Jean Ziegler: Berichterstattung fehlt oft Kausalität

Sabine Bürger
25. September 2012, 11:41
  • Jean Ziegler: Die Zivilgesellschaft braucht die Presse.
    foto: apa/neubauer

    Jean Ziegler: Die Zivilgesellschaft braucht die Presse.

Globalisierungskritiker hielt Keynote auf den Medientagen - Wir stehen am offenen Grab der Vierten Gewalt, kritisierte zuvor Veranstalter Manstein

Hans Jörgen Manstein eröffnete Dienstag die Österreichischen Medientage. In seiner Rede kritisierte er visionslose Politik und Medien. "Uns ist das Gespür für den Inhalt verloren gegangen", sagte Manstein. "Wir stehen am offenen Grab der Vierten Gewalt." Medien würden Honorare auf "Hilfsarbeiterniveau" zahlen. "Denke ich an die Medien, dann fallen mir anstatt von Visionen Schreibsklaven ein." Ein Seitenhieb auf den ORF: Ohne freie Mitarbeiter kein Qualitätsprogramm.

Medienkritik kam auch vom Keynote Speaker Jean Ziegler. Der Soziologe, Autor und Globalisierungskritiker veröffentlichte Anfang September ein neues Buch, in dem er den Hunger anprangert. "Nahrungsmittel zu verbrennen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte Ziegler. Hunger sei kein schleichender Energieverlust, sondern "eine der schlimmsten Todesformen, die man sich vorstellen kann. Hunger ist von Menschen gemacht und kann von Menschen besiegt werden", sagte Ziegler. Der Berichterstattung darüber fehle oft die Kausalität.

"Utopie" als Antrieb

Die Rolle der Presse müsse es sein, Zusammenhänge aufzuzeigen und das Schweigen zu brechen. Ziegler zitierte den Philosophen Burke: Alles was das Böse braucht, ist das Schweigen der guten Menschen. Antrieb sei auch die "Utopie", der Wunsch nach dem ganz Anderen. Der Journalist sei der Verwalter der Utopie, des Willens zur Gerechtigkeit, erläuterte Ziegler. Dabei kontrolliere der Journalist sich selbst, sei verantwortlich vor sich selbst, seinem eigenen moralischen Imperativ.

Nicht unerwähnt lässt Ziegler einen Widerspruch - die Eigentümerverhältnisse von Medienunternehmen. Die französische Zeitung "Figaro" gehöre dem Kriegsflugzeughersteller Dassault, nannte der Soziologe ein Beispiel. Doch dieser Widerspruch werde bekämpft durch Pressefreiheit.

"Kannibalistische Weltordnung"

"Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie", schließt Ziegler seine Keynote mit einem hoffnungsvollem Ausblick. Auch Verbraucher könnten Konzerne zurückdrängen. Der Bürger, die Bürgerin habe "die Waffen in der Hand, um die kannibalistische Weltordnung zu bekämpfen". Wie die Journalisten werde auch die Zivilgesellschaft vom moralischen Imperativ getrieben. Und damit schließt sich der Kreis. Die Zivilgesellschaft braucht die Presse. "Ohne Presse kann Bewusstseinsbildung nicht geschehen", gibt Ziegler den Medienmachern mit. (Sabine Bürger, derStandard.at, 25.9.2012)

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22 Postings
Ich finde den Ziegler witzig

Er kriecht in jedes Bett mit jedem totalitären Mörder wenn es ihm nur Geld bringt.
Er wendet seine Meinungen öfter als eine Kolibri seine Flügel bewegen kann.
Danach geht er Duschen und gibt sich wieder als guter Mensch mit moralischen Ansprüchen., natürlich nur an die anderen.

Ein typischer Wendehals und Lehnstuhlrevolutionär.
Unglaubwürdig ohne Ende.

Und er kommt damit immer wieder durch, denn er wird immer wieder für seine Ergüsse bezahlt und zu Vorträgen eingeladen.
Er gilt auch hier als Star und "moralische Instanz".

OK, dazu dürfte nicht viel gehören ;-)

Da könnte jeden, der sein Geld ehrlich verdient, der Neid fressen.

Dafür kann ich mich wenigstens noch in den Spiegel schauen...

Machmal tun die falschen Leute aus falschen Gründen das Richtige. Ob Ziegler mit den Hinweis darauf, dass Hunger im 21. Jh. ein Skandal ist, Geld verdient ist mir lieber als Leute, die kein Geld damit verdienen, dass ihnen der Hunger der anderen egal ist.

Ziegler ist einer wichtig

der Marxist Ziegler selbst.
Der Hunger der anderen ist ihm völlig egal.
Der ist nur ein Mittel um Geld zu verdienen.
Ziegler könnte jede beliebige Ideologie haben.

Fast völlig wurscht ...

