Telekom-Firmen wollen Spielkonsolen überflüssig machen

  • Was ist Cloud-Gaming?
Zahlreiche Branchenbeobachter sehen in Cloud-Gaming die Zukunft der 
Videospiele. Hierbei werden die Inhalte sowie alle Informationen zur 
Steuerung und Interaktion eines Spiels von einem Server über das 
Internet an eine Konsole, einen PC, einen Fernseher oder ein mobiles 
Endgerät übermittelt.
Der Vorteil: Das Angebot ist weitgehend 
plattformunabhängig, auf Anwenderseite wird keine starke Hardware 
benötigt. Anstelle dessen übernehmen die Rechenzentren des Anbieters die
 Berechnung der 3D-Welten.
Der Nachteil: Voraussetzung
 ist, dass man 
über eine konstant schnelle Internetanbindung verfügt. Für Spiele mit 
720p-Auflösung und 30 Bildern pro Sekunde sind mindesten 5 Mbit/s 
notwendig. Schraubt man die Auflösung und Grafikqualität höher, braucht 
man entsprechend flottere Anbindungen.
    foto: nvidia

    Was ist Cloud-Gaming?

    Zahlreiche Branchenbeobachter sehen in Cloud-Gaming die Zukunft der Videospiele. Hierbei werden die Inhalte sowie alle Informationen zur Steuerung und Interaktion eines Spiels von einem Server über das Internet an eine Konsole, einen PC, einen Fernseher oder ein mobiles Endgerät übermittelt.

    Der Vorteil: Das Angebot ist weitgehend plattformunabhängig, auf Anwenderseite wird keine starke Hardware benötigt. Anstelle dessen übernehmen die Rechenzentren des Anbieters die Berechnung der 3D-Welten.

    Der Nachteil: Voraussetzung ist, dass man über eine konstant schnelle Internetanbindung verfügt. Für Spiele mit 720p-Auflösung und 30 Bildern pro Sekunde sind mindesten 5 Mbit/s notwendig. Schraubt man die Auflösung und Grafikqualität höher, braucht man entsprechend flottere Anbindungen.

Erste Tests von Cloud-Dienst könnten noch heuer starten - AT&T, Verizon und Time Warner an Bord

Es könnte das Ende der Spielekonsolen bedeuten: Die amerikanischen Telekom-Firmen AT&T und Verizon Communications sowie Time Warner Cable verfolgen einem Medienbericht zufolge Pläne, Spiele schon bald direkt über den Fernseher anzubieten. Erste Test eines solchen Cloud-Dienstes könnten noch in diesem Jahr beginnen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eingeweihte Personen. Traditionelle Konsolen wie die Playstation von Sony oder Microsofts Xbox 360 könnten dann für die Nutzer überflüssig werden.

Nicht nur für Gelegenheitsspieler

"Jeder hat einen Fernseher", sagte Atul Bagga, Analyst bei Lazard Capital Markets in San Francisco gegenüber Bloomberg. Kabelbetreiber und Telekomfirmen hielten derzeit nach neuen Geschäftsmodellen Ausschau. Und mit populären Spielen über den Fernseher, das Internet und Mobiltelefon könnten Provider ihren Kunden einen neuen Service bieten.

Dabei sei geplant, über Online- und Gelegenheitsspiele wie Farmville von Zynga oder Tetris und Solitär hinaus auch ausgereifte Action-Spiele etwa von Electronic Arts anzubieten. Für die Technologie zur schnellen Übertragung ohne Zeitverzögerung seien die Provider in Gesprächen mit Start-ups wie die Streaming-Dienstleister Playcast Media Systems, CiiNOW und Agawi, hieß es. Diese Unternehmen hätten entsprechende Gespräche mit amerikanischen Providern bestätigt, allerdings keine Namen genannt. Eine Sprecherin von AT&T erklärte Bloomberg zufolge, das Unternehmen suche nach einzigartigen Wegen, um TV- und Breitbandkunden Cloud-Gaming-Services anzubieten.

Wandel in Sicht

Für die großen Konsolen-Hersteller könnten damit schwere Zeiten anbrechen. Dem Marktforschungsunternehmen NPD zufolge war der Spielekonsolenmarkt 2011 allein in den USA rund 24,1 Mrd. Dollar (18,7 Mrd. Euro) schwer. Die Branche hat zuletzt bereits deutliche Einbrüche erlebt, da Gelegenheitsspiele auf Smartphones und Tablets zu einer wachsenden Konkurrenz werden. Auch Online-Games am PC sind durch die inzwischen gute Verbreitung von Breitband-Internet zu einer großen Herausforderung geworden.

Kein leichtes Unterfangen

Dass Telekom-Firmen Konsolenhersteller tatsächlich überflüssig machen könnten, ist in der Praxis allerdings schwerer umsetzbar, als es in der Theorie klingen mag. Zum einen investieren Konsolenhersteller aktuell selbst in Zukunftstechnologien wie Cloud-Gaming und zum anderen zeichnen sich die Plattformen von Nintendo, Sony und Microsoft durch exklusive Spielinhalte aus. Vor allem Die Konzerne haben über die vergangenen 20 Jahre dutzende Studios, Marken und Franchises geschaffen und sich damit eine treue Fangemeinde gesichert.

Dass aber definitiv ein Wandel bevorsteht, zeigen unter anderem die Investitionen des Chipherstellers Nvidia. Der Grafikprozessoren-Produzent setzt verstärkt auf Server-Lösungen, um für das Cloud-Gaming-Zeitalter vorbereitet zu sein. (APA/zw, derStandard.at, 25.9.2012)

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