Weg vom Kitsch: Sisi als Suchende in neuer Ausstellung

  • Ursprünglich kam Sisi nach Korfu, um sich von einem Lungenleiden zu kurieren.
    foto: schloß schönbrunn kultur- und betriebsges.m.b.h.

    Ursprünglich kam Sisi nach Korfu, um sich von einem Lungenleiden zu kurieren.

  • Das Achilleion wurde von 1888 bis 1891 erbaut.
    foto: schloß schönbrunn kultur- und betriebsges.m.b.h.

    Das Achilleion wurde von 1888 bis 1891 erbaut.

Zentrales Element der Schau ist das Leben auf Korfu, wo die Kaiserin Asyl vom Hofalltag fand

Der Kult um Sisi ist ungebrochen: Zu ihrem 175. Geburtstag gibt es heuer zahlreiche Ausstellungen über das Leben der Kaiserin. So auch die Ausstellung "Sisi auf Korfu", die ab 26. September im Hofmobiliendepot zu sehen ist. "Sisi ist eine Projektionsfläche für viele Menschen", sagt Ilsebill Barta, wissenschaftliche Leiterin des Hofmobiliendepots, über die Faszination, die Elisabeth bis heute auf viele Menschen ausübt.

Faszination Griechenland

Bilder, Gebrauchsgegenstände und antike Kunstobjekte, die in der Ausstellung gezeigt werden, entstammen größtenteils der hauseigenen Sammlung des Hofmobiliendepots. Obwohl Elisabeth viel herumreiste, nahm Korfu einen besonderen Stellenwert in ihrem Leben ein: Hier ließ sie sich ihr pompöses Haus, das Achilleion, errichten.

"Wie alles, was Sisi gemacht hat, hat sie auch ihre Liebe zu Griechenland sehr intensiv ausgelebt", sagt Olivia Lichtscheidl, die Kuratorin der Ausstellung. So lernte sie etwa Alt- und Neugriechisch. Als 1870 Heinrich Schliemann Troja ausgrub, wollte Sisi als "erste Fürstin" die Stadt besuchen. Bis zu ihrem Tod war Elisabeth jedes Jahr in ihrem Refugium auf Korfu.

Sisi als Suchende

Lichtscheidl war es wichtig, Sisi eine andere Rolle zu geben, als die Opferrolle, die ihr die Geschichtsschreibung oft zuteilt: "Ich wollte sie nicht als ewig Getriebene, sondern als Suchende darstellen." Eine Abkehr vom Sisi-Kitsch ist auch Ilsebill Barta wichtig: "Wir versuchen Sisi zu entzaubern."

Das zeigt sich sehr deutlich in der Ausstellung "Sisi auf Korfu": Mit Mythen, wie jenem, dass sich Sisi bei einem Unwetter an einen Schiffsmast binden ließ, wird aufgeräumt. Aquarelle von Sisis Anwesen, angefertigt von Angelos Gialliná, sind ein zentraler Bestandteil der Ausstellung. Sie werden einerseits als Originale gezeigt, andererseits auf Leinwände projiziert. Besonders faszinierend findet Kuratorin Lichtscheidl jene Ausstellungsobjekte, denen man ansieht, dass sie benutzt wurden. So ist ein Lockeneisen der Kaiserin von der Hitze geschwärzt.

Kein dauerhaftes Glück

Auch sonst ist genug Platz für Sisis berühmte Schönheit: So werden ein Reisetoilettekoffer sowie ein Bademantel ausgestellt, den sie nach dem Schwimmen im Meer trug. Während beim Eingang der Ausstellung ein schwarzes, hochgeschlossenes Reisekleid der Kaiserin ausgestellt ist, ist am Ende der Schau ein weißes, leichtes Sommerkleid von Elisabeth zu finden. Denn auf Korfu konnte sie den Zwängen des Wiener Hofs entkommen: "Korfu ist mein Asyl, wo ich ganz mir selbst angehören darf", sagte die Kaiserin einmal.

Doch auch das prunkvolle Anwesen auf Korfu, das 1891 fertiggestellt wurde, machte Sisi nicht dauerhaft glücklich. Zum Zeitpunkt ihres Todes stand das Anwesen bereits zum Verkauf. Die Gemälde, die heute ein Kernstück der Ausstellung in Wien darstellen, hatte sie ursprünglich dafür anfertigen lassen, um eine Erinnerung an das Achilleion zu haben. (Franziska Zoidl, derStandard.at, 26.9.2012)

Info

Die Ausstellung "Sisi auf Korfu. Die Kaiserin und das Achilleion" ist von 26. September bis 27. Jänner im Hofmobiliendepot zu sehen.

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