Ziegler kann den Hunger nicht beseitigen, aber wenn er das Hintergrundrauschen macht, dass Hunger in unserer Zeit ein Skandal ist, denken Leuten, die sonst daran keine Gedanken verschwenden würden, vielleicht darüber nach ob es klug ist Nahrungsmittel in den Autotank zu füllen.
Hunger kann nur beseitigt werden, wenn die Bürger und die Politik das Thema ernsthaft angehen.
Wenn Sie so wolle ist Ziegler der Brandstifter, der die baufällige Ruine beseitigt, damit etwas neues entstehen kann.

Der ideale Mahner

Er bestätigt den Einzelnen in seinem Urteil über die
bösen Großkonzerne, die bösen Imperialisten, Banken
und allem was uns verhasst ist, spricht uns damit von
unserer Individualschuld frei und wir können mit
ruhigem Gewissen unseren Luxus geniessen, ohne uns
darüber Gedanken machen zu müssen, dass jeder Einzelne von uns ein Imperialist, ein Vertreter der
Multinationalen Konzerne ist und dass wir die Nutznießer des Systems sind.
Ach ja, wir haben ja eh unlängst einmal 20 Euro für die armen Teufel "da unten" gespendet.....

Schon komisch, der Ziegler

die Hungerverursacher kennt er alle, aber die Grabschaufler der 4. Gewalt nennt er nicht. Von denen kriegt er nämlich sein Honorar und die schreiben darüber, wenn er wieder einmal ein wildes Traktat verfasst hat, für das er dann wieder geklagt wird. Im Übrigen finde ich die Heldendefinition der Ziegleristen äußerst seltsam. Der brüstet sich oder jammert darüber, je nachdem wie man das betrachten will, dass er 7 mal geklagt wurde und 7 x verloren hat. Für mich wäre er dann ein Held, wenn er 7 x geklagt wurde und 7 x gewonnen hätte, aber wie gesagt, manche Bessermenschen stehen halt a bisserl auf Kriegsfuss mit dem logischen Denken.

Bewusstseinsbildung:

- die faulen Griechen sind schuld an der Eurokrise
- die Pensionisten sind schuld am Staatsdefizit
- Banken muss man retten
- gehts der Wirtschaft gut, ...
- wir brauchen kein Bundesheer, die Welt ist friedlich
- ....

So vieles wird so oft wiederholt.

Bundesheer brauchen wir tatsächlich keines.

Die Medien wirken!

Feuerwehr auch nicht.

Die kommen nur ständig Löschen wenn die Rechten mal wieder Bücher verbrennen.

Das ist lästig.

Jaja, die Feinde der Aufklärung und der freien Meinungsäußerung

feiern fröhliche Urständ':

Ob Deutschland...
http://www.welt.de/debatte/k... error.html

...oder Morgenland:
http://de.ibtimes.com/articles/... bibeln.htm

http://www.zdf.de/ZDF/zdfpo... ia-TV.html
___

"Die Rechten" haben auch "mal wieder" Bücher verbrannt? Enthüllen Sie was die Medien verschweigen - danke!

Sie sind die neuen Juden.

Aber von Kunst und Kultur verstehen sie noch immer nichts.

Und die 'religiösen Gefühle' von Spinnern die sich darüber beschweren, dass ein Märchenbuch verbrannt wird, gehen mir als Atheisten zum Glück am Arsch vorbei.

Aber die, mit antiliberalsten Geisteshaltung spielen sich in letzter Zeit immer häufiger als Verteidiger der freien Meinungsäußerung auf.

Suchen Sie sich was aus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Büch... ahrhundert

Aha. Interessant...

Ihre Zeilen haben aber mit meiner Frage nach den "ständig" nötigen Löscheinsätzen wegen "mal wieder" rechter Bücherverbrennungen nichts zu tun.

Ich veranstalte in meiner Buchhandlung immer wieder literarische aber auch politisch-gesellschaftliche Diskussionsrunden und wäre Ihnen sehr verbunden wenn Sie entsprechende Informationen beisteuern könnten. Die Medien scheinen diese rechten Umtriebe ja völlig zu verschweigen - danke!

Ihre Worte: "Die kommen nur ständig Löschen..."

Aber ich seh schon, Sie versuchen nur auszuweichen um Ihr Gesicht zu wahren.

An den "(ständigen) rechten Bücherverbrennungen" ist wohl doch nichts dran. Danke trotzdem, da bin ich sehr beruhigt. Hätte ja sein können...

Auch die Berichterstattung hier ist teilweise unter jeder Kritik.

der manstein am offenen grab der vierten macht ... herrlich

Der alte Sozi Ziegler zitiert Burke, den Vater des Konservativismus. Herrlich...

...zu welch sonderbaren Bettgenossen einen das Leben manchmal zwingt;-)

Vielleicht liegt's auch daran, daß das gar kein Zitat von Burke ist...

da habens jetzt aber glück gehabt. fast wäre ihre hinterwelt wieder mal zusammengebrochen...

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