Immobilienmarkt praktisch leer gefegt

25. September 2012, 14:55
  • In München darf man sich über Preise von 500.000 Euro für eine neue 100-Quadratmeterwohnung in der Stadt fast schon freuen.
    foto: apa/frank mächler

    In München darf man sich über Preise von 500.000 Euro für eine neue 100-Quadratmeterwohnung in der Stadt fast schon freuen.

Makler zahlen bis zu 3.000 Euro Vermittlungsprämie für Tipps. Experten: Kein drastischer Preisverfall in Sicht

München/Hamburg - In deutschen Großstädten sind zum Verkauf stehende Häuser und Eigentumswohnungen zur Mangelware geworden. Selbst Experten staunen über den Hype. Nach einem jahrelangen Ansturm auf Immobilien finden Käufer vor allem in München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart oder Köln kaum noch Angebote zu passablen Preisen. "Das Objektanbot in den Metropolen wird geringer", sagt Marcus Drost vom größten deutschen Immobilienportal Immobilienscout24 in Berlin. Käufer brauchen nach drastischen Preissteigerungen nicht nur viel Geld, sondern auch immer mehr Geduld.

Seit Beginn der Finanzkrise hat die Angst vor Banken-Zusammenbrüchen, Inflation und Euro-Schuldenkrise einen nie dagewesenen Immobilienboom ausgelöst. Zwar gab es auch früher schon ein auf und ab auf diesem Markt, das oft auch von politischen Entscheidungen wie der Eigenheimzulage ausgelöst wurde. Doch vom Boom in den späten 1990ern und 2000ern in den USA und etlichen europäischen Ländern - wo dieser zum Auslöser der Finanzkrise wurde - bekam der deutsche Immobiliensektor wenig mit. So staunen selbst die Experten über die jüngste Entwicklung. "Das habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt", sagt der Leiter der Marktforschung des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) Süd, Stephan Kippes.

Schnäppchen: 500.000 Euro für 100 Quadratmeter

Selbst in Berlin, das früher als vergleichsweise günstiges Pflaster galt, werden in Bestlagen bis zu 15.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt und damit dreimal so viel wie früher. In München sind Preise von 500.000 Euro für eine neue 100-Quadratmeterwohnung in der Stadt fast schon ein Schnäppchen. Trotzdem ist ein drastischer Preisverfall aus Sicht von Kippes nicht zu befürchten - auch, weil sich die Lage wegen der geringen Zahl der Neubauten nicht entspannen wird. "Ich habe keine Sorgen vor einem Crash."

Angeheizt wird der Kaufrausch durch historisch niedrige Baugeldzinsen von teils unter drei Prozent. Allein der größte deutsche Makler Engel&Völkers hat aktuell rund 500.000 Kaufinteressenten in seiner Kartei und kann in den Metropolen nicht auf Anhieb alle Wünsche erfüllen. "Der Verkauf ist vergleichsweise leicht", sagt Vorstand Kai Enders. Bei Immobilienscout24 ist die Zahl der Kaufgesuche seit dem Beginn der Finanzkrise um 500 Prozent gestiegen. Auf ein neues Immobilienangebot bei dem Anbieter gehen mitunter innerhalb einer halben Stunde mehr als 50 E-Mails und Anrufe von Interessenten beim Verkäufer ein.

Zweigeteilter Markt

Goldene Zeiten für Makler? Nicht unbedingt: Zwar ist der Verkauf von Immobilien für sie in vielen Regionen so einfach wie selten - das Problem für sie ist aber, überhaupt noch Wohnungen oder Häuser zu finden, die zum Verkauf stehen. Besonders kleinere Vermittlungsbüros ohne bundesweites Netzwerk wie Engel&Völkers tun sich schwer. Viele sind händeringend auf der Suche und zahlen üppige Prämien für Tipps. "Sie kennen jemanden, der seine Immobilie verkaufen möchte? Geben Sie uns Bescheid", wirbt etwa ein Makler im Fichtelgebirge und lockt mit bis zu 3.000 Euro Vermittlungsprämie.

Der Immobilienboom betrifft aber vor allem die Großstädte, während in Teilen Ostdeutschlands oder Nordrhein-Westfalens Häuser leer stehen oder sogar unverkäuflich sind. "Der Markt ist zweigeteilt", sagt Enders. Im Ruhrgebiet wird auch die Vermietung von Wohnungen zunehmend schwieriger. Vor allem im nördlichen Ruhrgebiet stehen Wohnungen oft monatelang leer, bevor sich ein Mieter findet.

Blinde Zusagen am Telefon

Am angespanntesten ist die Lage derzeit nach Ansicht von Makler Enders in der bayerischen Landeshauptstadt. "München ist am allerschlimmsten." Dort bieten einige Makler bei begehrten Immobilien nur noch Sammeltermine an, um die Schar der Interessenten in möglichst kurzer Zeit durchzuschleusen. Bei einer vermieteten Zwei-Zimmer-Wohnung als Kapitalanlage zum Preis von rund 120.000 Euro hätten mehrere Käufer blind am Telefon zugesagt - ohne die Wohnung überhaupt gesehen zu haben, erzählt ein Makler. Zunehmend beliebt wird auch das Bieterverfahren gegen Höchstgebot.

