So charmant wie immer

Intensive Kulturaktivitäten Ungarns in Wien - Grafikschau der "Acht" als Highlight

Wien - Sie gelten als Wegbereiter der ungarischen Moderne. Und allein deshalb ist die Begegnung mit ihnen reizvoll - abgesehen vom künstlerischen Aspekt. Denn ob das heutige Ungarn gerade dabei ist, sich aus der Moderne wieder zu verabschieden, diese Frage wird EU-weit heftig diskutiert.

"Die Acht" nannte sich eine Gruppe großteils in Budapest geborener Maler des frühen 20. Jahrhunderts. Ergänzend zur gleichnamigen Gemäldeschau im Kunstforum Bank Austria wird am Mittwoch im Collegium Hungaricum in Wien eine Ausstellung des grafischen Werks eröffnet: "Die Acht - Der Akt" (1020, Hollandstraße 4, 19 Uhr).

Exklusive Grafikausstellung

Wobei "ergänzend" eine glatte Untertreibung ist. Denn während die Schau im Kunstforum in ähnlicher Form bereits in Pécs (Fünfkirchen) und Budapest gezeigt wurde, waren die Zeichnungen der acht - großteils, aber nicht nur Akte - bisher so nicht einmal in Ungarn zu sehen.

Das österreichische Publikum darf sich also geschmeichelt fühlen. Die exklusive Grafikausstellung fügt sich freilich in verstärkte Kultur- und Tourismusaktivitäten Ungarns nicht nur hierzulande. Kontert die wegen ihres nationalistischen Kurses und ihrer Machtpolitik umstrittene Regierung von Premier Viktor Orbán mit einer Charmeoffensive? Der ungarische Botschafter hierzulande, Vince Szalay-Bobrovniczky, ist sich " bewusst, dass unser Erscheinungsbild in Europa nicht zu den besten gehört". Es gebe jedoch "keine besondere Charmeoffensive - wir wollen so charmant sein, wie wir immer waren".

35 Veranstaltungen bis Jahresende

Bis Jahresende gibt es jedenfalls in Wien rund 35 kulturelle Veranstaltungen, die die Ungarn entweder allein oder mit Partnern ausrichten (aufgelistet im Programmheft "Ungarische Art"). Márton Méhes, Direktor des Collegium Hungaricum, betont die "glückliche Kooperation" vor allem mit EU-Partnern.

Méhes führt auch den Vorsitz von Eunic Austria, dem losen Zusammenschluss nationaler Kulturinstitute von EU-Ländern in Österreich. Weltweit gibt es solche "EU-Kulturcluster" in 78 Städten. Ziel ist Kulturvermittlung und Förderung kultureller Projekte aus europäischer Sicht.

Wien erlebt von 1. bis 7. Oktober eine "Eunic Week". Höhepunkte sind Literaturlesungen in neun Kaffeehäusern am 1. Oktober ("Europa zu Gast im erweiterten Wohnzimmer", Beginn 19.30 Uhr) und eine ganztägige Konferenz zum Dialog der Kulturen im Haus der EU am 3. Oktober (10 bis 18 Uhr). (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 26.9.2012)

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