Geld geerbt? Neues Auto. Neues Haus. Krankenversicherung? Nein, noch immer nicht.
Denn in akuten Notfällen muss ein Spital jeden aufnehmen. Die danach ausgestellte astronomische Rechung (immer ein Mehrfaches dessen, was man dafür in Europa berappen müsste!) zahlt man halt nicht. Bzw man versucht in letzter Minute, schon schwerkrank, unter ein Notprogramm eines Staates zu schlüpfen. Unsolidarisch halt.
Ich kenne jede Menge Fälle von Leuten, die es sich leisten könnten und nicht versichert sind. Dazu fehlt dem ganzen Land ein Grund-Bewusstsein.
dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten - aber leider nur für die, die auf der Butterseite des Lebens geboren sind! An die Story vom Tellerwäscher glaubt eh keiner mehr! DAS hier ist die Realität in einem Land, das aberwitzige Milliarden für die Rüstung ausgibt, in dem ein paar Prozent soviel besitzen wie der über 90% Rest, in dem die Weißen noch immer eine "Apartheit" bilden, in dem überproportional viele Schwarze im Gefängnis sitzen und zum Tode verurteilt sind, in dem Menschen ohne Gerichtsurteil völlig legal im Gefängnis sitzen (Guantanamo), in dem die Meinungsfreiheit so weit geht, dass Neonazis in voller Montur Teile der Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen dürfen, wo jeder problemlos an mörderische Waffen kommt...
Was Zahnbehandlungen betrifft steht Österreich auch nicht gut da. Wer kein Geld hat, bekommt Amalgam oder minderwertigen Kunststoff reingepappt und wenn's um die Dritten geht gibt's die mieseste Krankenkassenprothese.
Hochwertige Versorgungen sind privat zu bezahlen, lediglich 10 % schießt die Krankenkasse zu. Eine Keramikfüllung kostet den Wucherpreis von 500 EUR aufwärts. Implantate haben sowieso Witzpreise. Eine Schweinerei was hier verlangt wird.
Geringverdiener können sich das kaum leisten.
ist amalgam jetzt wieder schlecht? da wechseln die ansichten alle 3-5 jahre. :)
"Hochwertige Versorgungen sind privat zu bezahlen" -soll eine allgemeine kv auch "Hochwertige Versorgungen" zu 100% zahlen?
eine keramikfüllung kann man getrost als luxus bezeichen, ich hab bspw keine, amalgam tuts auch.
Habt Ihr auch den Eindruck dass Zahnärzte mitunter zu den geldgierigsten Berufsgruppen unter der Sonne zählen?
Bekam einen völlig utopischen Kostenvoranschlag, 4 Brücken sollten gemacht werden. Kostenpunkt 11.000 EUR. Ähnlich Verrücktes bei einem Implantat, 1800 EUR. Hallo??
In welcher völlig abgehobenen Welt leben diese Leute? Schon mal etwas vom Durchschnittsverdienst in Ö. gehört und dann in Relation gesetzt?
Das ist ohnehin nur möglich weil alle dieselben Preise verlangen, das ist im Grunde genommen ein Kartell. Kein Mensch auf dieser Welt kann mir erzählen, dass eine kleine Keramikfüllung 500 EUR wert sein kann, Material und Arbeitszeit eingerechnet. Niemals!
1800 bei einem implantat? das kostet doch meistens um die 1500, mehr als eine brücke ist aber auch das bessere konzept (mmn).
4 brücken um 11 tsd klingt unrealistisch, normalerweise bekommt man da eine unter 1000.
du und der vorposter übertreibt.
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