Kaufinteressenten brauchen in diesem Umfeld starke Nerven und den Mut zu einer schnellen Entscheidung. Als Geheimtipp gelten inzwischen wieder Immobilienanzeigen in den Zeitungen: Denn anders als im Internet werden dort nicht automatisch Hunderte vorgemerkte Interessenten per Mail über ein neues Inserat informiert - auf der Jagd nach der Traumwohnung ein Vorteil. (APA, 25.9.2012)

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Und was ist mit Leipzig und Dresden? Da sollte es genügend Angebote geben. Viel gebaut wird dort auch.

120 000 € für 2 Zimmerwohnung

In Innsbruck ein Schnäppchen!

und trotzdem hat Deutschland immer noch die zweitniedrigste Eigentumswohnungsquote in Europa

ein Grund ist die steuerliche Benachteiligung beim Immobilienerwerb zur Eigennutzung gegenüber Fremdnutzung zum Vermögensaufbau.

So,

und jetzt eine Wohnraumsteuer,
50m2 pro Person steuerfrei
und dann geht´s los.

Jungfamilie (mit 2 Kindern) kann dann auf 200m^2 Wohnen ohne Steuern zu Zahlen, eh toll.

Immobilienbesitzer hat 1000de m2 Wohnfläche steuerfrei....auch toll?
wenn´s wollen könn´ma ja 33, oder 27m2 festlegen, aber nebenbei, die Wohnungsgrössen werden sicher nicht über die Steuern geregelt.

Der Crash kommt

Die Leute müssen nur draufkommen, dass eine Wohnung/Haus auch nur ein Ding ist das einen Wert hat. Gut, man kann drinnen wohnen. Aber eine Immobilie kostet auch Geld. Lustig wirds ja erst, wenn die Leute mehrere Wohnungen besitzen und wenn die keiner zahlen kann... Exponentiell schnell kommt der Crash.

Angebote zu passablen Preisen ...

Wo gibt es die überhaupt noch ??

30 km von der Stadt entfernt

kriegen Sie Haus und Grund nachgeworfen. Aber wenn Sie dort wohnen wollen, wo alle anderen auch wohnen wollen, müssen's dafür zahlen.

Man munkelt in Wladiwostok

gäbe es noch paar erschwngliche Häuser zu erwerben.
Eignet sich aber eher für Wochenend Pendler.

pftpftpftpftpftpftpftpftpftpftpft.....bummmm!

ffft - ffffffft - ffffffffffffttt - ffffffffffffffftttttt - knallll!!

sieht in Österreich sicher nicht viel anders aus

Ich habe keine Sorgen vor einem Crash -- Angeheizt wird der Kaufrausch durch historisch niedrige Baugeldzinsen von teils unter drei Prozent

hmmm ... ich hab so was ähnliches schon mal gehört, aber ich weiß nicht mehr wo ...

"Trotzdem ist ein drastischer Preisverfall aus Sicht von Kippes nicht zu befürchten - auch, weil sich die Lage wegen der geringen Zahl der Neubauten nicht entspannen wird."

Und wo sollen dann Leute mit einem normalen Gehalt wohnen?

wo wohnst denn jetzt?

Die "Leute mit einem normalen Gehalt"

werden sich damit anfreunden müssen, dass für Wohnqualität ein Drittel bis die Hälfte des Gehalts geopfert werden muss. Statt des schicken 5er-BMWs doch nur einen Skoda Octavia und dafür schön wohnen.

Am Land und dann pendeln sie ein.

Und für die Fernpendler wird´s dann WG´s geben.
Gab´s doch schon mal, oder ?
Ich kann mich an steirische und burgenländische Bauarbeiter erinnern, die nur zu WE heimfuhren und während der Woche in Wien in einer WG oder in einem Untermietzimmer wohnten.

in paris gibt's die schon lange, die arbeitenden menschen, die sich trotz ihres normalen gehalts keine wohnung mehr leisten können.

ein freund von mir zahlte in paris für sein 14m² zimmer (küche, wohn- und schlafraum und bad in einem; klo am gang) vor sechs jahren so viel wie ich für meine (nicht kleine) wohnung in wien.

Und wenn die Zinsen wieder steigen, die Kreditnehmer die Raten nicht mehr bedienen können, sitzen die Banken auf vielen unvermittelbaren Häusern und wir können wieder blechen.

Darlehen??

In München werden die besagten 120000-EUR-Käufe CASH getätigt! Da machen Zinserhöhungen gar nichts aus. Wir reden von Leuten, die das teilweise pro Jahr als Gewinne erzielen (Privatärzte, Unternehmensberater...Consultants...)!

Sie vergessen

Drogenhändler, Zuhälter oder Agenten, die das Geld der Mafia waschen.

der österreichische Weg von Vorstellung

Wie unelegant;-)

...zuerst fliesst das doch in die diversen Lokale und Unternehmungen, die dann riesen Gewinne machen, obwohl dort nie ein Kunde gesichtet wird....danach wirds aufgelöst und in Immos investiert....und dank der FDP kontrolliert der deutsche Fiskus auch nur Privatleute bis zum Tode und die sogenannten "Unternehmer" bekommen den Allerwertesten gestreichelt....

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